Reisebericht Japan März/April 2012

Tag 1: Zurück nach Japan!

 

Vor ziemlich genau zwei Jahren sind wir losgezogen, um Japan zu entdecken. Die Schönheiten dieses faszinierenden Landes haben uns verzaubert und für uns war klar, dass wir bald zurückkehren werden. Dass es so schnell sein würde, war für uns dann allerdings doch etwas überraschend. Über diese Internetseite lernen wir eine Angestellte der deutschen Botschaft in Tokyo kennen, mit der wir laufend Kontakt halten. Sie lebt zentral in Tokyo und lädt uns spontan ein, sie zu besuchen. Natürlich lassen wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen und buchen kurzentschlossen unsere Flüge für den Frühling 2012.

 

Mit zwei Rucksäcken bepackt, machen wir uns am 30. März 2012 auf den Weg zum Flughafen Zürich.

Im Starbucks geniessen wir einen Chai Tea Latte aus den neuen Tassen, bevor wir uns zum Abfluggate begeben. Leider wird nichts aus einem pünktlichen Abflug, Anschlusspassagiere sind noch nicht eingetroffen. Als schlussendlich doch noch alle ihren Sitzplatz gefunden haben, ist aufgrund des hohen Flugaufkommens kein Zugkran verfügbar. Mit über 40 Minuten Verspätung heben wir schliesslich ab.

 

Mein Entertainment System will nicht so richtig funktionieren, es braucht ein Resetting, bevor auch ich in den Genuss der tollen Filmauswahl komme.

Tag 2: Vom Winde verweht

 

Mittlerweile haben wir die Datumsgrenze überschritten und sind am dösen, als wir durch ein kräftiges Schütteln aufgeschreckt werden. Wir befinden uns über dem japanischen Meer und sind in einen heftigen Jetstream gelangt. Was nun folgt, ist nichts für schwache Nerven und Lost-Fans. Unter Flugangst leide ich nicht, aber einen empfindlich nervösen Magen kann ich definitiv vorweisen. Jetzt hilft nichts mehr...eine gefühlte Ewigkeit lang Augen zu und durch! Die Turbulenzen sind unerträglich heftig und dauern an bis Narita. Auf das angebotene Frühstück verzichten wir dankend.

 

Als wir nach fast 12 Stunden sicher landen, fällt jedem der Passagiere ein Stein vom Herzen. Dies war definitiv der mit Abstand schlimmste Flug meines bisherigen Lebens!

Mit flauem Magen stehen wir am Immigrationsschalter und können es kaum sehnlichster erwarten, endlich frische Luft zu erhaschen. Immerhin sind die Japaner speditiv, nach einer Viertelstunde stehen wir bereits in der Ankunftshalle. Am Schalter der JR (Japan Rail) ist die Schlange beträchtlich, jeder Neuankömmling will seinen Japan Rail-Pass abholen. Geduldig stellen wir uns an und kommen ins Gespräch mit zwei deutschen Frauen, die Japan zum ersten Mal besuchen.

 

Der Narita Express bringt uns ins Zentrum von Tokyo, am späten Vormittag erreichen wir unsere Zieldestination Hiroo.

Unsere Bekannte holt uns an der U-Bahn-Station ab und wir gehen zu Fuss den kurzen Weg zu Ihrer Wohnung. Dort treffen wir auf zwei Freunde aus Los Angeles von ihr, deren Rückreise steht heute an. Wir quartieren uns ein, bewaffnen uns mit dem Tokyo Metro Map, laden unsere Karten auf und ziehen dann alle gemeinsam los in Richtung Roppongi zum Lunch. In einem kleinen japanischen Restaurant gibts die erste leckere Suppe, Nudeln mit Gemüse und Grüntee.

 

Das Wetter spielt leider nicht mit, es scheint als hätten wir den Sturm mitgebracht. Direkt um die Ecke liegt der riesige Roppongi Hills-Komplex, also suchen wir erstmal da Schutz vor Wind und Regen. Im Starbucks gibts Matcha-Frappuccino. Wie haben wir es vermisst!!

Tokyo Metro Map
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Wenige Meter weiter treffen wir diesen grossen Pappaufsteller und eine lange Warteschlange an. Unzählige Japaner stellen sich brav an, um ein Foto mit dem Kartonmännchen zu ergattern. Es handelt sich um die Hauptfigur der uns bis dato völlig unbekannten erfolgreichsten Mangaserie aller Zeiten, One Piece.

