Reisebericht Japan Februar 2019 - Okinawa und Tokyo

Im Winter ist der Sonnenhunger immer besonders gross, eine optimale Gelegenheit, endlich mal in die Subtropen nach Okinawa zu fliegen. Bei allen bisherigen Japanbesuchen blieb nie Zeit dafür - jetzt wollen wir das nachholen. Die Vorzeichen stehen schlecht, zwei Tage vor Abflug hat mein Freund Fieber und sämtliche Grippe-Symptome.

 

Tag 1:

 

Quasi im letzten Moment ist zumindest das Fieber weg und wir entscheiden uns dafür, die Reise anzutreten. Am Abflugstag gibt es ein kleines Familientreffen am Flughafen, meine Schwester fliegt mit ihrer Familie ebenfalls in die Wärme.

 

 

 

Tag 2:

 

Vor der Einreise passieren sämtliche Ankömmlinge einen Körpertemperatur-Messer. Zum Glück ist alles im grünen Bereich, wir kommen nicht in die Quarantäne.

 

Schon 25 Minuten nach der Landung sitzen wir im Zug nach Tokyo, wo wir in Asakusa einen Zwischenstop machen. Bei strahlend blauem Himmel sieht der rote Tempel mit dem riesigen Lampion auch nach mehrmaligen Besuchen einfach überwältigend aus. Zudem blühen die Pflaumen wunderschön!

Unsere Reise geht noch weiter, vom Haneda Flughafen aus fliegen wir ganz in den Süden nach Okinawa.

 

Das Terminal ist sehr übersichtlich, wir haben viel zu viel Zeit eingerechnet. Die ANA zeigt sich superun-kompliziert und bucht uns kostenlos auf einen eheren Flug um. Einen freien Fensterplatz gab es auf diesem Flug auch noch, der zahlt sich beim tollen Landeanflug aus. Die letzten Minuten sorgen für Adrenalinschübe, im gefühlten Schneckentempo kriecht der riesige Flieger minutenlang knapp über dem Wasser her, mit freier Sicht dank der Bodenkamera.

 

Auffallend sind die vielen tollen Steinlöwenhunde (Shisa), die an jedem Gebäude zu finden sind. Die Mischkreaturen aus Löwe, Drache und Hund hocken meistens in Paaren da, einer mit geschlossenem und einer mit offenem Mund. Die bösen Geister werden damit ferngehalten und die guten Geister bewahrt.

 

Seit Jahren steht bei uns zu Hause so eine Kreatur vor dem Haus, das bedeutet wohl, dass wir eine Zweite besorgen sollten.

 

 

Seit einer gefühlten Ewigkeit sind wir unterwegs, mit letzter Energie nutzen wir noch die warme Abendsonne und machen uns auf den Weg zum Shuuri Castle.

 

Von hier oben hat man einen tollen Blick über die Stadt bis hinunter zum Meer.

 

Ein guter Ort, um der untergehenden Sonne zuzuschauen.

 

 

 

 

 

Wir kaufen etwas Verpflegung und machen uns damit auf den Weg in das MyPlace Guesthouse, wo wir die erste Nacht unserer Reise verbringen.

 

Es beginnt gerade ein gemeinsamer Ehomaki-Workshop. Es ist in Japan Tradition, diese heute zu Beginn des Frühlings mit 7 Zutaten zu füllen und dann als Ganzes zu essen.

Tag 3:

 

Der nächste Tag beginnt mit einer Absage, die geplante Whale Watching-Tour fällt wegen hohem Wellengang ins Wasser. Unglücklich bin ich darüber nicht, Boote sind nicht mein Fall, geschwiegen dann bei rauher See. Zudem bin ich jetzt grippig...

 

Stattdessen spazieren wir zum First Makishi Public Market und begutachten die lokalen Spezialitäten. Richtig süss ist der Tsuboya Pottery District. Hier reihen sich kleine Töpferläden aneinander und präsentieren ihre tollen Werke. Natürlich sind auch hier die Shisas gut vertreten. Wie gerne würde ich davon ein paar grosse Exemplare heimnehmen...

 

An der Kokusai Dori, der grossen Einkaufsstrasse probiere ich Gebäck aus violetten Süsskartoffeln und muss sagen, die lokale Spezialität schmeckt ganz lecker.

 

Für die Fahrt nach Nago haben wir einen Fahrer gebucht, damit wir uns unterwegs nach Norden einige schöne Orte anschauen können. Pünktlich

starten wir mit dem Cape Zanpa mit dem Leuchtturm. Obwohl etwas Wolken aufgezogen sind, ist die Aussicht sehr imposant.

 

Unterwegs zur Taucherhochburg Cape Maede passieren wir Felder mit Zuckerrohr und violetten Süsskartoffeln.

