Reisebericht Chicago Juni 2012

Tag 1: Back to the US


Ziemlich spontan beschliessen wir, Chicago einen Besuch abzustatten. Unsere gute Freundin stammt ursprünglich aus dieser Gegend und plant ihre diesjährige Reise in ihre alte Heimat für den Juni. Nach meinem ersten Besuch vor 5 Jahren nutze ich nun die Gelegenheit erneut, um von ihrem Insiderwissen zu profitieren. Mein Freund kennt die Stadt noch nicht, meine Schwester ist ebenfalls für einen erneuten USA-Trip zu haben, also buchen wir kurzerhand unsere Flüge und schliessen uns ihr an.

 

Am Dienstag, 19. Juni 2012 heben wir mit der Swiss pünktlich ab und erreichen Chicago bereits eine halbe Stunde früher als geplant. So macht fliegen sogar Spass, das Filmprogramm und die Verpflegung an Bord lassen ebenfalls keine Wünsche offen. Meine Schwester hat eine Viererreihe neben uns für sich alleine und kann sich sogar lang machen. Auch die Einreise verläuft ohne Wartezeit. Einzig die aufgegebenen Koffer brauchen einige Minuten, bis sie uns auf dem Gepäckband entgegen rollen.

Mehr als eine Stunde früher als erwartet, lädt uns das Taxi vor unserer Unterkunft Chicago Gold Coast Guest House B&B ab. Die Inhaberin Sally ist noch nicht da, die Reinigungshilfe öffnet uns aber die Tür und führt uns in unsere schönen Zimmer. Sie ruft Sally an und erteilt uns in der Zwischenzeit kompetent erste Informationen, verteilt uns Stadtpläne und zeigt uns das tolle Haus. Wir fühlen uns sofort wie zu Hause und bereuen unsere Wahl nicht. Sally trifft gut gelaunt ein und heisst uns herzlich willkommen.

Wir sind alle hungrig und beschliessen, als erstes im Ruth's Chris Steakhouse ein leckeres Filet zu geniessen. Im direkt gegenüberliegenden CVS kaufen wir uns 7-Tages-Pässe für das Bus- und Metronetz und fahren bis zur Station Grand. Wir werden sehr herzlich empfangen und erfahren, dass der Platzanweiser selbst während einer kurzen Zeit in der Schweiz gewohnt hat. Er hat sich in die Stadt Luzern verliebt und will unbedingt für einen Besuch zurückkehren. Lachend führt er uns an den Tisch und wechselt gleich die weissen Servietten aus. Schwarz passe besser zu uns, meint er mit einem Blick auf unsere Outfits. Das Glück ist weiterhin auf unserer Seite, das Menü unserer Wahl ist während der Mittagszeit als Lunchspecial erhältlich, so dass wir das Drei-Gang-Menü bestehend aus Ceasar Salad, Filet mit Kartoffelstock und Spinat sowie Schokoladenparfait zu einem Spottpreis erhalten. Das Essen ist – wir kennen es von dieser Kette nicht anders - unglaublich lecker. Die Nachspeise ist allerdings so mächtig, dass wir einiges davon stehenlassen.

Pappsatt und zufrieden spazieren wir zum Chicago Riverwalk. Die Fotobedingungen sind geradezu ideal, Chicago begrüsst uns mit stahlblauem Himmel und einigen wenigen dekorativen Wolken. Das Wrigley Building, der Tribune Tower, der Trump Tower, das Parkhaus Marina City und einige weitere imposante Wolkenkratzer präsentieren sich uns majestätisch in der Gluthitze. Sehr beeindruckend! Der Spaziergang bei 36 Grad an der glühenden Sonne fordert seinen Tribut, wir brauchen bereits eine Abkühlung. Mit der Metro fahren wir nach Roosevelt und kaufen bei Target einen Sonnenhut, Erfrischungsgetränke und erste Kleidungsstücke ein.

Wir fahren zurück bis zur Station Lake und stehen direkt vor dem Chicago Theatre. Das wunderschöne alte Gebäude wurde früher als Kino genutzt, heute finden in der Location diverse Kulturanlässe statt. Wir werden uns am Samstag hier Dream Theater ansehen und die Gelegenheit erhalten, die Räumlichkeiten auch von innen begutachten zu können.

 

Unsere Besichtigungstour führt uns zum Daley Plaza, wo die Picasso-Statue bereits auf uns wartet. Diverse Hochhäuser und Plätze in diesem Viertel sind uns als Schauplätze aus Filmen bekannt.

