Reisebericht Kalifornien Los Angeles, Las Vegas, San Diego Februar 2013

Mein Freund wünscht sich, seinen diesjährigen Geburtstag in Los Angeles zu verbringen. Wir lieben diese Stadt, einem weiteren Besuch steht also nichts im Wege. Wir warten auf ein USA-Special der Swiss und ergattern tatsächlich Flüge zu einem super Preis. Tapfer harren wir nun in der eiskalten schneereichen Schweiz aus und warten sehnsüchtig auf unseren Abflugtag, den 11. Februar 2013.

 

Tag 1 - Anreise, Ankunft in West Hollywood

 

Endlich ist es soweit, die Vorfreude könnte kaum grösser sein. Bedingt durch Schnee und Eis trifft unser Zug mit einiger Verspätung in Zürich ein, dafür klappt danach alles wie am Schnürchen. Ein Blick auf die Anzeigetafel lasst jetzt aber nichts Gutes erahnen, die Farbe rot dominiert. So richtig glauben wollen wir es noch nicht, aber die Destination Los Angeles scheint pünktlich angeflogen zu werden. Tatsächlich sitzen wir kurz darauf im Flieger, leider aber auf den denkbar ungünstigsten Plätzen. Der Passagier vor uns hat eine derart üble Bierfahne, dass mir ein 12-Stunden-Flug auf diesem Platz unmöglich erscheint. Die Swiss zeigt sich von der besten Seite, wir werden umplatziert und kriegen eine ganze Reihe am Ende des Flugzeugs für uns. Perfekt! Nun heisst es, sich gemütlich einzurichten, Filme  und Bücher zu verschlingen und warten auf endlich wärmere Temperaturen.

Fast eine Stunde früher als geplant erreichen wir LAX. Weder bei der Passkontrolle noch beim Car Pick-Up müssen wir anstehen, heute klappt bei der Anreise alles reibungslos. Während den Tagen in Los Angeles übernachten wir wieder im Hollywood B&B, ein sicherer Wert für Qualität und Wohlfühlatmosphäre. Nina bringt uns ins Zimmer Biarritz und präsentiert uns die neusten Restaurants in der Umgebung am Hollywood Blvd. Nach einer kurzen Pause starten wir unsere Runde für den ersten Tag: Hollywood Blvd. - Walk of Fame - Hollywood Highland - Sunset Blvd.  Die reine Gehzeit von einer guten Stunde dehnen wir massiv aus, bei dem gemütlichen Abendspaziergang geniessen wir das Bewusstsein, zurück in unserem geliebten LA zu sein und amüsieren uns, indem wir einer Pole-Dance-Class beim üben zuschauen.

Tag 2 - Griffith Observatory, Camarillo, Pacific Coast, Santa Monica, Venice Beach

 

Auf den heutigen Tag freue ich mich riesig, nach Shopping im Camarillo Outlet wollen wir am Nachmittag an die Küste, später nach Santa Monica und zum Venice Beach. Um 5.00 früh starten wir mit einem ersten Highlight, wir fahren zum Griffith Observatory um den atemberaubenden Sonnenaufgang zu bewundern. Die Lichter der Millionenstadt gehen langsam aus, die Sonne steigt empor. Ein immer wieder sehenswertes Naturspektakel! Für mich persönlich einer der schönsten bisher besuchten Orte auf der Welt.

Pünktlich zum Frühstück sind wir zurück im B&B und stillen den Hunger mit Bagels und Cerealien. Nun stürzen wir uns in den Morgenverkehr in Richtung Camarillo. Der Premium Outlet öffnet um 10.00 seine Pforten und wir starten unsere Shoppingtour, welche wir mit einem mexikanischen Lunch abschliessen. Für die Rückfahrt wählen wir den Pacific Coast Highway 1, der Blick aufs Meer ist wunderschön. Viele Surfer nutzen das gute Wetter um ihrem Sport zu frönen. Ich bin froh, dass Santa Monica nicht allzu weit entfernt ist, meinem Magen bekommen die Autofahrten hier nicht gut.

