Reisebericht Florida-Rundreise Oktober 2011

Tag 1: Anreise Miami Beach

 

Es ist Ende Oktober, die Zeit ist reif für eine weitere Reise. Lange haben wir überlegt, welche Destination unser Urlaubsjahr 2011 beenden soll, schlussendlich ist die Wahl auf Florida gefallen. Seit meiner Kindheit träume ich von einem Floridaurlaub, habe es bisher aber tatsächlich nie umgesetzt. Ich freue mich riesig und lasse mich von negativen Berichten und Meinungen nicht beirren.

 

Gut gelaunt packen wir das Allernötigste in den Koffer und holen die zusammenfaltbare Reisetasche aus dem Keller. Unsere Kätzin findet die Idee, dass wir schon wieder in Urlaub fahren wollen, wohl alles andere als gut. Sie markiert kurzerhand die Reisetasche. Bravo! Glücklicherweise findet sich noch ein akzeptabler Ersatz und wir können doch noch mit ordentlich Stauraum losziehen. Als wir uns mit Sack und Pack zur Bushaltestelle begeben wollen, kommt unser Kater angehumpelt auf drei Beinen. Auch das noch! Er lässt sich weder anfassen noch untersuchen, faucht wild durch die Gegend und blickt uns mit grossen Augen an. Ich verständige meine Mutter und meine Nachbarin und muss ihn schweren Herzens in ihrer Obhut lassen, Zeit bleibt uns nämlich jetzt keine mehr.

 

 

Obwohl unser Zug wegen einer technischen Störung einige Minuten Verspätung hat, erreichen wir den Flughafen Zürich rechtzeitig. Der Swiss-Flug geht annähernd pünktlich los, hat allerdings wegen starken Winden eine extralange Flugzeit. Wir machen das Beste daraus und verbringen den Sonntag mit einem Filmmarathon. Fast wie ein Regentag zu Hause :-).

 

Nach knapp elf Stunden sind wir dann allerdings doch froh, dass wir endlich in Miami landen. Das Immigrationprozedere verläuft absolut problemos, Wartezeit gibt es heute so gut wie keine. Am Gepäckband darf ich endlich mein Iphone wieder einschalten und Nachrichten abrufen: unser Kater hat sich zwar den ganzen Tag nicht grossartig bewegt, ist allerdings auf drei Beinen zum Fressnapf gehumpelt. Ich bin etwas beruhigt und wir ziehen weiter zum Alamoschalter. Eine unglaubliche Warteschlange weist uns den Weg, genau das Richtige nach einem endlosen Flug. Nach über zwei Stunden sind wir endlich an der Reihe und heitern die Laune der Schalterdame mit Swiss Chocolate etwas auf.

Endlich sitzen wir in unserem Dodge-Minivan, suchen einen passablen Radiosender und ich erkläre dem Navi den Weg zum Hotel. Wir fahren direkt los, erst als uns die freundliche Stimme über eine Brücke lotsen will werden wir etwas stutzig, Wasser ist weit und breit nirgendwo zu sehen. Hmm...?? Wir nehmen die nächste Ausfahrt und mein Freund nimmt sich nun persönlich der Einstellung an. Im Airport-Parking hat das Gerät kein Signal empfangen, so dass es die Route theoretisch wiedergegeben hat, praktisch aber keinen blassen Schimmer hatte, wo wir uns gerade hin verfahren. Frauen und Technik...Naja. Mit etlicher Verspätung treffen wir im B&B ein, die Reception ist allerdings nicht mehr besetzt. Im Briefkasten ist eine Notiz inkl. Schlüssel hinterlegt worden, allerdings nur für unsere Kollegin. Unsere Anrufe werden nicht entgegengenomen, also stehen wir nun da, geschafft und todmüde, aber ohne Übernachtungsmöglichkeit.

 

Entnervt brechen wir wieder auf und suchen an der Collins Avenue nach einer Alternative. Einige Hotels hätten zwar noch Zimmer frei, wollen dafür aber unglaubliche 300$ haben. Das ist dann doch etwas viel, wollen wir doch frühmorgens direkt weiter nach Key West. Schlussendlich finden wir für 75$ eine absolut katastrophale Absteige namens Berkeley Shore Hotel & Apts. Allein darüber könnte ich jetzt Seiten füllen. Wer einen Eindruck davon gewinnen will, kann hier die Reviews lesen. Wir drücken sämtliche Augen zu, breiten unsere mitgebrachten warmen Sweater auf dem Kissen aus und hauen uns mitsamt Kleidern für einige Stunden aufs Ohr. Miami Beach zeigt sich von seiner besten Seite bisher...

Tag 2: Key West

 

Mitten in der Nacht wachen wir aus dem schlechten Traum wieder auf, leider nein, es ist die Realität. Wir befinden uns im Horrorhouse von Miami Beach. Wir zwingen uns, noch etwas liegen zu bleiben, brechen dann allerdings bereits vor 05.00 auf. Die Klamotten werden entsorgt, die Haare notdürftig gewaschen. Im Walgreens versorgen wir uns mit Getränken und Snacks bevor wir uns auf den Weg in Richtung Key West machen.

 

Wir fahren durch bis Key Largo, wo wir bei Evelyn's einen Frühstücksstopp einlegen. Während mein Freund und meine Kollegin um 6.20 Cheeseburger und Fritten verdrücken, schaffe ich kaum einen Bruchteil meiner Pancakes. Die Sorgen um den Kater, der Flug, das "hübsche" Hotel...all das gefällt meinem Magen gar nicht. Evelyn ist ein Halloweenfreak, sie hat bereits einige Tage im Vorfeld das Restaurant sowie ihr Privathaus üppig dekoriert. Stolz zeigt sie uns Fotos von ihrem Garten und wünscht uns ganz viel Spass in Key West, wo gerade Fantasy Fest ist. Mit den Worten "be prepared to see everything" schickt sie uns kurz nach 7.00 weiter auf die Reise. Wie recht sie damit haben sollte sehen wir später selbst.

So langsam geht nun die Sonne auf und wir sehen endlich die einmalige Kulisse, die sich uns auf der noch gut zweistündigen Fahrt bietet. Ca. 100 Meilen (160km) lang fahren wir durch die Florida Keys von Insel zu Insel mitten durch das weite Meer.