Zurück an der State Street erspähen wir die berühmten grünen "The great Clocks" an der Hausfassade des Kaufhauses Macy's. In wunderschönen alten Räumlichkeiten mit eigenem Springbrunnen bietet die Kaufhauskette auf 8 Stockwerken ihre Waren an. Das Gebäude bietet ein sehr angenehmes Shoppingerlebnis, das man nicht verpassen sollte.

 

Entlang der Magnificent Mile (nördlicher Teil der Michigan Avenue) bummeln wir in Richtung John Hancock-Center. Auf dem Weg entdecken wir unzählige Flagship-Stores, bis wir schliesslich nach einer halben Stunde Fussweg den Water Tower Place erreichen. Die Cheesecake Factory betreibt hier eine Filiale und wir wollen uns zum Abschluss des Tages einen Drink und ein Stück Cheesecake genehmigen. Die Hauptessenszeit ist zwar vorbei, trotzdem beträgt die Wartezeit für einen Tisch fast eine Stunde. Das dauert uns dann doch zu lang, wir finden aber bei Jamba Juice (aka Zumba Fresh, wie ihn einige von uns nennen...) direkt gegenüber einen leckeren Smoothie als tolle Alternative. 

Spontan entscheiden wir uns für einen Besuch auf dem John Hancock-Observatory. Der Fahrstuhl bringt uns in den 94. Stock und wir geniessen den Ausblick über Chicago bei besten Lichtverhältnissen.

 

Seit mehr als 24 Stunden sind wir bereits auf den Beinen, nun schlägt die Müdigkeit trotzt andauernder Helligkeit zu. Wir beschliessen den heutigen Tag und gehen zu Fuss zu unserem B&B, wo wir nach einer kühlen Dusche müde in die Federn fallen.

 

Einen Dämpfer muss ich noch verkraften, ich habe es geschafft, meine heute neu gekaufte Metrocard zu verlieren in der grossen Stadt.

Tag 2: Shopping und Millenium Park

 

Früh starten wir den Tag mit dem leckeren Frühstück von Sally. Mit Organic Cereals, Obst, Sojaprodukten und Bagels liegt sie bei uns goldrichtig, so dass wir satt und zufrieden in den Tag starten können.

 

Heute ist Powershopping angesagt, bereits von der Schweiz aus haben wir einen Fahrer zu den Premium Outlets in Aurora (Wayne's World lässt grüssen) gebucht. Schon vor 09.00 wartet er vor dem B&B auf uns und begrüsst uns gutgelaunt mit dem Ausruf Roadtrip, Roadtrip, Roadtrip ! Der schwergewichtige dunkelhäutige LB liegt so bequem in seinem Fahrersessel, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass wir hinter ihm auf der Rückbank Platz finden werden. Einmal mehr sind aber die kurzen Beine ein grosser Vorteil, meine Schwester und ich passen problemlos hinter den Fahrersitz. Während der Fahrt reisst er einige Witze, trinkt aus einem Literbecher Cola und singt lauthals zu seinen Lieblingssongs mit. Gut gelaunt treffen wir pünktlich zur Öffnung auf dem Outletgelände ein und starten mit unserer Einkaufstour. Nach 4 Stunden Shopping und einer kurzen Mittagspause beim Japaner rufen wir LB an, damit er uns wieder nach Chicago zurückfährt. Leider ist er im Moment beschäftigt, schickt uns aber eine Vertretung. Wohlbehalten treffen wir mitsamt unserer Ausbeute kurz nach 15.00 im B&B ein, wo wir uns mit Obst, Gebäck und kühlen Getränken auf dem Sofa erholen.

Jetzt fahren wir mit der Metro bis zur Station Monroe, um dem Millenium Park einen Besuch abzustatten. Mit fröhlichem Gekreische werden wir empfangen, unzählige Kinder erfrischen sich an den tollen Wasserspielen. Auch wir werden nicht verschont und kriegen beim Vorbeigehen einige Spritzer ab. Bei diesen hochsommerlichen Temperaturen stellt dies eine sehr willkommene Abkühlung dar. Unser Ziel ist die berühmte Cloud, auch bekannt unter dem Namen Bean. In der silbernen Skulptur spiegeln sich die Skyline und die Umgebung. Die traumhaften Wetterbedingungen sorgen für ein überwältigendes Spiegelbild und laden geradezu ein, mit dem Fotoapparat herumzualbern.

