Reisebericht Tokyo Mai 2015


Der Grundstein zu dieser spontanen Kurzeise wurde bei einem gemütlichen Sonntagsbrunch mit Freunden gelegt. Mit jedem Satz zum Thema Japan steigert sich die Sehnsucht, das aktuelle Swiss-Special tut sein Übriges dazu. Unsere Ferien für dieses Jahr sind verplant, Zeitfenster gibt es also so gut wie keine. Ich klappere jede erdenkliche Möglichkeit ab und tatsächlich finden wir Flüge zum Specialpreis über Auffahrt. Unsere beiden Arbeitgeber geben grünes Licht für einen zusätzlichen Tag, so dass wir am Montagabend die Flüge definitiv buchen und die bestehenden Buchungen in Europa für das besagte Weekend stornieren.


Städtetrip nach Tokyo - wirklich? verrückt! Wir freuen uns riesig!


Tag 1:


Endlich ist es soweit, es geht los! Zumindest fast. Als wir parat für den Abflug sind, meldet der Pilot plötzlich Wasser am Triebwerk. Vermutlich sei es nur Kondenswasser, der Ingenieur sei aber zur Kontrolle aufgeboten worden. 20 Minuten später gibt es grünes Licht und wir rollen zur Startbahn. Eine Stewardess versichert sich beim Piloten, dass wirklich alles gut ist, was sie und schlussendlich auch mich etwas beruhigt. Zumindest solange, bis Passagiere mit "mizu, mizu" signalisieren, dass Wasser aus den Gepäckablagen tropft. Auch das stellt sich als Kondenswasser heraus.

 

Mit einem mulmigen Gefühl lehne ich mich zurück und lasse ich mich auf den Filmmarathon ein.

Tag 2:


Der Flug verläuft glücklicherweise ruhig und wir erreichen Tokyo wohlbehalten am frühen Freitagmorgen.


Für die paar wenigen Tage in Tokyo haben wir für einmal keinen Railpass bestellt, eingecheckte Koffer haben wir ebenfalls nicht. Also heisst es weder aufs Gepäck warten noch in die Schlange bei Japan Rail stehen, sondern gleich Tickets für den Narita Express ziehen und direkt zur Tokyo Station fahren.


An der U-Bahnstation versuchen wir den in Kanji geschrieben Plan zu entziffern, werden aber schon nach wenigen Sekunden von einem älteren Herrn angesprochen. Er will uns helfen und eilt auch gleich zum Bahnangestellten, um für uns einen englischen Plan zu holen. Japan!


In der (falschen) Annahme, nur wenig mit der U-Bahn zu fahren, wählen wir aufladbare Pasmokarten. Der Fahrpreis wird dann jeweils abgebucht am Ausstiegsort. Mit den Karten kann man praktischerweise auch Getränke an Automaten beziehen oder in Shops bezahlen .


Unsere Bekannte lebt mittlerweile wieder in Europa, sodass wir jetzt mal wieder in einem Hotel übernachten.


Wie vor fünf Jahren buchen wir im Hotel Asia Center of Japan ein günstiges Zimmer, beziehen können wir es so früh aber leider noch nicht. Wir lassen die Rucksäcke da und starten direkt zu Fuss in Richtung Roppongi.


In einem kleinem Garten geniessen wir die Ruhe, bis wir Godzilla entdecken. Die grosse Figur versammelt Scharen um sich, auch uns.


Als wir die Roppongi Brücke erreichen kann ich für den Bruchteil einer Sekunde nicht mehr einordnen ob das jetzt wirklich gerade passiert, oder ob ich doch Träume. Wir wieder in Tokyo? Es kommt mir vor, als wäre ich gestern genau diesen Weg gegangen.



Das bewährte Restaurant Pintonka im Roppongi Hills-Komplex hat glücklicherweise schon geöffnet, dem ersten Bissen Sushi steht also nichts mehr im Wege. Herrlich! Gegen Mittag füllt sich das kleine Lokal und als wir gehen, ist die Warteschlange für einen Platz ziemlich lang.