Den Nachmittag geniessen wir an der 3rd Street Promenade in Santa Monica, bevor wir uns gegen Abend aufmachen zum Venice Beach. Die Beach Cafés schliessen langsam, dankend nehmen wir die nichtverkauften Becher mit frischem Obst an - etwas Gesundes darf es ruhig zwischendurch sein. Am Pier erleben wir einen traumhaften Sonnenuntergang, bevor wir uns auf den Weg zurück ins Zentrum von Santa Monica machen. Santa Monica ist das Yoga-Mekka, wir kreuzen unzählige Frauen mit Yogamatten  auf dem Weg zurück zum Auto. Mich juckt es unter den Nägeln, am liebsten würde ich mich gleich einer Class anschliessen. Auf dem Rückweg zum B&B hängen wir wieder im Verkehr fest und brauchen ewig, bis wir endlich wieder in West Hollywood sind.

Tag 3: West Hollywood, Las Vegas

 

Die ersten beiden Nächte liegen bereits hinter uns, schon heisst es zusammenpacken für unsere nächste Destination: Las Vegas. Nach einem ordentlichen Frühstück verbringen wir den Vormittag in West Hollywood und geniessen die Sonnenstahlen. Das Wetter ist ein Traum, wie sehr haben wir uns darauf gefreut. Direkt nach dem Mittagessen im Chicken Dijon mit einer in LA wohnhaften Bekannten machen wir uns auf den Weg nach Las Vegas. Der Verkehr in und um Los Angeles ist enorm - wir brauchen lange bis wir überhaupt auf der Interstate 15 sind. Eigentlich nutzen wir immer die frühen Morgenstunden für weitere Fahrten, dummerweise haben wir uns heute anders entschieden.

Etwas Abwechslung in die öde Fahrt bringt die Auffüllung unseres leeren Tankes: Zuerst ist der Tankdeckel auf der falschen Seite, dann will er sich nicht öffnen lassen. Wir wälzen das dicke Manual und finden schliesslich den Öffnungsknopf. Und was füllen wir jetzt ein? Wieder haben wir keine Ahnung mehr und lassen uns von einem netten Herrn aufklären. Nun kann der Road Trip wie geplant weitergehen. ich meine schon mal erwähnt zu haben, dass ich keine Freundin von Autofahrten bin. Leider ist hier aber das ÖV-System nicht gut ausgebaut. Die Gegend ist karg, mit dem Pacific Coast Highway 1 kann diese Strecke nicht mithalten. Radio Classic Rock sorgt für Unterhaltung, ebenso ein rosafarbenes Glitterauto. Am Steuer sitzt zu unserer Überraschung nicht Barbie, sondern ein Mann mit 2 Zöpfen.

Abermals kommen wir in den Genuss eines Sonnenuntergangs, diesmal aber in entgegengesetzter Fahrtrichtung. Nach knapp 4.5h entdecken wir endlich die Glitzerwelt Las Vegas. Der Wechsel ist aprupt, von langweiliger Einöde zu Farben, Glitter, Verkehr und Lärm. Die letzen Meter fordern nochmal die volle Konzentration und wir sind froh, als das Auto seinen Standplatz erreicht hat. Das Hotelangebot in Las Vegas ist immens, nach einigen Vergleichen ist unsere Wahl auf das MGM Grand gefallen. Die Lobby ist beeindruckend - riesig, sauber und edel. Mit unserer Buchung hat etwas nicht wie gewünscht geklappt, mein aufsteigender Ärger legt sich aber, als wir unser luxuriöses Zimmer im 28. Stock betreten.

Nun heisst es kurz frischmachen und mit dem Taxi nach Ruth's Chris fahren, wo wir den Geburtstag von meinem Freund stilgerecht feiern wollen. Der Concierge klärt uns auf, dass das Restaurant vor Kurzem umgezogen ist und teilt dem Fahrer direkt die neue Adresse mit - Service! Das Essen ist einfach köstlich, das Ambiente festlich und dennoch gemütlich.

 

Im Hard Rock Hotel&Casino stossen wir mit Cocktails an, dazu versuchen wir unser Glück an den Spielautomaten - mit mässigem Erfolg vorerst.