 

Bereits kurz nach 09.00 treffen wir in Key West ein und erreichen das Blue Marlin Motel. Wir parkieren unseren Wagen und melden uns am Empfang, wo uns die nette Hotelangestellte auch gleich die Zimmerschlüssel aushändigt. Das ist jetzt echt super gelaufen, so können wir uns bevor wir auf Erkundungstour gehen nochmal kurz frischmachen und etwas erholen. Die Zimmer sind sauber und schön, alles bestens.

90 Miles to Cuba
90 Miles to Cuba

Mit neuen Kräften starten wir kurz nach 10.00 zu Fuss in Richtung Strand, unser Motel liegt nur gerade 5 Gehminuten von der Küste entfernt. Wir geniessen den traumhaften Ausblick sowie die Ruhe und lassen die Eindrücke auf uns wirken.

 

Direkt um die Ecke liegt eine der Sehenswürdigkeiten von Key West, der Southernmost Point. Das Monument markiert den südlichsten Punkt der USA, ab hier sind es nur noch genau 90 Meilen (ca. 140km) Luftlinie bis nach Kuba. Die mehrheitlich deutschen Touristen stehen Schlange für ein Erinnerungsfoto, wir verzichten allerdings darauf und versuchen den Punkt zumindest ohne posierende Touristen abzulichten.

 

Wir bummeln die Whitehead Street hoch und erfreuen uns an den liebevoll für Halloween geschmückten Häusern und Gärten.

Einige Gehminuten später erreichen wir das Ernest Hemingway Home & Museum, welchem wir als grosse Katzenfreunde natürlich einen Besuch abstatten wollen. Der berühmte amerikanische Schriftsteller hat hier in den 30er-Jahren gelebt und sich und seinen zahlreichen inniggeliebten Katzen ein Paradies geschaffen. 1938 hat er hier den ersten Swimming Pool auf Key West erbaut.

 

Sein weisser Lieblingskater Snowball war polydaktyl, er trug an den Vorderpfoten jeweils 6 statt nur 5 Zehen. Noch heute leben auf dem ganzen Areal einige seiner Nachkommen mit ebenfalls 6 Zehen. Die Anlage ist sehr gepflegt, im Haus gibt es viele Originalgegenstände wie Bilder, Skulpturen, Möbel oder Bücher zu besichtigen. Bereits im Flugzeug haben wir uns eingestimmt, wir haben uns den Film Midnight in Paris angeschaut.

 

Ein Besuch hier lohnt sich definitiv, vor allem wenn man Katzen liebt. Die ca. 60 Fellknäuel geniessen die Aufmerksamkeit und lassen sich gerne streicheln. Für jede Katze steht ein Taschengeld von 200$ pro Tag aus Hemingways Erbe zur Verfügung.

Unsere Gedanken sind jetzt natürlich zu Hause bei unseren beiden Katzen, insbesondere beim verletzten Kater :-(. Wir brauchen dringend Ablenkung und entscheiden uns für einen ersten Shoppingbummel an der bekannten Duval Street. Unsere Ansprüche werden allerdings nicht befriedigt, ausser zahlreichen T-Shirt und Souvenirläden findet sich hier nicht viel Nennenswertes.

 

So langsam knurren auch die Mägen, so kommt uns das Hardrock Cafe ziemlich gelegen. Wir werden an den Tisch geführt und bestellen Nachos und Salate. Ein Telefonat mit Zuhause bringt Gewissheit, dass der Kater auf dem Weg der Besserung ist. Mir geht es jetzt ebenfalls etwas besser, so dass ich zumindest einige Bissen runterkriege.

 

Wir ziehen weiter und passieren Hemingways berühmte Stammkneipe, das Sloppy Joe's. Eine Liveband unterhält die zahlreichen Besucher, wir wollen aber erst später auf einen Drink einkehren.

Am Mallory Square geniessen wir die Aussicht vom anderen Ende der Insel aus und stellen fest, dass eine Erfrischung nicht schaden könnte. Wir kaufen uns Frappuccinos bei Starbucks und beschliessen, eine kurze Siesta einzulegen. Es ist mittlerweile sehr heiss, die pralle Sonne ist heftig. Wir spazieren zurück ins Hotel und verabreden uns für später. Die Reisestrapazen von gestern hängen uns noch immer in den Knochen, so dass eine kurze Ruhepause gelegen kommt. Mit der Betonung auf kurz ;-), wer mich kennt weiss, dass ich nicht zum Schlafen oder Liegen in Urlaub fliege. So spazieren mein Freund und ich bereits kurze Zeit später wieder in Richtung Strand, wo wir nochmal die wunderschöne Landschaft geniessen.

Gegen 17.00 machen wir uns wieder auf den Weg zum Mallory Square. Jeden Abend findet dort zum Sonnenuntergang das Arts Festival Sunset-Celebration statt. Zahlreiche Strassenkünstler, Musiker, Artisten und Händler buhlen um die Gunst der unzähligen Touristen. Wir schenken unsere Aufmerksamkeit einem Strassenmusiker und überbrücken die Zeit bis zum Sonnenuntergang mit People Watching. Wer Leute in T-Shirts mit doofen Sprüchen sehen will, ist hier genau richtig. So langsam mischen sich auch erste Fantasy Fest-Freaks unter die Menge, mehrheitlich ohne Kleidung...

 

Der Sonnenuntergang lässt dann auch nichts zu wünschen übrig.

Sloppy Joe's
Sloppy Joe's

Auf dem Rückweg zum Hotel kehren wir bei Sloppy Joe's ein. Wir finden einen Platz und schon nach kurzer Zeit ist mir eiskalt, der Schuppen ist klimatisiert bis zum Anschlag. Mir ist nun so gar nicht mehr nach einem kühlen Drink, und Tee ist leider nicht im Angebot. Ich entscheide mich für die Spezialität von Key West, Key Lime Pie und werde sogleich enttäuscht. Der saure Kuchen schmeckt mir nicht, allerdings muss ich dann auch nichts dafür bezahlen.

 

Die Duval Street ist inzwischen mit nackten Fantasy Fest-Leuten überfüllt und wir sind mittlerweile ganz schön müde geworden. So ganz unser Fall ist das Fantasy Fest nicht....ich hole mir einen heissen Soy Chai Latte zur Aufwärmung und schon bald fallen wir todmüde ins Bett.