Mit kühlen Getränken bewaffnet, wollen wir die Brücke zum Art Institut überqueren. Die Security weist uns zurück, mit Lebensmitteln dürfen wir nicht weiter. Wir setzen uns auf eine Parkbank, schlürfen unsere Getränke und ruhen uns etwas aus, als ein Herr meiner Schwester von der Brücke aus zuschreit: That hat looks beautiful on you! Lachend entsorgen wir unsere PET-Flaschen und nehmen einen zweiten Anlauf. Kaum auf der anderen Seite angelangt, meldet sich unsere Freundin. Sie und ihre Schwester sind nun ebenfalls Downtown und warten bei der Cloud auf uns. Wir tauschen kurz erste Erlebnisse aus, bevor wir uns dann später im Dana Hotel & Spa mit ihnen und weiteren Kolleginnen zum Nachtessen treffen wollen.

 

Nun schauen wir uns den bekannten Buckingham Fountain an. In der Titelsequenz der TV-Serie Married….with Children (im deutschsprachigen Raum: eine schrecklich nette Familie) ist er wunderschön zu sehen. Zusammen mit der Skyline bietet der Springbrunnen ein tolles Fotomotiv.

Für 19.00 sind wir zum Nachtessen verabredet, allerdings treffen wir bereits eine halbe Stunde vorher im Dana Hotel & Spa ein. Die Zeit wollen wir mit einem Drink in der Rooftop Bar überbrücken, nach einer Ausweisüberprüfung dürfen wir den Fahrstuhl nach Oben betreten. An der Bar bestellen wir uns Drinks, die, wie wir rasch merken, mehrheitlich aus hochprozentigem Alkohol bestehen. Wir amüsieren uns köstlich, wir sind nämlich in eine Linkedin-Networkparty geplatzt. Kurzerhand schnappen wir uns leere Namenskarten und Stifte und verwandeln uns in Grace the Designer, Ben the Artist and Sheryl the Travel Agent. Kichernd verlassen wir die Bar und treffen in der Lobby auf unsere Gesellschaft für den heutigen Abend. Wir klären sie über unsere Namensschilder auf und erhalten den Spitznamen Networking-Party-Crashers :-).

 

In der lustigen Runde verbringen wir einen tollen Abend mit gutem Essen und Drinks und viel Gelächter.

Tag 3: Oak Street Beach und Chicago Erleben mit Insiderwissen

 

Nach einem ausgiebigen Frühstück im B&B spazieren wir zum nahgelegenen Oak Street Beach und geniessen die Ruhe am frühen Morgen. Bis auf wenige Hundebesitzer und Jogger haben wir den schönen Strand für uns. Die Aussicht auf die Skyline und den Lake Michigan ist überwältigend. Was für ein perfekter Start in den Tag! Die Sonne ist bereits kräftig, der Durst meldet sich schon bald. Frappuccinos und Iced Chai Latte von Starbucks kommen uns gelegen.

Etwas ausserhalb der Stadtmitte betreibt Alcalas einen Western Wear-Store. Mehr als 5000 Cowboyhüte und sogar mehr als 8000 Paar Cowboyboots werden auf deckenhohen Regalen präsentiert und zum Verkauf angeboten. Nach einer 10minüten Taxifahrt stehen wir Mitten im Cowboy-Paradies! Die Auswahl ist unfassbar gross, Stiefel, Hüte und Bekleidung soweit das Auge reicht. Selbst 36 Grad können meiner Stiefelleidenschaft nichts anhaben, mehrere liebevoll und kreativ verarbeitete Modelle werden anprobiert. Hier lerne ich auch den Small Boot Jack (Stiefelausziehhilfe aus Holz) kennen und lieben. Schlussendlich stehe ich vor der Qual der Wahl, gleich mehrere Paare gehören in die Kategorie MUST have! Letztendlich entscheide ich mich für einen schwarzen Glattlederboot mit aufwändigen weissen Blütenstickereien. Meine Schuhsammlung erfreut sich an dem neuen Schmuckstück. Auch mein Freund kauft sich ein Paar Stiefel, also lassen wir und mit dem Taxi zurück ins B&B bringen, die schwere Fracht will deponiert werden.