Tag 4 - Tagesausflug Hoover Dam, Seligman, Grand Canyon

 

Der Ausblick aus unserem Zimmer ist atemberaubend, so aufzuwachen ist ein Erlebnis der Extraklasse. Zusätzlich werden in Vegas sehr viele Emotionen über die Musik gesteuert. Schon am frühen Morgen dröhnen perfekt gewählte Songs aus den Lautsprecherboxen von Lift und Lobby, so dass man sich zu 100% am richtigen Ort fühlt. Im hauseigenen Starbucks holen wir uns zum Frühstück einen Chai und einen Fruchtbecher und machen uns startklar.

Selbstverständlich darf ein Ausflug zum Grand Canyon nicht fehlen. Wir entscheiden uns für den Touranbieter mit den besten Reviews, Grand Adventures Tours. Kevin holt uns mit dem Kleinbus um 7.00 direkt vor dem Haupteingang des MGM zur Winter Tour ab. Wir fahren dem Strip entlang um die restlichen 7 Personen aufzuladen und erhalten bereits hier eine kleine Citytour. Durch die Mojave Desert fahren wir zum ersten Stop in Boulder City, bei McDonalds gibt es Frühstück all you can eat. Ob es deshalb so gute Bewertungen gab?  Die Fahrt geht weiter zum Hoover Dam vorbei am Lake Mead, dem bekannten See in Nevada, welchen man für 29$ mit dem Helikopter überfliegen kann.

Direkt am Wegrand posieren für uns Antilopen im Gebirge. Nach einem kurzen Sicherheitscheck dürfen wir den Eingang zum Hoover Dam-Gelände passieren. Wir erklimmen die Stufen hoch zur riesigen Brücke und sind beeindruckt, die Höhe ist enorm! Weit mehr fährt mir aber die Tatsache ein, dass ich meine Kamera in der Tasche nicht finden kann. Das Drama beginnt...meine geliebte Sony aus Japan, mit den eingravierten Kirschblüten und vielen Urlaubsbildern ist weg. Am liebsten würde ich sofort zurück zum Bus rennen, der Hoover Dam ist gerade unwichtig geworden für mich. Wir durchforsten den Minivan, fündig werden wir aber nicht. Einige Fahrminuten (die mir wie Stunden vorkommen) später erblickt die Dame hinter mir plötzlich meine Kamera in einer Ritze hinter meinem Sitz - was für eine Erleichterung! Wie ich das wieder geschafft habe bleibt mir ein Rätsel. Entspannt lehne ich mich zurück und döse, bis wir einen Kurzstop in Kingman einlegen. Viele Senioren haben hier Ihren Alterswohnsitz, das Klima und die Ruhe bilden dafür ideale Voraussetzungen.

Etwas länger pausieren wir in Seligman, der Kultstadt an der Route 66. Die Geisterstadt ist ein Anlaufpunkt für Touristen, antike Shops, Restaurants und Autos säumen die Strassen. Seligman, welches sich selbst als Geburtsort der Route 66 bezeichnet, wurde als Inspiration für den Film Cars genutzt. Uns gefällt es hier auch, die lustigen Kulissen sind durchaus sehenswert. Das bekannteste Gebäude - mittlerweile ein Giftshop - ist der Barber Shop von Angel Delgadillo.

So langsam nähern wir uns dem Ziel, die Strassen werden kurviger, die Landschaft grüner. An einigen Stellen liegt sogar etwas Schnee. Bright Angel Lodge bietet einen schönen ersten Ausblick auf den riesigen Canyon, Fotos werden das kaum wiedergeben können. Views are getting bigger and better, verspricht unser Guide Kevin.

 

Tatsächlich ist unser Picknickplatz am Maricopa Point atemberaubend. Genüsslich verspeisen wir bei Sonnenschein und Topausblick unsere Sandwiches von Arby's, bevor es weiter zum nächsten Aussichtspunkt geht.

Mit Point Powell und Hopi Point folgen zwei weitere eindrückliche Station. Hier treffen wir die Familie Feldmann, sie sind mit dem Wohnmobil ein Jahr lang quer durch Amerika unterwegs. Sie sind es schlussendlich, die mich Angsthase überzeugen, auf einem Felsvorsprung für ein eindrückliches Erinnerungsfoto zu posieren. Guide Kevin macht derweil weit waghalsigere Superman- und Planking-Posen auf den Klippen.