 

Die beiden aus Los Angeles müssen sich nun so langsam verabschieden, um rechtzeitig am Flughafen einzutreffen. Wettermässig ist absolut keine Besserung in Sicht, das Programm beschränkt sich deshalb weiterhin auf Indoor-Aktivitäten. Zu dritt fahren wir bis zur Metro-Station Toyosu und statten der grossen LaLaport-Mall einen Besuch ab.

In diesem Shoppingcenter am Tokyo Bay kaufen vor allem die Japaner ein, Touristen findet man kaum. Bis auf coole Teetassen im Sushi-Design beschränken wir uns aufs Schauen. Die bunten Shops mit den verrückten Waren sind ein echtes Erlebnis. In einem Krims Krams-Store finden wir neben zahlreichen lustigen Handyhüllen auch Moomin-Figuren und Tassen, und sogar Notizbücher mit einem Foto des unlustigsten Österreichers der Geschichte als Cover. Dass sowas erlaubt ist? Wir wundern uns und ziehen weiter.

 

Wir treffen auch hier auf eine lange Warteschlange. In dieser Mall stellen sich die Kinder um mehrere Blocks an, um im Kinderparadies spielen zu dürfen. Kein Geschrei, kein Gemecker, kein Rumspringen, geduldig und still warten die kleinen Japaner bis sie endlich an der Reihe sind.

In der LaLaport-Mall befinden sich neben den vielen Shops auch ein Multiplex-Kino und zahlreiche Restaurants.

 

Der Hunger meldet sich langsam wieder, so beschliessen wir bei Bubba Gump einen Snackstop einzulegen. Wir kennen die Kette aus den USA, haben aber noch nie da gegessen. Solange man das Schild auf dem Tisch nicht von "Run Forrest Run" auf "Stop Forrest Stop" umdreht, wird keine Bedienung die Bestellung aufnehmen. Das ganze Konzept dreht sich um den Film Forrest Gump aus dem Jahre 1994. Das Essen ist lecker, die Aussicht wäre ebenfalls toll, leider sieht Tokyo Bay bei strömendem Regen nicht ganz so einladend aus.

 

Inzwischen haben wir es hier auch gesehen, Akihabara heisst unsere nächste Destination. In der Electric Town geben wir uns die volle Lärmdröhnung. Da ich mit einer neuen Kompaktkamera liebäugle, schauen wir uns im neunstöckigen Elektronikmarkt Yodobashi auf der entsprechenden Etage um. Die Aktion kommt allerdings einer Stecknadelsuche im Heuhaufen gleich. Wir geben auf und suchen in der 6. Etage (Games und Toys) nach einem speziellen Roboter. Leider ist er auch in Japan ausverkauft und wir können unserem Kollegen keine Freude mit dem Mitbringsel bereiten.

 

 

Den Musikladen LaOx Musicvox kennen wir von unserem letzten Besuch in Japan. Er bietet auf mehreren Stockwerken eine grosse Auswahl an Musikinstrumenten und Zubehör an. Mein Freund schaut sich etwas um, beschliesst aber, an einem anderen Tag nochmal vertiefter durch die Abteilungen zu streifen.

 

Wenn man seit mittlerweile 28 Stunden wach ist, einen 12-stündigen Flug in den Knochen hat und vom Regen tropfnass ist, kommt irgendwann unweigerlich der Zeitpunkt, wo man sich am liebsten auf der Stelle hinlegen würde. Genau das ist bei mir jetzt der Fall.

 

In der Nähe unseres Urlaubdomizils gibt es ein gutes Sushi-Restaurant. Wir bestellen uns eine ordentliche Portion zum mitnehmen und verzehren diese gemütlich zu Hause.

Nach dem Teller Sushi und einer heissen Dusche fühle ich mich wieder etwas fitter. Bei einer leckeren Tasse Matcha Latte diskutieren wir die Route für den Folgetag.

 

Unser ursprünglicher Plan war es, frühmorgens nach Jigokudani zum Affenpark zu fahren. Wenn man Glück hat, kann man die Makaken beim Baden im Onsen beobachten. Die Wetterprognosen sind aber leider katastrophal. Für heftige Schneestürme und Minustemparaturen sind wir nicht ausgerüstet. Wir sind mit unseren Japan Rail-Pässen glücklicherweise flexibel und entscheiden uns alternativ für den Affenberg in Arashyiama oberhalb von Kyoto. 