 

Auch das Cape Manzamou, dessen Klippe

einem Elefanten ähnelt, ist beeindruckend.

 

 

Zum Schluss zeigt uns der Fahrer das Busena Terrace Hotel, DER Ort zum Übernachten in Okinawa. Leider nicht unser Budget, aber dafür werden wir in die Summit-Hall geführt, wo 2000 der G8-Gipfel stattfand. Alle Staatsoberhäupter haben für ein Foto posiert, was wir jetzt ebenfalls machen. Der dazugehörige Strand ist ein Traum.

 

Statt im Busena Terrace checken wir im Pochi Guesthouse, einer kleinen Wohnung in Nago ein.

Die Kirschblüten bei den Nago Castle Ruinen  haben ihre besten Tage leider schon gesehen. Tapfer erklimmen wir Stufe um Stufe, obwohl der Körper rebelliert. Hustenanfall, Hals schmerzt, Lunge brennt, Kopf hämmert und der Magen ist auch leer...eigentlich wäre der bessere Ort für mich das Bett. Wieder unten gönne ich meinen zittrigen Beinen eine Pause und ziehe einen warmen wohltuenden Grüntee aus dem Automaten.

 

Bei Yakko gibt es nun frisches Sushi und einen Highball, wenn dieser nicht hilft, knockt er mich wenigstens aus für die Nacht. Dazu erhalten wir eine Misosuppe serviert mit Krebs, was etwas gewöhnungsbedürftig aussieht. Im familiären Restaurant fallen wir natürlich auf, es gibt nicht viele Touristen hier. Ein Herr will wissen, was wir hier machen und woher wir kommen. Freudig berichtet er, dass er mehrere Jahre in Genf gelebt und für die WHO gearbeitet hat.

Tag 4:

 

Heute starten wir im Ocean Expo Park, wir besuchen das Churaumi Aquarium. Die Anlage ist hübsch, zahlreiche Blumen und maritime Kreaturen schmücken das weitläufige Areal. Im Aquarium werden wir aufgefordert, Seesterne und Seegurken anzufassen. Interessant... Dann gehts los mit wahnsinnig schönen Korallen, Fischen und anderen Meeresbewohnern. Sehr eindrücklich ist der gigantische Tank mit den Haien und Mantas. Es ist wirklich ganz toll anzuschauen und ein Besuch sehr empfehlenswert, wenn da nicht noch der Aspekt der artgerechten Haltung wäre.

 

Nun werden wir wieder von unserem Fahrer abgeholt, wir wollen bei den Nakijin Ruinen nochmal unser Kirschblüten-Glück versuchen.

 

Als wir ankommen schüttet es, dafür hat es aber Kirschblüten. Dass das Wetter hier auf der Insel schnell wechseln kann, haben wir bereits gemerkt. Glücklicherweise hat uns der Fahrer einen Schirm mitgebracht. Also stapfen wir durch die Anlage und können nicht anders, als lauthals loszulachen. Es giesst gerade wie aus Eimern.

 

Etwas unsicher fragen wir den Fahrer, was er bezüglich Programm aufgrund der Wetterlage meint. Er versteht uns wohl nicht (oder will er nicht?) und fährt weiter zur Kouri Bridge.

 

Hier ist es fantastisch - erstaunlicherweise sogar bei Regen! Die Farben des Meeres sind unfassbar schön.

 

Zurück im Auto hält er uns plötzlich den Zettel mit dem vereinbarten Preis unter die Nase und verspricht 25% Rabatt wegen dem Regen. Er hats wohl doch verstanden.

 

Den Rabatt nehmen wir, diskutieren kann man mit Japanern nämlich schlecht. Genauso wie spontan Pläne ändern.

 

Also fahren wir jetzt trotzt Weltuntergangs-stimmung hoch zum nördlichsten Punkt Cape Hedo, wo ich ausser der weitaus angenehmeren Temperatur kaum mehr einen Unterschied zu Island erkennen kann. Orkanartiger Wind, meterhohe Wellen, satte grüne Farben, Sprühregen...

 

Foto und zack zurück ins Auto.

Auf der Rückfahrt arrangiert er für uns kurzfristig Plätze auf einer Nachmittagstour in der Orion-Bierbrauerei. Kostenlos wird uns der Brauerei-vorgang erklärt und gezeigt, danach erhalten wir zwei verschiedene Biere. Immerhin spüre ich nun die Halsschmerzen nicht mehr...

 

Nach dem Trinken gibt es nun endlich etwas in den Magen, bevor wir im Guesthouse den morgigen Tag planen.

 

Ansonsten ist heute Abend jetzt Ausruhen und Grippe auskurieren angesagt.