 

Auf dem Weg zur nächsten Station erspähen wir eine Herde Elche, sehr eindrücklich, die grossen Tiere aus der Nähe zu sehen.

Es ist heute ein perfekter Tag hier im Canyon, unser Fahrer zögert die Rückfahrt deshalb etwas heraus und lässt uns noch den Sonnenuntergang geniessen. Der Canyon färbt sich nun rötlich, ein ganz tolles Erlebnis. Die Tour war top! Wir bereuen keine Sekunde, uns nicht für den günstigsten Massentransport, sondern  Grand Adventures entschieden zu haben.

 

Nun nutzen wir die Zeit im Auto um etwas Schlaf zu tanken, gegen 21.30 erreichen wir Las Vegas.

In unserem Hotelkomplex befindet sich eine Monorail-Station, also lassen wir uns den Strip hochfahren um dann zu Fuss zurück zum Hotel zu pilgern. Allerdings erweist sich meine Erinnerung als nicht mehr die beste, die Distanzen wären zu Fuss ohne Anstrengung machbar gewesen. Sowieso kam mir vor 9 Jahren hier alles grösser, wilder, bunter und stressiger vor. Ich mag es jetzt tatsächlich hier in Las Vegas zu sein. Wir lassen die Lichter auf uns einwirken und geniessen die Brunnenshow des Bellagios. Schliesslich holen wir uns 5$-Margaritas und setzen uns an eine Fensterfront am Strip. Herrlich! Je später der Abend, desto mehr Spass bereitet das People Watching. What happens in Vegas stays in Vegas - sicher eine gute Idee für einige Leute.

Tag 5 - Las Vegas-Day

 

Im Vorfeld habe ich viel von den berühmten MGM-Buffets gehört. In unserem Zimmerpackage war eine $75-Konsumationskarte inklusive, also wollen wir das jetzt ausprobieren. Wir stellen uns in die Schlange vor der Kasse und werden schliesslich zum Tisch geführt. Das Getränkeangebot ist überschaubar, beim Essen wird aber aufgefahren, meine Güte! Mehrere Fassstrassen mit unglaublichen Kreationen: Salate, Obst, Fischsorten, Pancakes mit diversen Füllungen, Bagels, Brote, eine Süsstheke mit Muffins, Kuchen, Dessert, Eis, Cereals, aber auch Fleisch, ein Tex-Mex-Buffet mit Fajitas, Tacos, Burritos und und und...wir sind ziemlich rasch satt, ausserdem ist gerade mal 7.30. Spannend ist es aber allemal, dem Kampf um die Speisen zuzusehen. Uns fällt ein Mann mit dunkler Sonnenbrille auf, seine Tischnachbarn wechseln in regelmässigen Abständen. 

Auf dem Rückweg zum Zimmer legen wir spontan einige Runden Roulette ein, endlich gibt es mal einen freien Platz für uns. Nun sind wir fast startbereit, mein Freund sucht nur noch kurz die Toilette auf. Lachend kommt er zurück, scheinbar gilt die Sonnenbrille hier als Code für Drogenhandel, auf jeden Fall hätte er ordentlich Stoff kaufen können auf dem Klo. Unser erstes Ziel für heute ist das berühmte Las Vegas-Schild am Stadteingang. Auf dem Weg dorthin bummeln wir durch die Hotels New York, New York, Excalibur, Luxor und Mandalay Bay.

Auffallend viele Leute sind schon unterwegs, was uns etwas irritiert. Üblicherweise können wir die grossen Städte in den frühen Morgenstunden in Ruhe auf uns wirken lassen. Auf Anhieb finden wir das Schild natürlich nicht, es ist unscheinbar und weiter entfernt, als wir erwartet haben. Vor Ort befinden sich einige Touristen, ein Elvis und ein äusserst hilfsbereiter Herr, der seine Las Vegas-Homepage (deren Name ich bereits vergessen habe) promoten will. Er positioniert uns zielgerichtet vor dem Schild und schiesst einige originelle Aufnahmen von uns beiden.