 


Tag 3: Arashiyama und Matsumoto

 

Mit neuer Energie machen wir uns frühmorgens auf den Weg nach Kyoto. Wir decken uns mit Matcha Latte und Riegel ein und suchen einen freien Platz im Shinkansen.

 

Heute ist es sonnig und klar, die heftigen Winde haben wohl sämtliche Wolken weggepustet. Mt. Fuji zeigt sich uns auf jeden Fall von seiner besten Seiten, worüber wir uns natürlich sehr freuen.

 

Die Zeit im Zug nutzen wir für die weitere Reise- und Routenplanung.

 

 

In Kyoto steigen wir direkt um auf die JR Sagano Line, wir fahren bis nach Sagaarashiyama. Die kleine Stadt oberhalb von Kyoto verkörpert das typische Japan, welches wir vor zwei Jahren so lieben gelernt haben. Kleine Häuschen, Restaurants und Shops mit Leckereien und Handarbeiten säumen die Strassen, unzählige Pflanzen und Bäume sorgen für den speziellen Charme. Wir geniessen den Spaziergang bis zur berühmten Togetsukyo-Brücke.

 

Zusammen mit vielen Sonntagsausflüglern überqueren wir den Fluss Oi um zum Arashiyama Monkey Park Iwatayama zu gelangen.

Am Automaten ziehen wir ein Eintrittsticket, schnappen uns einen Parkübersichtsplan und machen uns auf den Weg. Schon nach der ersten Kurve wird klar, dass es kein Sonntagsspaziergang wird. Die Treppe ist bloss der Anfang. Stufe für Stufe erklimmen wir den Affenberg. An der nächsten Kreuzung wird es richtig steil und matschig, auch in Kyoto hat gestern das Unwetter getobt. Wir geben nicht auf und erreichen schliesslich die letzten Treppenstufen zum Aussichtspunkt.

 

Auf den obersten Tritten haben es sich zwei Affen bequem gemacht. Es ist schwer zu sagen, worüber wir uns mehr freuen: Endlich Makaken zu sehen oder einige Minuten ausruhen zu können.

 

Der Ankunftszeitpunkt ist perfekt, um 10.30 ist Fütterungszeit. Aus allen Winkeln strömen die Affen auf die Aussichtsplattform und bieten uns optimale Fotobedingungen über den Dächern von Kyoto.

 

Wir geniessen die tolle Aussicht, das gute Wetter und erfreuen uns an den zahlreichen Affen.

 

Der Abstieg fällt bekanntlich leichter, beschwingt und motiviert machen wir uns auf den Weg zum Tenryuji Zen-Tempel. Eine grosse Besichtigungstour wollen wir nicht machen, dafür einige Blicke auf den Garten erhaschen. Die Kirschblüten sind hier noch nicht ganz offen, die Höhe und das kalte Wetter der letzten Tage sind dafür verantwortlich. Wir gehen direkt weiter zum Bambuswald.

 

Unterwegs finden wir einige sehenswerte Häuschen und Vorgärten.

Wir folgen den Menschenmassen und werden so automatisch zum berühmten Bamboo Forest gelotst. Wir spazieren durch den kleinen Wald und schauen an den riesigen Bambushainen hoch. Es ist schon sehr beeindruckend, wie hoch und stabil Bambus unter optimalen Bedingungen wachsen kann.

 

Im Bambuswald treffen wir auf den Nonomyia Shrine mit seinem wunderschönen Moosgarten.

 

Auf dem Rückweg zur Bahnstation kaufen wir uns ein leckeres Matcha-Soft-Ice. Unterwegs begegnen wir doch noch einzelnen blühenden Kirschbäumen.

An der Kyoto Station lassen wir uns von netten Damen bereitwillig verköstigen. Unterschiedlichste japanische Süssigkeiten werden uns zum degustieren angeboten, wir sagen natürlich nicht nein. Schlussendlich entscheiden wir uns für Onigiri, Traubenfanta, kalten Jasmintee, Matcha-KitKat und Reiscracker. Auf unserer Japanreise 2010 haben wir in Kyoto die Sehenswürdigkeiten besucht, deshalb fahren wir jetzt direkt weiter. Unser nächstes Ziel heisst Matsumoto. Im Shinkansen nach Nagoya machen wir es wie die Japaner, wir stillen unseren Hunger mit den gekauften Snacks.