Ohne Ballast und mit leeren Ecobags erkunden wir nun das Shoppingviertel rund um den Water Tower Place. Hier lässt sich so einiges anschauen, anprobieren und kaufen – die Zeit vergeht im Flug. Die knurrenden Mägen signalisieren uns, dass bereits Mittagszeit ist. Idealerweise liegt die Cheesecake Factory direkt in diesem Quartier, wir versuchen unser Glück erneut. Und siehe da – jetzt wird uns auf Anhieb ein Tisch zugewiesen. Wir entscheiden uns für ein Lunchspecial mit Pasta und Chicken, Raum für ein Stück Blueberry Cheesecake muss natürlich noch freibleiben. So lecker!!

Den Nachmittag haben wir reserviert – unsere Freundin will uns ihren früheren Wohnort etwas näher bringen. Zuerst fahren wir mit der Metro ins Belmontquartier, das alternative Künstlerviertel beherbergt kleine Shops, Cafes und Restaurants fernab der kommerziellen Masse. Bei "The Alley" kaufen wir Kleinigkeiten und albern mit Skelettmützen rum, bei Einstein Bros. Bagels kaufe ich mir einen faden Blueberrysmoothie. 

 

Auf dem Weg zur De Paul University passieren wir das Vic Theatre, hier hat Marilyn Manson schon vor vielen Jahren noch gänzlich unbekannt performt. Der Wandel der Zeit hat auch vor der De Paul University nicht Halt gemacht, in den letzten Jahren hat sich viel verändert in dieser Gegend. Immerhin werden die Um- und Neubauten optisch in die Backsteinhausidylle eingepasst. Im Unishop springen uns direkt lustige Plüschvieher an, bei genauerem Hinschauen entpuppen sie sich als Utensilien für den Biounterricht - Blutzelle, Kolibakterie und Hirnzelle lassen grüssen.

Der Wassertank ist bereits wieder leer, gut dass wir in der Strasse einen Dominick's entdecken. Ich liebe es, durch die Regale zu pirschen und neue Leckereien zu entdecken. Alles andere als ansprechend präsentiert sich allerdings der Arizona Ice Tea – in riesigen Bezinkanistern ist er im Sonderangebot zu haben. Dann doch lieber Vitamin Water.

 

Am frühen Abend kommen die Schwester und der Neffe unserer Freundin zurück in die Stadt, also machen wir uns langsam auf den Rückweg. Wir bummeln der State Street entlang und verabreden uns für 19.00 im Giordano's, heute werden wir in die Geheimnisse der Chicago Style Pizza eingeweiht. Im Gegensatz zur herkömmlichen Pizza, wird der Teig zuerst mit Mozzarella und erst zum Schluss mit Tomatensauce belegt. Eine sehr leckere (und mächtige) Angelegenheit!

 

Für eine Nachspeise bleibt heute definitiv kein Platz mehr übrig.

Tag 4 – Sun, Shopping, Beach, Music

 

Heute nutzen wir die Morgenstunden, um dem Navy Pier einen Besuch abzustatten. Ein Linienbus bringt uns direkt zum Ziel, wir werden unterwegs weder ausgeraubt, noch ist der Bus schmutziger als sonst wo auf der Welt. Also nicht abschrecken lassen von negativen Berichten, wir können diese absolut nicht bestätigen.

 

Die strahlende Sonne macht es uns auch hier leicht, man muss das Navy Pier einfach lieben wenn solche Wetterbedingungen herrschen. Stahlblauer Himmel, tiefblaues Wasser, Sonne Pur – schlichtweg ein Traum. Mit Sicherheit ist hier am Abend einiges los, Bubba Gump und andere Restaurantketten buhlen mit gemütlichen Sitzplätzen um Kundschaft.

Alter Water Tower
Alter Water Tower

Kurz vor 10.00 stehen wir bei Nordstrom ungeduldig vor den Pforten, die nächsten zwei Stunden wollen wir mit Shoppen an der Magnificent Mile verbringen. Gegen Mittag sind wir am Ende der Shoppingstrasse beim Water Tower Place angelangt und entscheiden uns erneut für Lunch in der Cheesecake Factory. Heute gibt es Burger, Salat und Clubsandwiches mit Raspberry Cheesecake.

 

Wir laden die Bags im B&B ab und fahren heute zum zweiten Mal Bus, der Lincoln Park im Norden von Chicago ist unser Ziel. Der Lincoln Park Zoo ist heute Nachmittag der Treffpunkt für Bekannte, Freunde und Familie unserer Freundin, natürlich wollen wir auch kurz hallo sagen und finden die grosse Truppe auf Anhieb.