Ein Taxi fährt uns nun den Strip hoch zur Fashion Show Mall, dem riesigen Shoppingtempel von Las Vegas. Leider sind die 200 Shops alle im Innern des futuristischen Gebäudes. Da es viel zu schade wäre, das wunderbare Wetter zu verpassen, kürzen wir massiv ab. Zurück an der Sonne setzen wir die Hotelbesichtigungstour fort. Wir schauen uns das Treasure Island, den schönen Eingangsbereich des Mirage und Ceasars Palace an. In letzterem befindet sich eine Filiale der Cheesecake Factory, was wir für eine kurze Pause mit fruchtigen Mojitos, Lunch und Cheesecake nutzen.

Nach dem leckeren Essen besuchen wir die Flamingos und Kois im Flamingo Hotel. Nach den Kanälen und Gondeln im Venetian und der chinesischen Neujahrsdekoration im Palazzo sind wir uns einig, dass wir es am Strip gesehen haben. Die Sonne brennt, die Strassen sind rappelvoll und es herrscht ausgelassene Stimmung à la Spring Break. Wir ziehen weiter zur Freemont Street und schauen uns dieses Spektakel an. Obwohl erst Nachmittag ist, ist auch hier eine Menge los. Mutige Passanten lassen sich an einem Hochseil vom einen zum anderen Strassenende fliegen - flightlinez.

Am Ende der Strasse befindet sich eines der bekanntesten Restaurants der Welt, Heart Attack Grill. Wer schwerer als 160kg ist, isst hier umsonst. Die Bedienung ist als Krankenschwester verkleidet, der Koch als Arzt. Wer hier Essen will erhält einen Krankenhauskittel und ein Armband umgelegt. Die Speisekarte ist widerwärtig, es wird hier Wert auf eine extra fettreiche Zubereitung gelegt. Von Butterfat-Shake über die extra zuckerreiche Cola bis zum 10'000 Kalorienburger - alles im Angebot. Tatsächlich sind hier bereits Kunden zu Tode gekommen, und das Restaurant ist stolz darauf. An der Hausfront ist gross die E-Mailadresse für Hassmails angeschrieben.

 

Nach einem kurzen Abstecher zu den North Las Vegas Premium Outlets fahren wir zum MGM zurück. Der Tag wird heute lang werden, eine kurze Pause kann nicht schaden.

Im Joint, dem Konzertclub vom Hard Rock Hotel&Casino treten heute Stone Sour, Papa Roach und Otherwise auf. Die Schlange vor den Pforten des Clubs sind lang, die Einlasskontrollen streng. Ein grosses Schild weist auf verbotene Gegenstände hin, unter anderem Gürtel, Arm- und Halsbänder und Schmuck mit Spikes. Na Bravo, wie gut dass ich meine neuen mit Spikes besetzten Steve Madden-Boots trage. Bevor ich die Situation richtig realisiere, werde ich weitergeschubst, es gibt hier separate Linien für Damen und Herren. Die Männer sind massiv in der Überzahl, dementsprechend ist deren Schlange viel länger. So unauffällig wie man mit diesem Schuhmodell halt gehen kann, versuche ich - Blut und Wasser schwitzend - die volle Aufmerksamkeit auf meine Tasche zu lenken und tatsächlich kann ich mich durchmogeln. Mein Freund ist erleichtert, als er mich einige Minuten später erblickt, auf der Männerseite wurde nämlich ausdrücklich darauf hingewiesen und kontrolliert, dass auch keine Designer Boots mit Spikes in den Saal gelassen werden.

Otherwise eröffnen pünktlich um 20.00 den Abend. Die Jungs stammen aus Las Vegas und kriegen sich vor Freude kaum ein, mit dem Aufritt auf dieser Kultbühne geht ein grosser Traum in Erfüllung. Ich mag die Band und kenne die Songs weitgehend, der etwas gar patriotische Einfluss kommt live aber etwas irriterend daher. Alles in allem aber ein souveräner Auftritt der Band, die noch auf den grossen Durchbruch wartet. Mit Papa Roach stehen nun alte Hasen auf der Bühne, die Stimmung ist super. Das Mass aller Dinge sind für mich Stone Sour, mal wieder knallen sie einen perfekten Auftritt hin. Corey ist sichtlich gut gelaunt, auch für ihn ist es ein Heimspiel vor Familie und Freunden.