Beim Asakusaschrein findet dieses Wochenende das grosse Sanja Matsuri-Fest statt. Auf dem Weg dorthin machen wir es in der U-Bahn wie die Japaner, die Augen fallen zu. Nach einem kurzen Spaziergang suchen wir uns ein schattiges Plätzchen und schauen gemütlich sitzend den Leuten zu. Unzählige haben den Weg hierhin gefunden und sich richtig herausgeputzt, darunter viele Japanerinnen in Kimonos.


Um Punkt 14:00 Uhr geht es schliesslich los, die Parade beginnt und wir erhaschen Blicke auf wunderschöne Geishas.



Wir fahren weiter zum Skytree, hier ist es deutlich ruhiger. Das Wetter ist zwar schön, die Sicht aber trüb. Auch dieses Mal verzichten wir deshalb darauf, hochzufahren.


Stattdessen gönnen wir uns ein Matcha-Frappucino, bevor wir einige Kleinigkeiten in der Mall besorgen.

 




Die nächste Station heisst Akanabebashi, wir besichtigen den kleinen Zojoji-Schrein und schlendern durch den kleinen Park beim Tokyo Tower.

 



Vom tollen Garten des Park Prince Hotels aus hat man einen optimalen Blickwinkel, wie wir auf dem Weg in die Stellar Skylounge feststellen.


Wir wählen trotzt der Tablecharge ein Sofa am Fenster und geniessen die Vorabendstimmung mit Cocktails - absolut grossartig!


Am Schluss kostet der Spass zwar 10500 Yen (ca. 80 CHF), diese Summe hätten wir aber in Zürich für je zwei Cocktails auch bezahlt.


Die Skylounge ist wunderbar!

 

 

Es dunkelt nun rasch ein und wir fahren nach Daimon, um vom World Trade Center Seaside Top aus einige Nachtaufnahmen zu machen. Die 620 Yen sind in Anbetracht der gigantischen Aussicht auf die Stadt ein Schnäppchen.

 

Was für ein traumhafter erster Tag hier in Tokyo!

Tag 3:


Das Zimmer im Asia Center of Japan ist klein, aber sauber und zweckmässig. In Anbetracht des günstigen Preises ist es ok, in den letzten Jahren haben wir aber so einige schönere Hotels gesehen auf der Welt. Das japanische Frühstück ist Geschmackssache, Reis und Fisch mit Sojasauce geht bei mir auch frühmorgens. Wer das nicht mag, kann auf die Croissants zurückgreifen. Ein schönes Extra sind die kostenlosen Wasserflaschen, die man sich jederzeit aus dem Kühlschrank in der Lobby holen kann.

Obwohl es leicht nieselt, fahren wir wie geplant zum Kyu-Furukawa Garden. Die Rosen stehen in voller Blüte, unser Hauptinteresse gilt aber dem japanischen Teil der schönen Gartenanlage. Die Gegend hier im Norden von Tokyo erinnert mich eher an das ruhigere Kyoto.



Nach der Ruhe folgt der Sturm, Electronic Town Akihabara als Nächstes. Bei Sofmap schlendern wir durch die Etagen und kaufen günstige U-Bahn-Pässe, bevor wir sich mein Freund in den randvollen Mini-Läden erfolgreich auf die Suche nach Elektronikteilchen macht.


Die Pasmos haben schon etliches an Guthaben eingebüsst, für Vielfahrer sind Mehrtageskarten viel rentabler. Die Restguthaben sparen wir für Getränke und die JR-Line.


Ganz in der Nähe im Viertel Ochanomizu ist die Musikstrasse, wo sich Instrumentenshops aneinander reihen.


Von hier aus fahren wir zum nächsten Otakuparadies, nach Nakano zum Nakano Bradway. Wir suchen in der mehrstöckigen Mall den 3D-Druck-Shop Tokyo Maker auf dem japanische Floorguide. Im Untergeschoss werden wir schliesslich fündig.


Mandarake ist hier prominet vertreten, wer also auf der Suche nach Animeprodukten ist, wird hier mit Garantie fündig.