Tag 3: Shopping, Shopping, Shopping

 

Herrlich ausgeruht und ausgeschlafen verlassen wir Key West noch vor Tagesanbruch. Die frühen Morgenstunden sind zum Fahren verkehrstechnisch sehr angenehm, zudem ist die Morgenstimmung wunderschön anzusehen. In der Schweiz wäre bereits 12.30, so dass das Aufstehen auch keinerlei Schwierigkeiten bereitet. Mit Tee und Kaffee bewaffnet machen wir uns auf den Weg in Richtung Lauderdale-by-the-Sea.

Key West ist über den Landweg nur über den Overseas Highway Nr. 1 zu erreichen, somit bleibt uns keine andere Möglichkeit, als den gleichen Weg wieder zurückzufahren. Der Ausblick auf das Meer ist aber so toll, dass wir die Fahrt auch beim zweiten Mal mit guter Musik total geniessen.

 

Kurz nach Key Largo sind wir alle hungrig und freuen uns auf ein leckeres Frühstück. Wir spulen noch etliche Meilen ab, bis schliesslich das goldene M winkt. Man glaubt es nicht, aber hier sehen (und essen) wir seit zwei Tagen zum ersten Mal Obst! Das Frühstücksangebot ist echt gut, gesund (!) und lecker.

 

 

Kurz vor 11 erreichen wir unsere erste Destination für heute, die Sawgrass Mills Mall. Unsere Erwartungen sind hoch, Sawgrass Mills ist das grösste Outlet-Einkaufszentrum in Florida. Einen Parkplatz finden wir problemlos, das hat schon mal geklappt. Mit unseren Rucksäcken bewaffnet entern wir den Shoppingtempel durch den Eingang 1, was sich noch als wichtige Information herausstellen wird.

 

Wir arbeiten uns Store für Store vorwärts, bis wir vor der ersten Entscheidung stehen: Section 2, Section 3 oder the Collonade? Section 2...weiter gehts. Die Mall gleicht einem Labyrinth, ständig muss man sich für eine Richtung entscheiden, ein sinnvolles System können wir bisher nicht erkennen. Jeder für sich shoppen ist hier auch nicht möglich, die Chance dass man sich wiederfindet ist minimal. Tapfer kämpfen wir uns durch, bis uns der Hunger schliesslich zur Strecke bringt.

Zum Essen müssen wir die Mall selbstverständlich nicht verlassen, es gibt unzählige Verpflegungsmöglichkeiten. Auf dem Floormap haben wir The Cheesecake Factory entdeckt, somit gibt es für uns keine Alternative mehr. Nach einem gut zehnminütigen Fussmarsch sind wir am Ziel und sind alle froh über die Sitz- und Ausruhmöglichkeit. Wir bestellen uns Virgin Strawberry Daiquiris, Burger und zum Abschluss ein legendär leckeres Stück White Chocolate/Raspberry Cheesecake.

 

Pappsatt und mit neuem Elan machen wir uns wieder auf den Weg, stellen aber fest, dass wir jetzt nach drei Stunden noch nicht mal die Hälfte geschafft haben. Wir gehen nun etwas selektiver vor und legen einen Zahn zu. Nach geschlagenen sechs Stunden sind wir halbherzig durch und so k.o., dass wir uns für die Weiterfahrt zum B&B entscheiden. Erste Kreditkarten zeigen ebenfalls bereits Ermüdungserscheinungen.

 

Fazit: Eingekauft haben wir alle ordentlich, die Angebote sind echt super, allerdings ist die Mall selbst für unseren Geschmack etwas zu riesig. Man verliert rasch den Überblick und braucht wohl selbst in sehr flottem Shoppingtempo den ganzen Tag, um alle Läden abzuklappern. Too BIG!!

Müde freuen wir uns auf die Zimmer im Blueseas Courtyard in Lauderdale-by-the Sea und nehmen die 30minütige Autofahrt in Angriff. Wir geraten in den Feierabendverkehr rund um Fort Lauderdale und brauchen deshalb etwas länger. Als wir ankommen, ist die Reception nicht mehr besetzt, die Schlüssel liegen aber für beide Zimmer parat. Geht doch :-)! Das kleine B&B ist liebevoll im mexikanischen Stil dekoriert, die Zimmer sind sehr schön eingerichtet und sauber. Wir richten uns kurz ein und spazieren zum nahgelegenen Strand.

Mein Freund und ich nutzen die Abendstunden für einen Spaziergang durch den süssen Ort und geniessen die Zweisamkeit in dieser traumhaften Umgebung nach dem anstrengenden Tag.

Tag 4: Kennedy Space Center, Cocoa Beach, Orlando

 

Auch heute starten wir bereits früh, wir wollen an die Space Coast ins Kennedy Space Center fahren. Wir füllen zum ersten Mal den Tank nach und decken uns mit Frühstück ein. Kurz nach 10.00 erreichen wir das riesige Areal und entdecken in einem Sumpf direkt an der Strasse einen Alligator. Obwohl der Visitor Complex bereits seit 09.00 geöffnet hat, finden wir problemlos einen Parkplatz. Wir schlendern zum Ticketoffice und erhalten mit der Orlando Magiccard eine Reduktion von 5$ auf den Eintrittspreis.

 

 

Rocket Garden
Rocket Garden

Unsere Besichtigungstour starten wir beim Rocket Garden, wo wir einige Raketen aus den Gemini-, Mercury- und Apolloprogrammen aus nächster Nähe begutachten können.

 

Direkt daneben ist die Early Space Exploration, eine Ausstellung, die uns echte Raumkapseln und Originalgegenstände aus den Programmen zeigt.

 

Wir sind schon wieder eine Weile unterwegs und auf den Beinen, also gönnen wir uns eine Erholungsphase im IMAX-Kino. Wir schauen uns den Film Hubble 3D an, Leonardo Di Caprio erzählt uns 45 Minuten lang die Geschichte über das Hubble-Weltraumteleskop.

 

Die Dokumentationen und Filme sind sehr patriotisch und theatralisch aufgemacht, so dass wir bereits nach ein paar Stunden übersättigt sind.