Tag 5:

 

Heute geht’s gemütlich zurück in den Süden Okinawas, jetzt aber auf eigene Faust.

 

Wir haben auf der Hinfahrt einige wunderbare Orte gesehen zum geniessen, wir wollen auf der Rückfahrt Zwischenstops einlegen.

 

Zuerst gehen wir aber zu Fuss hier in Nago zum Hafen und zum Strand, wo wir eine schöne Morgenstimmung antreffen.

Mit dem ersten Airport Limousine Bus fahren wir von der Nago City Hall aus nach Kariyushi Beach Mae, wo wir uns erstmal am Busena Beach für eine Weile auf den Liegestuhl hauen.

 

Ein Bilderbuchstrand...die Wärme und die Sonne sind ein Traum, es tut so richtig gut sich zu erwärmen. Barfuss durch den Sand zu gehen und Füsse zu baden im Februar ist wunderbar.

 

Das Busena Underwater Observatory zeigt mittelmässige Sicht, wir besuchen es deshalb nach dem tollen Aquarium gestern nicht. Lieber brutzeln wir in der Sonne weiter.

 

Ein Taxi kommt gerade sehr gelegen, wir haben nämlich beschlossen, nochmal zum Cape Manzamou hochzugehen. Den Aufstieg erspart uns die Fahrt aber nicht, wegen Stau kickt er uns vor dem Anstieg aus dem Taxi.

 

Oben angekommen ist der Ort kaum wiederzu-erkennen, wo wir vorgestern die totale Ruhe hatten, treffen wir jetzt auf eine Horde asiatische Touristen mit Selfiesticks. Mit Ruhe wirds hier nichts im Moment, dafür ist die Sicht heute Top.

 

Sind in China während dem chinesischen Neujahr Ferien? Es macht hier ganz den Anschein. Zu Fuss nehmen wir den Abstieg in Angriff.

 

An der Station Nabee Beach Mae nehmen wir den nächsten Airport Limousine Bus und lassen uns zurück nach Naha kutschieren. Die Busse sind super, bequeme Sitze mit viel Beinfreiheit, ziemlich direkte Route und WIFI an Board. Damit kann man auch einige Orte im Norden gut bereisen. Von hier aus dauert die Fahrt noch eine gute Stunde.

 

Für unsere letzte Nacht auf Okinawa haben wir im MyPlace Guesthouse wieder ein Zimmer gebucht. Die relativ neue Unterkunft ist im Gegensatz zu den Hotels auf Okinawa supergünstig und wir haben hier alles was wir brauchen.

 

Der Nami no ue-Shrine, der Shrine über den Wellen, wie der Name auf deutsch übersetzt heisst, ist auf einen Felsen hoch über dem Meer gebaut.

 

Am Fusse sind Strand und Wasser wieder ein Traum. Einige Jungs sind im Wasser am rumtollen, was die bunten Fische nicht abschreckt, bis ganz ans Ufer zu schwimmen.

 

Beim Spaziergang finden wir angespülte Knochen von riesigen Fischen.

 

Vom Strand aus sehen wir in der Ferne grosse graue Köpfe und beschliessen, uns das näher anzusehen. Es handelt sich um die beiden riesigen Drachensäulen Ryuchu (siehe Foto oben).

 

 In der Rooftopbar des Aqua Citta Hotels probieren wir nun am letzten Abend auf Okinawa noch den lokalen Reisschnaps Awamori und geniessen dazu den letzten Sonnenuntergang hier im Süden. Ich finde, er schmeckt gar nicht so schlecht.

 

 

Tag 6:

 

Auf dem Weg zum Flughafen besichtigen wir den chinesischen Garten Fukushu-en, bevor es zurück nach Tokyo geht.

 

Wieder staune ich, wieviele riesige Flieger hier quasi rund um die Uhr sämtliche Flughäfen in Japan anfliegen, unsere Maschine ist bis auf den letzten Platz gefüllt.

 

Im Coco Grand Hotel geniessen wir erstmal die Snacks, die im Zimmer für uns parat liegen.

 

Wir haben tolle Aussicht auf den Shinobazu-Teich und beschliessen, dort gleich mal ein wenig spazieren zu gehen. Im angrenzenden Ueno-Park ist wie immer viel los, aber ohne Kirschblüten wirkt er nicht besonders.

 

Die Sonne scheint wunderbar, statt 24 sind es hier aber nur noch 12 Grad Aussentemperatur. Erste Pflaumen blühen, während in Okinwawa für dieses Jahr Sakura bereits Geschichte ist.

 

 

 

Den Abend verbringen wir in super Gesellschaft mit Highballs und japanischen Tapas.