Am Hinterausgang entdecken wir eine kleine Ramenbar, ein Automatenrestaurant. Man wählt per Taste das gewünschte Menü aus, bezahlt direkt am Automaten und reicht den ausgedruckten Zettel dem Personal.


Nun sind wir echt froh, dass wir uns auf japanisch zumindest verständigen können und erhalten die köstlichen Suppen tatsächlich wie gewünscht ohne Fleisch, obwohl dies am Automaten nicht zur Auswahl steht.


Schlürfende Sitznachbarn gibts umsonst dazu.




Im benachbarten Daiso 100Yen-Shop kaufen wir einige Kleinigkeiten und finden sogar Kalligraphiezubehör, worüber wir uns sehr freuen. Es lohnt sich echt, diesen Shops einen Besuch abzustatten, man findet immer wieder tolle Artikel zu kleinsten Preisen.


Vor der U-Bahn-Station performt eine Gruppe

junger Männer einen Tanz und sammelt Laufpublikum um sich.


Nun fahren wieder nach Asakusa zum Sanja Matsuri. Die Chance, Teil von diesem Fest zu sein, lassen wir uns nicht entgehen. Heute hat es viel mehr Besucher, Truppen aus 44 Bezirken tragen heute mit Trommeln, Flöten und Rufen ihre Mikoshi (goldene Schreine) durch die Strassen.


Wir kaufen uns ein köstliches Matcha-Eis und beobachten die feiernden Japaner.

Bei jedem Tokyobesuch steht auch das Sonycenter auf dem Programm, heute bleibt es aber für einmal bloss beim Anschauen der neusten Produkte. Ginza steht für teure Läden und Luxus.

Nun meldet sich wieder der Hunger, wir fahren nach Hiroo zum Sushi-Misakimaru. Hier waren wir schon bei den letzten beiden Besuchen, das Sushi ist hervorragend und zu zweit bezahlen wir gerademal CHF 20.00.

 

 

Wir entdecken einen Pakincho-Spielsalon und beschliessen spontan, eine Runde zu spielen. Mithilfe englischer Karten erklärt uns die Angestellte die Regeln und wir suchen uns einen Automaten aus. Ohne es richtig zu schnallen spicken wir Bälle was das Zeug hält und gehen am Ende mit einem verschmerzbaren Verlust von CHF 7.00 und tauben Ohren weiter nach Roppongi.


Auf dem Spaziergang zurück zum Hotel machen wir für heute noch einen letzten Stop.


Open the Park Midtown ist eine temporär eingerichtete Outdoorbar im Park des Tokyo Midtown-Gebäudekomplexes.


Wir beschliessen den warmen Abend mit einem leckeren Hibiki-Highball und freuen uns riesig, wieder in Tokyo zu sein.

Tag 4:


Heute weckt uns die Sonne früh, direkt nach dem Frühstück (Natürlich wieder Fisch und Reis) machen wir uns auf den Weg nach Shinjunku.


Der Bahnhof Shinjunku ist kaum zu beschreiben. Mehr als 3 Millionen Passagiere steigen hier täglich ein und aus, dementsprechend riesig ist das Gelände. Bei den über 200 Ausgängen erwischt man auch leicht den Falschen, also besser nicht hier abmachen oder gar versuchen, einen Anschlusszug zu erwischen.


Wir gehen es jetzt aber auch heute wieder ruhig an, im Shinjuku Koen geniessen wir die Morgensonne und die schöne Umgebung. Der Film Garden of Words ist an diese Szenerie angelehnt.


Tokyu Hands ist eine Nummer für sich, klar dass wir das Kaufhaus besuchen wenn wir schon in der Nähe sind. Auf mehreren Etagen findet man hier so ziemlich alles. Hier entdecken wir unseren neuen Kühlschrankbewohner, den Fridgeezoopinguin. Er meldet sich jeweils, wenn man die Kühlschranktür öffnet. Mal ist es eine schlichte Begrüssungen auf japanisch oder ein kurze Frage, lässt man aber die Tür zu lange offen wird er ungehalten und mahnt zu Eile. Wir können ihn einfach nicht da stehen lassen...so doof, dass es wieder lustig ist irgendwie ;-). Fast auf jeder Etage finden wir Kleinigkeiten, das Kaufhaus ist echt toll.