 

Zu guter Letzt wollen wir uns noch einen besonderen Kick geben, die Shuttle Launch Experience. Sämtliche Gegenstände müssen in Lockers eingeschlossen werden, bevor man sich auf der Rampe in die Schlange stellen darf. Zum Glück sind heute nur wenige Besucher hier. Auf TV-Monitoren erzählen Astronauten ausführlich von den erlebten Starts, während Schilder immer wieder darauf hinweisen, dass nur kerngesunde Besucher diese Experience mitmachen dürfen. In einem ersten Vorraum wird uns detalliert erklärt, was in den letzten Minuten vor einem Raktenstart abläuft, bevor wir in einem weiteren klimatisierten Vorraum noch einmal über sämtliche Gefahren aufgeklärt werden. Schlussendlich können wir einsteigen und die Raketenstartsimulation beginnt. Tatsächlich werden wir etwas durchgeschüttelt, allerdings weitaus nicht so, wie es aufgrund der Vorbereitungsphase zu Erwarten gewesen wäre.

Hungrig verlassen wir das Kennedy Space Center und fahren zum nahgelegenen Cocoa Beach Pier zum Mittagessen. In traumhafter Umgebung geniessen wir leckere eisgekühlte Drinks und Salate.

Die letzte Destination für heute heisst Orlando. Wir nehmen die einstündige Fahrt in Angriff und freuen uns auf die Stadt mit dem riesigen Unterhaltungsangebot. Über das Buchungssystem Pricewire.com haben wir für 50$ pro Nacht Zimmer im Holiday Inn Express Lake Buena Vista Resort ergattert. Da unser Navigationsgerät die Adresse des Hotels nicht erkennt, fahren wir nach einigem Suchen ein anderes Holiday Inn an, um uns vom sehr netten Portier weiterhelfen zu lassen. Er klärt uns auf, dass State Road = S.R. ist, nun wird auch unser Gerät fündig und innert 10 Minuten sind wir am Ziel. Das Hotel ist toll! Wir freuen uns sehr über die schönen Zimmer und verabreden uns für später. Mein Freund und ich spazieren zum direkt nebenanliegenden 7/11 und decken uns mit Obst und Arizona Ice Tea ein. In der Zwischenzeit erreicht uns eine Nachricht von unseren Nachbarn, unser Kater spaziert wieder munter auf allen Vieren durchs Quartier :-).

Zum Nachtessen fahren wir zu Ruth's Chris Steakhouse. Bereits in San Francisco und New York haben wir köstliche Filets in dieser Restaurantkette genossen. Wie immer entscheiden wir uns für das Menü und es schmeckt abermals hervorragend. Den Chocolate Cheesecake schaffe ich nicht mehr, lasse ihn mir aber dankend einpacken.

 

Den Abend wollen wir mit einem Drink beschliessen und fahren zur Unterhaltungsmeile Disney Downtown. Wir flanieren den Shops entlang zum House of Blues und geniessen den lauen Abend bei guter Musik. Zum ersten Mal in diesem Urlaub fühle ich mich angekommen, Orlando erinnert mich an Los Angeles, gefällt mir!

Tag 5: Orlando

 

Heute wollen wir es etwas ruhiger angehen. Die Premium Outlets öffnen ihre Pforten erst um 10.00, also sehen wir keinen Grund, uns zu beeilen. Wir sind erst um 09.00 zum Frühstück im Applebees verabredet. Meiner inneren Uhr ist das so ziemlich egal, bereits kurz nach 05.00 bin ich hellwach und an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Gleichzeitig merke ich, dass mein Hals leicht kratzt und die Nase tropft. Die Klimaanlagen zeigen bereits wieder erste Wirkungen. Bis mein Freund um 06.00 auch nicht mehr schlafen kann, vertreibe ich mir die Zeit mit Lesen und Internet. Schliesslich machen wir uns zu Fuss auf den Weg zum nahgelegenen Starbucks Drive Thru und werden prompt fast umgefahren. Auf der Terrasse gönnen wir uns einen heissen Soy Chai Latte und geniessen die Ruhe am frühen Morgen. Diese Momente gehören für mich im Urlaub immer zu den Highlights.

Direkt gegenüber befindet sich eine Filiale von Walgreens. Wir nutzen die Gelegenheit und kaufen Heilmittel zu spottgünstigen Preisen.

 

Nun sind wir hungrig und freuen uns auf ein leckeres Frühstück. Die Auswahl im Applebees ist gut, leider sind aber nicht alle Speisen vorrätig. Wir entscheiden uns für Joghurt mit frischen Erdbeeren und sind zufrieden.

 

Punkt 10.00 stehen wir am International Drive bei den Premium Outlets auf der Matte, wir freuen uns riesig :-). Wie in Camarillo handelt es sich um eine Outdoor-Mall mit unzähligen Shops mit unschlagbaren Angeboten. Wir tauschen an der Information unseren Voucher in ein Gutscheinheft um und starten unsere Shoppingtour. Hier ist alles schön übersichtlich und sinnvoll aufgebaut. Wir geniessen die gut drei Stunden in vollen Zügen und ergattern so einige schöne Kleidungsstücke. Eine weitere Kreditkarte gibt so langsam den Geist auf. Eine Warnung? Wer weiss, auf jeden Fall bremsen wir unseren Kaufrausch ab sofort instinktiv.

Zum Mittagessen fahren wir zum Universal Citywalk, um dem grössten Hardrock Cafe der Welt einen Besuch abzustatten. Die Fahrt lohnt sich - in märchenhafter Kulisse präsentiert sich uns ein imposantes Bauwerk.

Nach Burger und Salat entscheidet sich unsere Kollegin für eine Ruhepause am Hotelpool, mein Freund und ich fahren weiter zur Florida Mall um die M&M World heimzusuchen. Wir stehen abermals vor einem riesigen Einkaufszentrum und nutzen die Gelegenheit, einige Mitbringsel einzukaufen.