Zurück im MGM machen wir statt Pole Dance im Casino zu gucken lieber einen Abstecher zu Wolfgang Puck Bar&Grill. Unsere Konsumationskarte hat noch ein Restguthaben, perfekt für einen Schlummertrunk und einen kleinen Mitternachtshappen. Die Bedienung bringt uns zum Tisch den sie besser nicht hätte wählen können. Direkt nebenan sitzen Mike Portnoy und John Moyer! Ohne auch nur den kleinsten Blick auf die Karte zu werfen stürme ich direkt zum Nebentisch und spreche ihn an. Im Gegensatz zu Marilyn Manson beim letzen Trip fühlt er sich nicht gestört. Bereitwillig posiert er für Fotos und quatscht ungezwungen mit uns. Zum Schluss macht er die nur an Schweizer Konzerten übliche Handbewegung und lacht, that's the Swiss-Thing, right! Aufgeregt bestellen wir uns einen Margarita, einen Pineapple-Ginger-Mojito und eine Pizza. Das war eine richtig schöne Begegnung. Als er später das Lokal verlässt verabschiedet er sich von uns und wünscht uns eine gute Weiterreise. Echt nett, Herr Portnoy :-)! Niemand sonst kennt ihn hier, die Bedienung fragt uns, wem sie denn eben das Essen serviert hat.

Tag 6 - Zurück nach LA: Venice Beach, Getty Center

 

Nach der ereignisreichen Nacht von gestern gehen wir es heute locker an. Kurz vor 09.00 sind wir startklar, die Reise zurück nach West Hollywood beginnt. Auf der Strasse ist wenig los, bereits kurz nach 13.00 treffen wir im Hollywood B&B ein. Unser Zimmer ist schon bezugsbereit, die nächsten beiden Nächte verbringen wir im Maverick-Room. Hier in LA ist es heute so warm, wie seit Wochen nicht mehr - 28 Grad, Sonne pur. Wir entscheiden uns für einen relaxten Nachmittag am Venice Beach, den wir uns aber hart verdienen müssen.

Chaos auf den Strassen, jeder will natürlich zum Strand heute. Auch die Parkplatzsuche erweist sich als schwierig, schlussendlich finden wir eine Spot auf halber Höhe zwischen dem Santa Monica Pier und dem Muscle Beach. Der Ocean Front Walk ist brechend voll, ein Schaulaufen wie es origineller nicht geht. Wir holen uns riesige frische Frucht-Smoothies und reihen uns in die Menschenmenge ein. Ein sehr spezieller Ort, wir lieben es, uns hier treiben zu lassen und zu staunen. Kurz vor dem Sonnenuntergang verlassen wir die Szenerie und fahren weiter zum Getty Center.

Unser Navi lotst uns wieder mitten in den Stau, das Ding nervt langsam. Das Verkehrsaufkommen ist unvorstellbar, 5 Spuren, die sich im Schneckentempo vorwärts bewegen. Ein Tram fährt uns direkt von der  Parkgarage hoch zum Getty Center. Die Abendstimmung ist wunderschön, trotzt Stau haben wir es rechtzeitig zum Sonnenuntergang geschafft. Wir gönnen uns im edlen Restaurant ein Sunset-Dinner mit Blick auf den Ocean. Heute passiert nicht mehr viel, wir sind geschafft von der Fahrerei, zudem wollen wir morgen früh los. Dem Navi geben wir jetzt keine Chance mehr, auf eigene Faust klappts besser und schneller.

Im grossartigen Organic Whole Foods-Market decken wir uns mit Reiseproviant ein und machen uns einen gemütlichen Abend im Zimmer. Mir gehts nicht gut, die US-Concert-Flu hat mich wieder voll erwischt. Einerseits ist mein Hals lädiert von den Klimaanlagen, andererseits habe ich wohl etwas viel Sonne abbekommen. Fiebrig und zittrig falle ich in den Tiefschlaf. Es geht nichts über das Hollywood B&B, ich kann es nicht oft genug erwähnen. Die Zimmer sind so erholsam, man fühlt sich wirklich wie zu Hause.

Tag 7 - San Diego

 

Heute unternehmen wir einen Tagesausflug nach San Diego. Mein Freund und ich waren beide noch nie da, jetzt ist die Zeit dafür reif. Der Wecker reisst mich aus dem Tiefschlaf, ich fühle mich etwas besser als gestern. Nach  dem Frühstück und einem Ingwertee von Nina machen wir uns auf die Socken, die Morgenstimmung in Los Angeles ist unglaublich schön.