Ab Nagoya bringt uns der Limited Express Shinano in 2 Stunden direkt bis nach Matsumoto. Die Sitze sind auch in diesem Zug äussert bequem, so nutze ich die erste Stunde unserer Zugfahrt für ein kurzes Nickerchen. Die Zeitverschiebung und die körperliche Aktivität lassen mich herrlich schlafen. Als ich aufwache, befinden wir uns im japanischen Hinterland und die Aussicht ist gigantisch. Ähnlich dem Verzascatal in der Schweiz, schlängelt sich ein klarer Bergfluss um zahlreiche grosse Felsbrocken und Steine.

Kurz vor Matsumoto werden wir etwas nervös, wir finden uns plötzlich in einem Schneegestöber wieder. Für so kaltes Wetter sind wir bekanntlich nicht angezogen. Ich binde mir schon mal vorsorglich mein Halstuch um und hoffe auf besseres Wetter. Und tatsächlich haben wir Glück, Matsumoto begrüsst uns mit strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel.

 

Wir spazieren direkt zur wohl schönsten Burg Japans und werden nicht enttäuscht. Die beeindruckende schwarze "Krähenburg" Matsumotojo ist ein Teil des Nationalschatzes von Japan.

 

Ein hilfsbereiter Japaner will uns detaillierte Informationen zur Burg liefern und fragt uns, woher wir kommen. Als wir ihm die Schweiz als unser Herkunftsland nennen, freut er sich sehr. Matsumoto ist nämlich die Partnerstadt von Grindelwald!

Als wir vor einer grossen Gärtnerei stehen nutze ich die Gelegenheit, einige Edamame-Seeds zu kaufen. Mein letzter Versuch damit ist zwar kläglich gescheitert, trotzdem will ich es noch einmal ausprobieren, die leckeren Sojabohnen in meinem Garten selbst zu ziehen.

 

Die Stadt ist sehr sehenswert und lädt zum verweilen ein. Ob es am wunderschönen Wetter liegt? Wir geniessen den Sonntagnachmittag auf jeden Fall in vollen Zügen und erfreuen uns an den vereinzelt blühenden Kirschbäumen.

 

An der Bahnstation kaufen wir uns bei Starbucks heute schon den zweiten Matcha Latte, und mit neuen KitKat-Sorten (Blueberry Cheesecake) decken wir uns ebenfalls noch ein. Bisher gab es in Japan bereits über 80 exotische Varianten als Sondereditionen.

 

 

Äusserst zufrieden mit dem bisherigen Tag treten wir die Rückreise nach Tokyo an. Der Shinkansen bringt uns in 2.5 Stunden direkt zur Shinjuku-Station. Unterwegs sehen wir den Mt. Fuji noch einige Male, einen wunderschönen Sonnenuntergang können wir ebenfalls geniessen. Beim Umsteigen in Shinjuku stellen wir fest, dass die Metro in Tokyo sogar am Sonntagabend hoffnungslos überfüllt ist. Wir quetschen uns in den Wagen und freuen uns auf eine ordentliche Portion Sushi zum Nachtessen.

 

In Hiroo ist es in der Zwischenzeit stockfinster geworden. Wir erwischen den falschen Metroausgang und sind erstmal etwas orientierungslos. Nach einigen Umwegen finden wir doch zum Ziel.

 

Was für ein schöner Tag!

Tag 4: I'm in Tokyo.....

 

Den heutigen Tag gehen wir gemütlich an. Unsere Gastgeberin hat sich für uns den Tag frei genommen und will mit uns Tokyo unsicher machen. Sie hat für uns viele Leckereien eingekauft, also frühstücken wir so richtig ausgiebig. Auch Garfield und Mio kriegen etwas davon ab.

 

In der Nacht gab es ein Erdbeben, wir haben davon allerdings gar nichts mitgekriegt. Wir werden über die Funktion "Erdbebenwarnung" unseres Iphones aufgeklärt.