Später verabschieden wir uns in Richtung Strand. Wir spazieren bis zur Fullerton Avenue und gelangen so direkt zum Fullerton Beach. Die Aussicht auf die Skyline ist hier noch imposanter als vom Oak Street Beach aus, die grössere Distanz erlaubt einen besseren Blick. Wir setzen uns eine Weile hin, kaufen uns ein erfrischendes Wasser und geniessen den Augenblick. Sommerfeeling pur.

 

Den nächsten Ausflug starten wir vom Beach aus, wir nehmen uns ein Taxi zur Riverpoint Mall. Nach knapp 10 Minuten bin ich unglaublich froh, aussteigen zu können. Die Klimaanlage hat mir ununterbrochen eisige Luft an den Hals gepustet. Ein heisser Chai macht den Schaden wieder gut. Wir schlendern durch die wenigen Shops, bevor wir bei Bath & Bodyworks, der eigentliche Grund unserer Anreise, zuschlagen wie üblich. Meine Bürokolleginnen freuen sich bereits auf neue leckere Seifen. Jetzt müssen wir auf jeden Fall ins B&B, die Ware lässt sich nicht mehr weit tragen.

Wir nehmen den nächsten Bus in Richtung Metrostation und dann passiert es – meine Schwester steckt ihre Metrocard im Bus irrtümlicherweise in den Dollarschlitz und schwupps hat auch sie ihre Karte nicht mehr. Der Busfahrer ist genervt, mein Freund ahnt bereits, was jetzt kommt: Sisters-Lachanfall. Noch Minuten später werden wir von Lachkrämpfen durchgeschüttelt.

 

Mit der neuen Metrocard in der Tasche fahren wir zurück zum B&B. Etwas Ruhe und Erholung kann nicht schaden, heute wird es ziemlich spät werden. Ich unterhalte mich etwas mit Sally und nutze den zur Verfügung stehenden Computer, um Informationen über eine allfällige Bootstour einzuholen.

Nach einer halben Stunde hält mich schon wieder nichts mehr auf dem Sessel, kurzerhand überzeuge ich meinen Freund, einen kurzen Spaziergang um die Blocks zu unternehmen, bei Urban Outfitters erstehen wir dabei coole Kleider und Gimmicks.

 

Um 19.00 stehen wir aufgebrezelt parat, das Taxi bringt uns direkt zum United Center. Heute Abend sehen wir uns Cheap Trick und AEROSMITH an! Wir suchen unsere Plätze im riesigen Stadion und stellen fest, dass wir keinen Gehörschutz mitgenommen haben. Jetzt beginnt der Spiessrutenlauf – vom Merchandisingstand werden wir zur Information geschickt, von da zum Einlass, von da aus weiter zum First Aid, und hier direkt ins Behandlungszimmer. Unsere Frage wird mit einem simplen nein beantwortet, niemand würde diese hier nutzen, deshalb werden sie nicht mehr verteilt. Erweicht von unseren verdutzten Blicken, fragt die Sanitäterin nach unserer Herkunft. Die Antwort Switzerland war wohl das Codewort, plötzlich zaubert sie Ohropax aus der Schublade, weist uns allerdings an, diese gut zu verstecken!? Whatever, wir haben was wir wollten – und der Schrittzähler hat einige mehr auf dem Zähler.

Pünktlich zu Cheap Trick sind wir zurück auf unseren Plätzen – bewaffnet mit Brezeln und einer gigantischen Portion Popcorn. Geschick liegt uns nicht in den Genen, schon bald liegt der Inhalt auf dem Boden verteilt in den Stadionrängen. Während der Umbaupause suche ich kurz die Toilette auf und bin sofort die Attraktion, eine Besucherin schreit: Oh my God, these Boots are sooooo cute! Danke für das Kompliment, meine Investition hat sich schon gelohnt!

 

Aerosmith sind einmal mehr gigantisch. Die Ausstrahlung und das Charisma von Steven Tyler sind unvergleichbar. Bleibt zu hoffen, dass sie Europa nach all den Jahren auch mal wieder einen Besuch abstatten.

 

Nach dem Konzert hilft uns ein Randständiger mit viel Einsatz ein Taxi zu ergattern, wir belohnen seine Hilfe mit einigen Dollars.