Knapp 2 Stunden später stehen wir am Soldatenfriedhof von Point Loma und geniessen einen ersten Blick über San Diego. Leider ist die Sicht nicht all zu gut heute, im Verlauf des Tages soll es sogar richtig bewölkt werden. Coronado Island heisst deshalb unser nächstes Ziel, über die 2.2 Meilen lange Coronado Bay Brücke gelangen wir zum Aussichtspunkt. Hier haben wir jetzt eine hervorragende Sicht auf die Skyline, die Sonne lässt sich blicken. Die Sehenswürdigkeit der kleinen Insel ist das Hotel del Coronado, der Drehort des Marilyn Monroe-Films some like it hot. Wir kaufen uns einen Soy Chai Latte und geniessen das schöne Areal. Die Parkgebühren sind gepfeffert, 16 USD für einen kurzen Stop.

Zurück auf dem Festland parken wir im Embarcadero beim Exhibition Center und spazieren durchs schöne Seaport Village zum Flugzeugträger USS Midway. Für eine Besichtigung haben wir heute keine Zeit eingeplant, aber ein Foto darf nicht fehlen.

 

Das Seaport Village ist ein Treffpunkt für Strassenhändler, Artisten, Touristen und Einheimische. Die vielen Restaurants sind richtig schön eingerichtet und laden zum gemütlichen Verweilen und Bummeln ein. Der Ausblick auf Coronado Island ist ebenfalls nicht zu verachten.

Zum Mittagessen fahren wir nun in den Old Town State Historic Park. Die Altstadt ist eine Rekonstruktion des alten San Diegos, Saloons, kleine Handwerkershops und Restaurants bilden die Kulisse. So richtig weiss ich das Ganze hier nicht einzuordnen, es erscheint mir als eine Mischung aus Freizeitpark und Filmstudio inmitten der eigentlichen Altstadt, mit dem Ziel, den Touristen möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen.

Nach Chicken Burritos und Nachos gehts weiter zum nahen Mission Bay. Das Wetter schlägt aber langsam wieder um und wir entscheiden uns anstelle eines ausgedehnteren Strandbesuches für eine Besuch im Balboa Park. Diese Idee hatte wohl so ziemlich jeder in San Diego, zum ersten Mal heute stecken wir im Stau. Die Parkplätze sind hart umkämpft, wir kreisen und lauern bis jemand rausfährt.

Auf der Parkkarte sieht das Gelände sehr weitläufig aus, wir selektieren die Gegend rund um den Japanese Friendship Garden, welchen wir auch besichtigen. Sogar allererste kleine Kirschblüten kriegen wir zu sehen. Im Spreckles Organ Pavillon wird lautstark Filmmusik zum besten gegeben.

 

Hier im Park befindet sich neben den zahlreichen Museen und kulturellen Einrichtungen auch der berühmte San Diego Zoo. Kurz haben wir überlegt, das kleine Pandababy zu besuchen, haben uns aber dagegen entschieden. Da wir äusserst tierlieb sind, gehören Zoos und Sea World nicht zu unseren Favoriten. Fairerweise muss aber erwähnt werden, dass im San Diego Zoo Wert auf tiergerechte Haltung gelegt wird.

Der letzte Stop für heute heisst nun Gaslamp Quarter. In der originellen Outdoor Westfield Horton Plaza Mall machen wir einige Besorgungen. Beim Spaziergang durch das berühmte Viertel wird mir unbehaglich zu Mute, viele Obdachlose und Drogensüchtige haben hier bereits ihre Nachtlager aufgebaut und fragen uns nach Geld. Zügig marschieren wir zum Auto und fahren direkt auf die I-5 nach Los Angeles. Für den Rückweg brauchen wir eine halbe Stunde länger, mehrheitlich vor LA geht der Verkehr wieder nur stockend vorwärts.