 

So langsam sind wir dem American Food etwas überdrüssig, etwas Asiatisches soll es heute Abend werden. Ich erinnere mich an ein leckeres Abendessen in Los Angeles bei P.F. Changs und wir befragen unsere Iphones nach einer allfälligen Filiale in Orlando. Volltreffer! Wir notieren die Adresse und programmieren unser Navigationsgerät. Die Adresse ist mal wieder etwas heimtückisch, es handet sich um einen riesigen Shoppingkomplex mit unzähligen Eingängen und Restaurants. Wir suchen also wieder etliche Minuten, bis wir schliesslich die direkt danebenliegende Cheesecake Factory entdecken. P.F. Changs zeigt sich nun ebenfalls und wir erhalten auch direkt einen freien Tisch zugewiesen. Ich entscheide mich für ein Nudelgericht mit Shrimps und werde nicht enttäuscht, es schmeckt sehr lecker und leicht. Mein Freund hat weniger Glück, sein Gericht definiert sich vor allem über den Ölgehalt. Die Sauberkeit im Lokal lässt ebenfalls etwas zu wünschen übrig.

Church Street Station
Church Street Station

Zum Abschluss des Abends fahren wir zur Church Street Station. Rund um die Bahnstation präsentieren sich in gemütlicher Atmosphäre Pubs und Clubs. Die Glanzzeiten sind hier wohl vorbei, die Gegend ist ziemlich ausgestorben. Wir setzen uns in eine Cocktailbar und fragen nach alkoholfreien Alternativen. Der Barkeeper bietet uns "Pepsi or Diet Pepsi" an, was wir dankend ablehnen. Wir entscheiden uns für die Rückfahrt zum Hotel.

 

Die beiden Tage in Orlando haben mir sehr gut gefallen. Wir haben uns bewusst gegen die diversen Freizeitparks entschieden, da weder singende Mäuse, rasante Fahrten auf Achterbahnen noch schreiende Kinder zu unserer Vorstellung von Urlaub gehören. Die Universal Studios kennen wir bereits aus Los Angeles. Wer Parks besuchen will, benötigt auf jeden Fall mehr Zeit in dieser riesigen Stadt.

Tag 6: Fort Myers, Fort Myers Beach u.v.m.......

 

Wir wiederholen unseren Starbucksbesuch am frühen Morgen und erhalten prompt eine SMS von unserer Kollegin, sie ist auch bereits startbereit und steht jetzt vor unserem leeren Zimmer. Wir treffen uns zum Frühstück bei Applebees und verlassen Orlando bereits kurz darauf in Richtung Fort Myers. Schon bald befürchten wir, dass die Fahrt etwas umständlich werden könnte. Die Strasse führt durch kleine und grössere Ortschaften, so dass wir einige Zeit mit der Warterei an Rotlichtern und Kreuzungen verbringen. Wir ziehen vorbei an Seen, Westernstädten, Kuhherden, zerfallenen Häusern oder kargen Feldern und werden immer mal wieder aufgehalten, sei es zusätzlich zu den Ampeln durch einen endlosen Halloweenumzug von Schulkindern oder durch einen Unfall.

Zur Mittagszeit erreichen wir schliesslich Fort Myers und besuchen direkt die Edison & Ford Winter Estates. Aus gesundheitlichen Gründen hat sich Thomas Alva Edison während der Winterzeit in Fort Myers niedergelassen. Bis zu seinem Tod 1931 hat er 1097 Patente angemeldet, unter anderem die Glühbirne, die Batterie, das Grammophon sowie das Mikrophon. Im Museum schauen wir uns seine Erfindungen, Entwürfe, Notizen und Fotos an. Auf dem weitläufigen Gelände befinden sich sowohl sein Haupthaus, sein Labor, sein Gästehaus sowie das Haus seines Freundes Henry Ford. Das ganze Areal ist liebevoll bepflanzt, nicht ganz ohne Grund wie wir erfahren. Thomas Edison hat diverse Bestandteile der Pflanzen für seine Erfindungen benötigt und verwendet. Ins Auge sticht der riesige Banyanbaum im Eingangsbereich. Seine Bestandteile wurden zur Herstellung von Gummi benutzt. Die Anlage ist sehr interessant und lehrreich.

Für heute haben wir Zimmer in Fort Myers Beach gebucht. Wir wollen uns direkt am Strand eine Ruhephase gönnen, bevor wir dann morgen weiter in Richtung Miami fahren. Je näher wir unserem Ziel kommen, desto schlechter wird das Wetter. Es ziehen dunkle Wolken auf, an einigen Orten ist es bereits am Regnen. Als wir unsere Zimmer zu Gesicht kriegen, trägt das nicht unbedingt zur Stimmungserheiterung bei. Die Luft ist abgestanden und die Einrichtung düster und altbacken. Wir entscheiden uns für einen kleinen Dorfrundgang und für eine Portion Sushi bei Zushi Zushi. Ausser einem schönen Strand und einigen Outdoor-Bars hat Fort Myers Beach nicht viel im Angebot. Ein Strandbesuch fällt ins Wasser, die Bars sind vollgestopft mit bierstemmenden deutschsprachigen Europäern, die Zimmer sind trostlos...die Aussicht auf einem Abend in diesem verlassenen Nest lässt in mir die Panik hochsteigen. Meine Kollegin rettet die Situation mit den Worten: Packt eure Sachen zusammen, ich fahre die 3h bis nach Miami! Wir überlegen nicht zweimal, bringen dem verdutzten Vermieter die Schlüssel zurück und verlassen Fort Myers Beach schneller als wir gekommen sind. Unser Hotel für die letzte Nacht hat zum Glück noch zwei freie Zimmer :-).

Lauthals singen wir zusammen mit Extreme "More than Words" und fühlen uns gleich um Welten besser. Wir wollen quer durch die Everglades und hoffen natürlich, das eine oder andere Tier zu Gesicht zu bekommen. Praktisch zeitgleich mit der Einfahrt in die Sümpfe setzen durch einen extremen Sturm bedingte starke Regengüsse ein, sodass wir nun nur noch im Schritttempo vorwärts kommen. Die meisten Autos fahren rechts auf den Pannenstreifen, wir beissen uns allerdings durch. Zeitweise wird die Sicht wieder etwas besser, grösstenteils ist es aber echt schlimm zu fahren. Bis auf ein paar Vögel zeigt sich kein Tier, Aussteigen und Fotos schiessen ist auch nicht möglich. Immerhin einen Alligator und unzählige totgefahrene Waschbären am Strassenrand haben wir gesehen auf unserer Reise bisher...