Tag 5 - Barbecue und Baseball in Indiana, Music im Chicago Theatre

 

Heute haben wir den Frühstückstisch nicht für uns alleine, ein älteres Ehepaar aus Wales isst schon genüsslich Bagels und Muffins als wir im Esszimmer eintreffen. Wir führen etwas Small Talk, bis der walisische Herr das Thema Chicago Theatre anschneidet. Natürlich erzählen wir, dass wir uns heute Abend da Dream Theater ansehen werden und uns auf die Innenbesichtigung sehr freuen. Erstaunlicherweise kennt er die Band bestens und sofort beginnt eine rege Diskussion über Gitarristen, Rockmusik und Livekonzerte. Ein weiteres Ehepaar aus England gesellt sich dazu, auch die beiden entpuppen sich als Metalfreaks, sie besuchen heute Abend das Konzert von Marillion.

 

Nach den anregenden Gesprächen am Frühstückstisch von Sally, machen wir uns auf dem Weg zum Farmer's Market. Jeden Samstag bieten Bauern mitten in der Grosstadt frische und selbstgemachte Produkte an.

 

Nachdem wir ein Gastgeschenk für die Eltern unserer Freundin gefunden haben, geniessen wir den frischen Duft von Blumen und Gebäck.

 

Wir sind zum Mittagsbarbecue in Indiana eingeladen, die South Shore Line wird uns in einer 45minütigen Fahrt zum Ziel bringen. Wir fahren zur Station und kaufen uns schon mal die Tickets, bevor wir uns die Zeit bis zur Abfahrt mit einem weiteren Besuch bei Macy's verkürzen.

 

Bei Walgreens holen wir uns verschiedene M&M-Sorten, zusammen mit einem Chai von Starbucks bilden diese die perfekte Zwischenverpflegung für die Zugfahrt.

Pappsatt von Chicken Strips, Schichtsalat, Chips und Fruchtsalat spazieren wir alle zusammen zum nahegelegenen Sportfeld. Der 5jährige Neffe unserer Freundin bestreitet heute ein Baseballspiel, das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Die kleinen Spieler geben während einer Stunde alles, mit Ehrgeiz und Einsatz versuchen sie, die Bälle zu treffen.

 

Nach dem Spiel erfrischen wir uns mit leckerem Ice Cake im gemütlichen Garten.

Am späteren Nachmittag treten wir unsere Rückreise nach Chicago an, bevor wir zum Konzert fahren, wollen wir uns im B&B noch mit wärmeren Kleidern ausstatten und etwas frisch machen. Erfahrungsgemäss sind die Konzertlocations in den USA auf ungemütlich kalte Temperaturen klimatisiert. Der Zug in die Stadt ist gut besetzt, viele Leute verbringen den Samstagabend wohl in Chicago. Das kulturelle Angebot ist beträchtlich und bietet für jeden Geschmack das Richtige.

 

An der Will Call-Kasse holen wir eben unsere Tickets ab, bevor wir bei Potbelly's leckere Sandwiches als Nachtessen geniessen.

Nun ist es soweit, wir erhalten Einlass in die Räume des Chicago Theatres. Leider ist es strengstens untersagt, Fotos- oder Filmaufnahmen jeglicher Art zu machen. Die Decken und Wände sind üppig verziert und bemalt, die Sitze mit rotem Stoff überzogen. Das Ambiente ist wunderschön, wir freuen uns riesig auf den Konzertabend.

 

Einmal mehr beweisen Dream Theater ihr Können und lassen keine Wünsche offen. Einziger Wehmutstropfen - nach einiger Zeit fühlt man sich wie in einem Flugzeug. Es zieht, die Luft ist trocken, Nase und Hals beginnen trotzt warmer Kleidung zu schmerzen. Da hilft nur noch der Gang in den Drug Store, in den USA sind diese ja glücklicherweise 24 Stunden geöffnet. Für einmal freuen wir uns jetzt auf die warme Dusche, bevor wir ins Bett fallen.

Tag 6: Boat Trip & Goodbye

 

Schon ist es soweit, unser letzter Tag in Chicago ist angebrochen. Wir geniessen noch einmal das Frühstücksbüffet und packen schliesslich unsere Einkäufe in die leeren Koffer. Sally gibt uns einen Ersatzschlüssel mit, so können wir das Gepäck im B&B stehen lassen bis wir am Nachmittag zum Flughafen fahren.