Auch die benachbarte Kinokunya-Buchhandlung ist einfach grossartig. Wir finden weitere Lehrmittel und eindlich einen guten Dictionary. Schade, dass es noch keine europäischen Filialen gibt.


Das Wetter ist super und die Sicht gut, weshalb wir spontan den um die Ecke ligenden kostenlosen North Tower des Government Buildings besuchen. Den Fuji sieht man aber leider nicht.


Dafür gibt es als Mittagessen Reis mit Curry mit Blick auf den Skytree und den Tokyo Tower.

Am Sonntagnachmittag fährt man zum Yoyogi-Park, so liest man das in vielen Reiseführern. Wir waren sonntags bisher nie da, das holen wir jetzt nach. Tatsächlich gibt es hier in Harajuku fast kein Durchkommen, die Gegend platzt aus allen Nähten. Die Jugendlichen bretzeln sich auf und zwei Rock'n'Roll-Gangs konkurrenzieren sich tanzend mit laut aufgedrehter Musik.

In der Taskeshita Dori ist es genau so voll, das lassen wir heute lieber. Stattdessen schlängeln wir uns der Ometosando Road entlang zum Oriental Bazaar und kaufen Geschirr.

 

Die Bahnhöfe sind in Japan häufig auch gute Adressen zum Essen und shoppen. Wir fahren deshalb zur riesigen Tokyo Station zum Nachtessen. Wir schlendern durch die Kitchen Street und entscheiden uns wieder für Sushi. Auch hier schmeckt es hervorragend, dazu gönnen wir uns einen leckeren Yamazaki.

 

Die Shops suchen wir eine ganze Weile und erinnern uns nur zu gut an unsere Irrläufe hier vor fünf Jahren. Den gesuchten Matchabaumkuchen finden wir hier leider nicht, dafür eine kleine Version im FamilyMart direkt bei unserem Hotel. Den lassen wir uns nun so richtig schmecken...

Tag 5:


Unser Abenteuer Städtetrip nach Tokyo neigt sich dem Ende zu und wir machen uns früh auf den Weg nach Ueno. Für die Rückfahrt zum Narita International Airport wählen wir heute den Keisei Skyliner.

Gepäck haben wir kaum, was sehr angenehm ist. Die Wege innerhalb der Bahnhöfen sind sehr lang und treppenreich. Grosse Koffer können da echt mühsam werden.

Die Wege findet man in der Regel aber gut, eine grosse Hilfe dabei sind die gelben Tafeln. Sehenswürdigkeiten werden dem nächstgelegenen Ausgang zugeordnet.


Neu eröffnet wurde hier in Narita das Kabuki-Gate, wo es Kostüme zu besichtigen und Souvenirs zu kaufen gibt. Wir investieren die restlichen Yen in die obligate Ladung Kitkat und gönnen uns ein Matchaeis. Den Löffel dazu suchen wir vergebens...kleckernd warten wir auf das Boarding.


Sayonara Japan, bis zum nächsten Mal!


Für so kurze Zeit soweit fliegen? Das lohnt sich doch nicht!? Ihr spinnt doch...


Ja, vielleicht sind wir verrückte Spinner. Und wenn schon? Für uns hat es sich zu 100% gelohnt. Wir hatten absolut grandiose 3 Tage in Tokyo. Wir kennen die Stadt, waren vorher schon 3 Mal da und brauchen deshalb auch keine Anlaufzeit um einzutauchen.


Die Flugzeit ist und bleibt 12 Stunden, daran kann man leider nichts ändern. Wenn der Wunsch nach Japan zu fliegen aber gross ist, nehmen wird das dafür gerne in Kauf. Insbesondere wenn der Flugpreis so sagenhaft günstig ist. Wir sagen DANKE Swiss, dass ihr uns mit dem Special überrascht habt und die spontanen Tage in Japan ermöglicht habt! Domo Arigatou gozaimasu!

Mata ne...