Gegen 18.30 erreichen wir endlich das Sobe You B&B in Miami Beach. Die Zimmer sind sauber und schön, das Wetter zum Glück auch wieder besser. Wir verabreden uns für später zum Nachtessen und richten uns ein. Mein Freund und ich vertreten uns nach der anstrengenden Fahrt etwas die Beine und spazieren zur Lincoln Road, um Affliction einen Besuch abzustatten. So richtig in Shoppingstimmung sind wir nicht, die aktuelle Kollektion spricht uns nicht sonderlich an. Darüber werden wir später noch froh sein. Wir machen uns auf den Rückweg und spazieren anschliessend zu Dritt zum berühmten Ocean Drive. Das italienische Restaurant Victor gefällt uns, wir setzen uns auf die Terasse und bestellen leckere Pasta. Kaum stehen unsere Gerichte auf dem Tisch, fallen auch schon wieder erste Regentropfen. Eilig packen wir unsere Teller und fliehen in das klimatisierte Restaurant. Spontan entscheide ich mich dazu, meinen Freund und meine Kollegin einzuladen. Die ganze Fahrerei (insgesamt mehr als 1000 Meilen) bleibt nämlich an den Beiden hängen.

 

Die Regenschauer ist inzwischen vorüber und wir können unseren Spaziergang fortsetzen vorbei an sich wichtignehmenden Typen in protzigen Fahrzeugen. Miami Beach wie man es sich vorstellt!

 

Tag 7: Welcome to Miami...

 

Auf der überdachten Terrasse unseres Sobe You B&B wird ab 8.30 Frühstück umsonst serviert. Wir sind bereits wieder in aller Herrgottsfrühe wach und starten den Tag mit einem entspannten Morgenspaziergang. Wir wollen uns einen ersten Eindruck bei aufgehender Sonne verschaffen und uns den Strand ansehen. Schon nach wenigen Metern stellen wir fest, dass Miami Beach alles andere als sauber ist. Streunende Katzen und Hunde von schlecht erzogenen Herrchen sorgen zusammen mit Palmenblättern, Kaffeebechern und Abfällen jeglicher Art für eine erhebliche Verschmutzung der Strassen und Gehsteige. Die drückend feuchtwarme Luft verbreitet den zugehörigen Geruch flächendeckend. Wir spazieren an einigen Obdachlosen vorbei zur Strandpromenade am Ocean Drive und finden uns umringt von zahlreichen wunderschönen Palmen wieder.

Während wir relaxt durch den Lummus Park bummeln, flitzt plötzlich ein durchtrainierter Jogger als Comicfigur Flash verkleidet an uns vorbei. Es folgen zahlreiche weitere amüsante Gestalten, so rennen Monster, Skelette, Hexen, Mickey Mäuse, sexy Katzen, Marienkäfer, Simpsons sowie einige nicht verkleidete (aber nicht weniger sehenswerte ;-)) Athleten um die Wette. Wir sind mitten auf die Laufstrecke des Miami Beach Halloween Half Marathons geraten! Amüsiert verfolgen wir das Geschehen eine Weile lang, bis wir schliesslich weiter durch das Art Deco-Viertel zurück zum B&B spazieren.

Inzwischen ist auch Frühstückszeit, hungrig ergattern wir uns einen Tisch und sagen unserer Kollegin Bescheid. Wir werden nicht enttäuscht: Zuerst erhalten wir eine kleine Schüssel gefüllt mit frischem Obst, dazu Orangensaft und Kaffee oder Tee à discretion, danach eine herrlich leckere Waffel mit frischen Erdbeeren. Milch und Cereals stehen ebenfalls zur Verfügung. Die hauseigene Katze hält Ausschau nach Leckereien und Streicheleinheiten, womit sie bei uns natürlich genau richtig liegt.

Gestärkt entscheiden wir uns für einen kleinen Shopping-Bummel an der Collins Ave im Art-Deco-Viertel. Die grossen Flagship-Stores sind hier dezent in den alten Gebäuden untergebracht, was uns sehr gut gefällt. Bei Victoria's Secret schlagen wir nochmal ordentlich zu, bevor wir uns auf den Weg zum Strand machen. Das Wetter könnte nicht besser sein, strahlende Sonne und blauer Himmel sorgen für eine traumhafte Kulisse.

Die Hitze und die feuchte Luft machen ganz schön durstig, also suchen wir nach einem freien Tisch in einem der zahlreichen Restaurants am Ocean Drive. Alkoholfreie Strawberry Daiquiris sollen es sein, und dazu noch in Übergrösse. Wir bestellen uns Salate dazu und amüsieren uns bestens mit People Watching. Schon nach wenigen Schlucken schmeckt der Drink nur noch nach Zuckersirup, bis schlussendlich gar nichts mehr davon runterzukriegen ist. In der Zwischenzeit werden unsere Salate serviert, ebenfalls in Übergrösse. Schon nach wenigen Gabeln wird klar, das wird ein Flop auf der ganzen Linie. Die Salate sind lauwarm, und das obwohl sie keinerlei erhitzte Speisen enthalten. In Anbetracht dessen, dass die Sauce auf Mayonnaisebasis ist, lassen wir alles stehen und liegen und bestellen die Rechnung. Die Bedienung teilt uns freundlich mit, dass gerade Happy Hour ist und wir Anspruch auf einen zweiten Drink hätten. Wir lehnen dankend ab und trauen unseren Augen kaum: USD 24.99 für einen (resp. zwei) miesschmeckenden alkoholfreien Drink!!!

Frustriert machen wir uns auf den Weg zurück zum B&B, wo wir um 13.45 von Admiral zu einer Miami-Tour abgeholt werden. Zuerst fahren wir abermals durch das Art-Deco-Viertel und erhalten zugleich einige Informationen. Schliesslich verlassen wir Miami Beach in Richtung Little Havana, den kubanischen Stadtteil von Miami. Kleine Tabakläden und Kaffeelokale vermitteln ein kubanisches Flair. Zudem sollen hier die besten Partys von Miami steigen. Wir erhalten die Möglichkeit, kubanischen Kaffee zu degustieren und das Viertel zu Fuss zu erkunden.

Die Fahrt geht weiter in den Stadtteil mit dem Spitznamen "The City of Beautiful", Coral Gables. Wer's geschafft hat, wohnt hier. Wir passieren prunkvolle Villen, riesige Anwesen, gigantische moderne Geschäftshäuser sowie den berühmten Venetian Pool.