 

Die Zeit vergeht im Flug. Nun ist es auch fast Mitternacht, meine Zeitspanne, um das hoteleigene Onsen zu besuchen. Aufgrund meiner Tattoos wurde mir der Zugang zu den üblichen Zeiten nämlich wiedermal verboten. Jetzt lasse ich es mir aber nicht nehmen, im heissen Wasser zu schmoren und danach in den Tiefschlaf zu fallen.

Tag 7:

 

Heute beginnt beim Yushima Shrine das Pflaumenblüten-Festival.  Der Shrine ist populär bei Studenten, sie kommen vor den Examen hierhin um für Erfolg zu beten.

 

Die Blüten sind tatsächlich schon offen, einige mehr, andere weniger. Und das trotzt gerade mal noch 3 Grad heute.

 

 

Eine halbe Stunde Fussmarsch entfernt ist der Nezu Shrine, wir starten in die Richtung, können uns aber mir der Kälte gerade gar nicht anfreunden.

 

Endlich angekommenen, finden wir eine Mini-Version des berühmten Inari-Schreins mir den roten Toren. In den Frühlingsmonaten blühen hier viele Azaleen, dann ist der Shrine wohl besonders hübsch anzusehen.

 

Die Sonne strahlt und der Himmel ist ziemlich klar, das ist jetzt nach all unseren Japanreisen der Moment, wo wir auf den Sky Tree wollen.

Dort angekommen, gibt es weder eine Warte-schlange für Tickets noch Wartezeiten am Lift.

 

Ich finde es ganz toll, mein Freund ist kein Freund von Höhe. So gehe ich die letzten 100 Meter alleine und schon im Lift wird mir mulmig, die Türen sind nämlich zum Teil aus Glas. Ich habe das Gefühl, das es oben leicht wackelt und um den Glasboden mache ich auch einen grossen Bogen.

 

Der Besuch war super, und wir haben viele Fotos gemacht. Schlussendlich wirken sie aber leider nicht wirklich...ähnlich wie bei den Blüten und Stränden, mann muss es irgendwie selbst erlebt haben.

 

 

Auf der Suche nach Tokyu Hands in der Tokyo Station geraten wir mal wieder ins Labyrinth. Es ist immer wieder eine Herausforderung, im richtigen Moment die richtige Abzweigung zu nehmen in den gigantischen Bahnhöfen. Die Suche lohnt sich aber, ich finde hier einen Hangiri, einen Holzbottich für noch perfekteren Sushireis.

 

Im Musikviertel Ochanomizu haut nun mein Freund etwas Yen auf den Kopf, während ich mit meinen Gedanken am Strand in Okinawa rumhänge.

 

Zum Abendessen kommen unsere Bekannten nach Tokyo, worüber wir uns sehr freuen. Bei frischem Sushi verbringen wir einen geselligen Abend.

 

Es ist zwar noch nicht Mitternacht, aber ich möchte mich im Onsen aufwärmen. Auf gut Glück versuche ich es und siehe da, die australische Dame hat kein Problem mit meiner Anwesenheit. Als später eine Japanerin hinzukommt, verlasse ich schön aufgewärmt und zufrieden das Bad. Man schläft danach einfach wunderbar ein.

Tag 8:

 

Wenn Tokyo etwas anscheinend nicht perfekt kann, dann ist es mit Schnee umgehen. Immer wieder hört man Geschichten, wie schon bei geringen Schnee-mengen einiges nicht mehr klappt. Und da heute Schnee fällt, habe ich etwas Bedenken, was unsere Ausreise betrifft.

 

Und genauso kommt es. Obwohl das Flugzeug schon lange da ist, das Boarding pünktlich und speditiv ist, klappt es mit dem Start so gar nicht. Erst müssen wir auf das Enteisungsfahrzeug warten, erhalten schliesslich nur eines davon, so dass dieses eine Ewigkeit braucht. In der Zwischenzeit erfahren wir, dass wegen dem Schnee eine Bahn geschlossen

ist und Start- und Landebahn jetzt die Gleiche sind. Also heisst es nun wieder warten...

 

Das Personal verteilt Schokolade zur Stimmungs-aufheiterung.

Am Schluss sind alle Passagiere froh, als der Pilot doch noch die magischen Worte "Cabin Crew, Take-off in 2 Minutes" spricht.

 

Während wir Sonne und Wärme ganz im Süden von Japan genossen haben, war der Grossteil der anderen Touristen im Schnee beim Skilaufen. Angeblich ist der Schnee in Japan supertoll und speziell, so dass sogar viele Schweizer hinfliegen. Das war mir so bisher nicht wirklich bewusst.

 

Eines haben wir aber alle gemeinsam, so toll unsere Urlaube auch waren, irgendwie wollen wir nun doch so langsam mal alle nach Hause.