 

Für 10.00 hat uns Sally vergünstigte Plätze auf der Chicago's First Lady ergattert, auf mehrfache Empfehlung hin wollen wir die Official Chicago Architecture Foundation River Cruise erleben.

Das Boot shippert gemächlich auf dem Chicago River, während ein Experte uns über die architektonischen Eigenschaften der Gebäude aufklärt. Die erste halbe Stunde ist tatsächlich sehr beeindruckend, der Blick vom Wasser aus ist imposant. Die Gebäude jenseits des Riverwalks auf den beiden Aussenflügeln sind nicht mehr ganz so spektakulär, leider haben wir auch nicht den unterhaltsamsten Speaker erwischt.

 

Für etwas Auflockerung sorgen buntgekleidete schillernde Pride-Parade-Besucher, die uns von den Brücken aus zuwinken.

Das Mittagessen haben wir uns verdient, Ruth's Chris Steakhouse soll es zum Abschluss nochmal sein. Wir freuen uns riesig, umso grösser ist die Enttäuschung als wir wenige Minuten später vor verschlossenen Türen stehen. Ratlos entscheiden wir uns für ein Lokal in derselben Strasse, Rockit Bar&Grill soll unseren Hunger stillen. Es herrscht ein reges Treiben, wie uns mitgeteilt wird, findet hier jeden Sonntag ein Accoustic Brunch mit vielen Spezialangeboten statt. Die Musik klingt gut, die Speisekarte sieht ebenfalls super aus, gerne lassen wir uns einen der raren freien Tische zuweisen. Während wir auf unsere Burger, Ceasar Salads und Burritos warten, werden am Nebentisch frische Waffeln mit Erdbeeren serviert. Futterneid! Somit ist auch geklärt, was wir uns gleich noch als Nachspeise genehmigen werden. In der Zwischenzeit sind wir mit 5$-Mojitos zufrieden. Das Essen, die Drinks und die Waffeln sind ausserordentlich lecker, das Ambiente entspricht ebenfalls unserem Geschmack. Es scheint, als hätten wir am letzten Tag noch einen Glückstreffer gelandet.

Nun ist es Zeit, im B&B das Gepäck abzuholen und ein Taxi zu organisieren. Wir sind froh, unsere Koffer und Rucksäcke vollzählig vorzufinden – seit Miami ist ein ungutes Gefühl latent vorhanden – und ziehen uns flugtauglich um. Mehr als früh genug treffen wir am Flughafen O'Hare ein und gönnen uns schon wieder Süssigkeiten: Muffins, Butterfinger, alles muss noch probiert werden solange wir noch amerikanischen Boden unter den Füssen haben.

 

Schon am Gate hören wir erste Schweizer nörgeln über dies und das, welcome back to reality .

 

Für etwas Bewegung in der Masse sorgt die Ankunft des Riesenvogels der British Airways am Nebengate. Eifrig wird der Flieger geknipst und begutachtet. Ist es eine A380? In Anbetracht der Aufregung gehen wir davon aus, dass es sich hier um etwas Spezielles handeln muss.

Tag 7 - Home Sweet Home

 

Der Flug ist pünktlich in Chicago gestartet, bei uns zu Hause ist es bereits 02.15 in der Nacht. Das Ziel, möglichst viele Stunden des Fluges zu verschlafen, verfehlen wir ziemlich. Ein äusserst witziger Flugbegleiter sorgt dafür, dass wir nicht müde werden. Er versorgt uns mit Gin Tonic und anderen Drinks, entlockt unserer Freundin Details von Chicago, fragt uns über unsere bisherigen Reisen aus und komponiert kurzerhand für uns den Japan-Rap "get some radiation baby". Immerhin knappe 4 Stunden schlafen wir dann doch noch. Zum Frühstück ist er bereits wieder aktiv, voller Stolz präsentiert er uns zwei Beutel Grüntee, welche er extra für uns aufgetrieben hat. Natürlich freuen wir uns!

 

Zürich begrüsst uns mit 16 Grad und Regen, juhu! Immerhin verläuft alles sehr speditiv und wir sitzen bereits 25 Minuten nach der Landung im Zug nach Hause. Nach dem Wäschemarathon gönnen wir uns eine Portion Sushi, morgen heisst es wieder Back to Work.

 

Die Woche in Chicago war sehr schön, einerseits natürlich wegen dem blendenden Sommerwetter, andererseits wegen den vielen lieben Leuten, die uns durch die Woche begleitet haben. Vielen Dank euch allen!