 

Inzwischen haben wir die Gegend um Coconut Grove erreicht. Hier herrscht der karibische Stil vor, die alten Häuser bezaubern mit ihren speziellen Gärten. Riesige dschungelartige Bäume säumen die Strassen.

Weiter gehts durch Downtown Miami, bis wir schliesslich am Hafen einen weiteren Halt einlegen. Die meisten Passagiere haben eine Bootstour gebucht, wir gehören nicht dazu. Uns wird mitgeteilt, dass der Bus in 2 (!) Stunden weiterfährt, die Zeit steht bis dahin zur freien Verfügung. Na super, unser Konzept wird so ziemlich über den Haufen geworfen, wollen wir doch heute Abend zum Konzert von Guns N'Roses in die American Airlines Arena. Zurück zum B&B, frisch machen, Nachtessen...könnte eng werden. Wir beschliessen, uns erstmal etwas umzusehen und dann allenfalls mit dem Taxi zurück nach Miami Beach zu fahren.

Schnell stellen wir fest, dass das Glück jetzt für einmal auf unserer Seite ist. In der grossen Outdoor-Mall Bayside Marketplace befinden sich zahlreiche Restaurants, so auch das Hard Rock Café Miami. Nach unserem Reinfall am Mittag ziehen wir jetzt das Nachtessen kurzerhand vor und setzen auf bewährte Kost. Wir bestellen uns zur Abwechslung mal wieder Burger, California Club Sandwiches und Iced Tea und lassen uns von Lady Gaga, Beyonce und anderen Halloween-Charakteren bedienen. Im Lokal tummeln sich auffallend viele Guns N'Roses-Fans, wir befinden uns direkt gegenüber der American Airlines Arena, wie wir nun feststellen. Sehr gut, jetzt wissen wir auch gleich, wo wir heute Abend hinfahren müssen.

Die erste Stunde ist im Nu verflogen, das Essen hat wie immer im Hard Rock Café vorzüglich geschmeckt. Wir sind jetzt pappsatt und wollen uns etwas bewegen. Der Bayside Marketplace lädt zum gemütlichen Bummeln geradezu ein. Gemächlich schlendern wir den Shops entlang in Richtung Bayside Park bis wir direkt vor "John F. Kennedys Memorial Torch of Friendship" stehen. Die ewige Flamme brennt als Symbol der Freundschaft von Miami mit Lateinamerika.

 

Um 17.45 taucht auch unser Bus wieder auf, jetzt haben wir noch ausreichend Zeit um uns im B&B frisch zu machen.

Einige Wochen vor unserer Reise veröffentlichen Guns N'Roses ihre Amerika-Tourdaten und ich stelle erfreut fest, dass der Gig in Miami direkt an unserem letzten Urlaubsabend stattfinden wird. Ich bin seit meiner frühen Teenagerzeit ein grosser Fan und habe sie auch schon mehrmals live gesehen, allerdings nur einmal in Originalbesetzung mit Slash. Karten kaufen für das Konzert kommt russischem Roulette gleich, die Qualität der Konzerte steht und fällt mit der Laune von Axl Rose. Mal taucht er nicht auf, mal viel zu spät, mal schlecht gelaunt und ab und zu bricht er auch Konzerte nach wenigen Songs ab weil er keine Lust mehr hat. Wir hoffen das Beste und machen uns aufgebrezelt auf den Weg zur American Airlines Arena.

Um 21.00 betreten Buckcherry pünktlich die Bühne und rocken während einer guten Stunde die halbvolle Arena. Das Publikum lässt sich nicht so richtig mitreissen, ich nutze die Zeit um etwas Schlaf zu tanken.

 

Nun heisst es warten auf Axl, meine Vorfreude ist riesig. In der Arena ist es extrem kalt, die Klimaanlagen laufen auf Hochtouren. Wir wärmen uns von Zeit zu Zeit etwas auf dem Balkon auf und geniessen dabei die tolle Sicht auf Downtown Miami.

 

Heissen Tee oder Kaffee suchen wir leider vergebens.

Es ist mittlerweile weit nach 23.00 Uhr, von Axl keine Spur. So langsam wird das Publikum ungeduldig, die Veranstalter versuchen uns mit Hits von Rage against the Machine, Pantera oder Bon Jovi bei Laune zu halten. Tatsächlich singen alle lautstark mit, als stünden die Interpreten selbst auf der Bühne. Mein Freund und meine Kollegin finden die Situation nicht mehr ganz so spassig, sie sind vor allem mir zu liebe da. Bis 00.00 wollen sie Herrn Rose Zeit geben, danach solls ab ins Bett gehen. Die Uhr schlägt 12, Axl ist nicht zu sehen. Tief enttäuscht, durchgefroren und müde verlassen wir unsere Plätze. Während meine Kollegin sich noch eben frisch macht, hören wir ein Gekreische in der Arena. Yes, sie sind auf der Bühne! Endlich! Mit neuer Energie kehren wir zurück in die Arena und wir (oder zumindest ich) werden nicht enttäuscht. Axl ist blendend gelaunt, singt gut und präsentiert ein super Set. Estranged live beschert mir Gänsehaut, nicht wegen der Klimaanlage. Todmüde und selig falle ich am frühen Morgen ins bequeme Bett.

Tag 8: Bis zum bitteren Ende

 

Zum ersten Mal während unserem ganzen Urlaub bin ich nicht bereits um 05.00 wach. Bedingt durch die späte Nachtruhe von gestern schlafe ich bis kurz vor 09.00 und freue mich sehr auf die leckeren Waffeln. Leider sieht der Menüplan heute anders aus. Nach dem frischen Obstsalat folgt ein überbackener Spinat-Eierauflauf. Da hilft auch Salz und Pfeffer nicht...bähh!

 

Heute lassen wir den Tag locker angehen, unser Flug geht erst um 20.45. Wir entscheiden uns einstimmig gegen eine weitere Everglades-Tour, so richtig Lust hat nun keiner mehr.