Im Vorfeld haben wir lange überlegt, ob wir in San Diego eine Übernachtung einlegen sollen, haben uns aber nach eingehender Google Street View-Besichtigung dagegen entschieden. Sea World, Zoo und USS5 haben wir bewusst ausgelassen, wer da einen Besuch abstatten möchte ist mit 2 Übernachtungen wohl gut beraten. Die Distanzen sind überschaubar, das Verkehrsaufkommen gering. Ob es an dem Sonntag lag? Für einen ersten Überblick hat der Tag locker gereicht, nur schade, dass das Wetter am Nachmittag nicht ganz mitgespielt hat.

 

Den Schlummertrunk nehmen wir im Hard Rock Café am Hollywood Boulevard, zurück in West Hollywood.

Tag 8 - Farmers Market, Rückflug

 

Und schon ist es wieder soweit, der letzte Tag ist angebrochen. Unser Flug geht erst am Abend, wir haben noch einiges vom Tag hier in West Hollywood. Also gehen wir es heute mit einem ausgiebigen Frühstück sehr gemächlich an. Wir drehen zu Fuss nochmal die Runde Sunset - Hollywood-Boulevard bevor wir uns mit dem Taxi zum Farmers Market the Grove fahren lassen. Für den letzen Tag ist das jeweils unser liebster Ort in LA, alles ist schön dicht beieinander und die Auswahl an frischem Speisen ist gross. Die Mittagspause beim Griechen verläuft etwas anders als geplant, unsere Bestellung wird komplett durcheinander gebracht und wir warten und warten und warten. Als wir erwähnen, dass wir heute noch am Flughafen eintreffen sollten, geht es plötzlich vorwärts und alles geht aufs Haus. Das war jetzt wirklich sehr nett.

Am Nachmittag fahren wir zurück zum B&B, trinken noch gemütlich einen Tee und unterhalten uns etwas mit Nina. Sie ist ständig am werkeln oder gärtnern, das aussergewöhnliche Haus bereitet viel Arbeit. Auf dem Weg zum Flughafen überkommt mich eine tiefe Traurigkeit. Es gibt nur wenige Orte auf der Welt, wo man das Gefühl hat, so richtig hinzugehören. Los Angeles ist für uns ein solcher Ort. Passenderweise singen die Rolling Stones im Autoradio you can't always get what you want. Wir haben aber das grosse Glück, die Möglichkeit zu haben, immer wieder hier hin zu fliegen wenn die Sehnsucht zu gross wird.

Die Fahrt zum Flughafen klappt problemlos, die Rückgabe des Fahrzeugs ebenfalls. Für die Dummen gibt es an der Shuttle Station ein riesiges Erinnerungsschild mit Bildern von Jacken, Kameras, Taschen usw. Wie der Blitz sprinte ich zurück zum Wagen, meine dicke Winterjacke liegt noch auf der Rückbank...Bei der Kofferaufgabe am Check-In wechseln wir unsere reservierten Sitze wieder in die letzte Reihe, so haben wir etwas mehr Platz und Ruhe. Von den 11.5h-Flug verschlafe ich unter dem Medikamenteneinfluss fast die ganze Zeit.

 

Bye Bye Los Angeles, miss you already, see you very soon again!!

Fazit: Auch beim vierten Besuch wird es hier nicht langweilig. Entweder man liebt oder hasst es - für mich ganz klar Ersteres. Es war wieder unbeschreiblich genial, die Bilder und Worte können dies kaum wiedergeben, euch aber immerhin einen Eindruck vermitteln.

 

Tops Los Angeles:

- Sonne, Sonne, Sonne

- Lifestyle, Musik, Food, Shops

- Santa Monica/Venice Beach

 

Flops Los Angeles:

- Verkehr!! Unglaubliche Autokolonnen in und um LA.

- mangelndes ÖV-System

- Klimaanlagen in Shops und Restaurants (gilt für alle 3 Orte)

 

 

Tops Las Vegas:

- Grand Canyon-Ausflug mit Grand Adventures-Tours

- unser Zimmer im 28. Stock des MGMGrands

- Strip am späteren Abend

 

Flops Las Vegas:

- Düstere Spielhöllen in den Hotels

- Energieverschwendung ohne Ende

- Zigarettenrauch und Alkoholleichen

 

 

Tops San Diego:

- Coronado Island

- Seaport Village

- Balboa Park

 

Flops San Diego:

- Old Town

- Gaslamp bei Dämmerungseinbruch