 

 

Wir lassen uns ordentlich Zeit zum Koffer packen und teilen unsere Habseligkeiten auf verschiedene Rucksäcke und Taschen auf, als plötzlich meine Kollegin aufgelöst an unsere Tür klopft und ruft: "Mein Pass ist weg!" Wir versuchen, die Ruhe zu bewahren und beruhigen sie so gut es geht. Während der nächsten Stunde sind wir damit beschäftigt, Sämtliche Ritzen und Taschen in ihrem Zimmer, Koffer und Rucksack zu durchwühlen.

 

Die neue GUESS-Tasche ist schuld! Aus dem engen Aussenfach befreie ich den Pass und wir sind alle erleichtert, dass unserer Heimreise nun nichts mehr im Wege steht.

Nadja, die Receptionistin vom B&B erzählt uns eine andere Geschichte: Vor zwei Wochen ist ein Ehepaar mit den Pässen im Rucksack in die Everglades gefahren und hat eine Airboot-Tour gebucht. Die Propeller haben die Pässe aus dem Rucksack gewirbelt und im Ventialtor zerfleddert. Die beiden mussten noch einige Tage in Miami ausharren, bis die neuen Pässe ausgestellt wurden.

 

Wir checken aus und verlassen Miami Beach in Richtung Dolphin Mall. Während der Fahrt sehen wir einige Teilnehmer des Ironman Miami über die Brücke rennen.

In unmittelbarer Flughafennähe befindet sich ein weiteres riesiges Einkaufszentrum, die Dolphin Mall. Wir beschliessen, uns die Zeit bis zum Check-In da zu vertreiben und ergattern einen Parkplatz auf dem riesigen Gelände.

 

Ein letztes Mal entern wir die zahlreichen Shops und merken bald, dass wir shoppingmüde geworden sind. Einige Kleinigkeiten legen wir uns noch zu, bevor wir bei T.G.I. Friday's eine Lunchpause einlegen.  Mozzarella Sticks, Burger, Fritten, Cheesecake...zum Abschluss darf es nochmal das volle Programm sein.  Nachdem wir auch noch die letzten Stores abgeklappert haben, machen wir uns auf den Weg zum Miami International Airport. Wir fahren direkt zu Alamo, um unseren Mietwagen zurückzubringen.

Ich öffne unseren Kofferraum und werde stutzig: Der Rucksack meiner Kollegin liegt offen und ungeordnet rum. So haben wir das mit Sicherheit nicht gepackt. Ich erfasse die Situation blitzartig und teile meinen Mitreisenden seelenruhig mit, dass mit unserem Gepäck etwas nicht stimmt. Wenige Sekunden später realisiere ich, dass unser Koffer verschwunden ist. Wie in Trance funktioniere ich und versuche die ganze Tragweite zu erkennen. Mein Freund und meine Kollegin sind total aufgebracht und kochen vor Wut.

 

Kleine Spuren zeigen, dass die Diebe den Kofferraum und die Fahrertür geschickt mit einem Schraubenzieher aufgehoben haben und unser Gepäck durchwühlt oder gleich ganz mitgenommen haben.

 

Mit dem freundlichen Angestellten von Alamo klären wir, was es nun zu tun gilt. 911 rufen kommt nicht mehr in Frage, das hätten wir direkt am Tatort machen müssen. Also bleibt uns nichts anderes, als uns eine Bestätigung von der Mietwagenfirma schreiben zu lassen und zu hoffen, dass die Versicherung in der Schweiz dies akzeptiert.

Aufgewühlt machen wir uns auf den Weg zum Check-In und werden am Schalter prompt gefragt, weshalb wir nur mit Handgepäck reisen. Wir klären den netten Flughafenangestellten über unsere Misere auf und er entschuldigt sich in aller Form, das so etwas ausgerechnet in "seiner" Stadt Miami passiert ist. Er hat Mitleid mit uns und schenkt uns kurzerhand drei Eintritte für den Club America, eine exklusive Lounge die sonst nur Businesspassagieren vorbehalten bleibt.

 

Wir sind äusserst dankbar und genehmigen uns direkt einen starken Drink aus dem reichhaltigen kostenlosen Angebot, während wir uns auf einer riesigen Sofaecke niederlassen. Nun gilt es, eine erste Bestandesaufnahme durchzuführen. Wir breiten unsere verbliebenen Habseligkeiten aus und freuen uns über jedes Kleidungsstück, das sich in den Tiefen unserer Rucksäcke versteckt hat.

Es ist davon auszugehen, dass die Täter gestört wurden. Sie haben sich einzig für unseren Koffer entschieden, aus den Rucksäcken und Taschen wurde glücklicherweise nichts entwendet. Was für ein riesiges Glück im Unglück! Seit Jahren wende ich nämlich ein spezielles Packsystem an und verstaue sämtliche Lieblingsteile im Handgepäck. Tatsächlich sind neben einigen Shirts, Hosen und Schuhen sowohl meine nigelnagelneuen UGG Rosabella als auch unsere teuren neuen Winterjacken noch da.

 

Einige Verluste gilt es dennoch zu verschmerzen, so können sich die Diebe über Victoria's Secret-Wäsche im Wert von gut 400$, eine Michael Kors-Lederjacke, Timberland-Stiefel und diverse andere Schuhe und Kleidungsstücke freuen. Einen neuen Koffer müssen wir uns demnächst leider auch schon wieder zulegen.

Tag 9: Home Sweet Home

 

Geschafft, enttäuscht und mit unzähligen Eindrücken im Kopf steigen wir kurz nach 20.00 in die Swiss-Maschine.

 

Eine erste Kalkulation hat ergeben, dass unsere Versicherungssumme den Schaden ziemlich genau auffangen wird. So ist wenigstens der finanzielle Aspekt der Geschichte nicht weiter tragisch.

 

Nach sieben Stunden im Tiefschlaf wache ich erst kurz vor der Landung in Zürich wieder auf und freue mich sehr auf unser Zuhause und die beiden Katzen.

 

Anstelle des üblichen Wäschemarathons erstelle ich Tabellen, scanne Belege ein und telefoniere mit der Versicherung. Äusserst zuvorkommend und kompetent wird der Fall innert 3 Tagen abgeschlossen.

To be continued...wer weiss? Bisher sind meine Telefonate mit der Security der Dolphin Mall sowie weitere Bemühungen leider umsonst geblieben. Die Hoffnung stirbt zuletzt!