Gestärkt machen wir uns auf den Weg zum Tokyo Metropolitan Government Building. Die Zwillingstürme bieten eine kostenlose Aussichtsplattform. Selbstverständlich nutzen wir die Gelegenheit und fahren mit den ruhigen, angenehmen Fahrstühlen sowohl auf den North wie auch auf den South Tower. Mein Kreislauf kommt heute damit gut klar. Was mir allerdings etwas zu Denken gibt ist, dass die letzten Zwillingstürme, die ich besucht habe, danach nur noch gerade 5 Monate standen. Die Sicherheitsvorkehrungen hier sind minimal.

Im Shinjuku-Quartier werde ich direkt wieder an New York erinnert. Die bekannte LOVE-Skulptur von Robert Indiana hat auch hier einen Platz gefunden.

 

Wir spazieren durch das Hochhausviertel und passieren dabei auf dem Weg zur U-Bahn-Station unter anderem den Cocoon Tower.

 

In der Metro nach Ueno findet uns ein Passagier wohl äusserst interessant. Mit seiner Kamera schiesst er - wie er fälschlicherweise glaubt - unauffällig mehrere Fotos von uns.

Im Stadtteil Ueno treffen wir wunderschön blühende Kirschbäume an. Eine grosse Menschenmenge hat sich um die Bäume versammelt und knipst Bilder was das Zeug hält. Das Ueno Cherry Blossom-Festival ist eröffnet, die Festivitäten zur Sakura beginnen. Wir freuen uns riesig, Japan zur Kirschblüte erleben zu dürfen ist ein sehr besonderes Privileg.

 

Selbst für die Japaner ist die Sakura ein alljährliches Highlight. Sie feiern und zelebrieren die kurze Zeit mit unzähligen Aktionen und Spezialprodukten, so zum Beispiel Cherry Blossom-Donuts, Dekorationsmaterial, Schmuck, Sakura-Schokolade...

Am liebsten würde ich stundenlang stehenbleiben und die wunderschönen Bäume geniessen.

 

Unterwegs merken wir, dass die Japaner neben den Kirschblüten noch eine zweite Leidenschaft haben: Pandabären!

 

Wir kommen an einem kleinen Flohmarkt vorbei und halten Ausschau nach interessanten Kleinigkeiten. Fündig werden wir nicht, also spazieren weiter dem Wasser im Ueno Park entlang. Leider sind die Kirschbäume hier noch nicht in voller Blüte, so dass die Farbenpracht noch etwas spärlich ausfällt. Wir wollen gegen Ende der Woche zurückkommen.

Durch den grossen Park treten wir den Rückweg zur Bahnstation an, der Magen knurrt. Die angebotenen Speisen am Cherry Blossom-Festival reichen von aufgespiessten Fischen über Hello Kitty-Gebäck zu Tintenfischen. Wir ziehen das Hardrock Café vor. Ich kaufe mir den süssen Panda-Sakura 2012-Sonderpin als Andenken.

 

Mit vollen Bäuchen gehen wir zurück in den Ueno Park, jetz wollen wir Shin Shin und Ri Ri besuchen.

Seitdem im Februar 2011 die beiden Pandas Shin Shin und Ri Ri von China nach Tokyo in den Ueno Zoo umgezogen sind, sind die Japaner total verrückt nach Pandabären. Natürlich wollen wir die beiden ebenfalls sehen und finden uns in einer riesigen Schlange wieder. Ein netter Zoowärter lässt uns vor, so dass wir kurz darauf bereits beste Blicke auf die beiden drolligen Bären erhaschen können.

 

Die anderen Tiere schauen wir uns nur zum Teil an. Zum einen haben wir zu Hause mit dem Zoo Basel und dem Zürcher Zoo zwei Paradebeispiele, zum anderen ist der Zoo extrem gut besucht.

 

Im Ueno Park vor dem Zooeingang entdecken wir zwei Katzen auf einem Kirschbaum. Erst auf den zweiten Blick wird uns klar, dass die beiden als Fotomotiv wohl die nächsten Tage hier ausharren müssen.

 

It's all about Pandas:

Neben den beiden süssen Pandas gibt es in Tokyo seit unserem letzten Besuch noch eine zweite Neuigkeit, den Sky Tree. Eine gute Sicht hat man am Fluss in Asakusa, was sich ganz gut mit unserem Vorhaben trifft, den Schrein ein zweites Mal zu besuchen. Jetzt finden wir auch den Weg ganz leicht. Auch hier sind alle im Sakurafieber, zahlreiche Plastikbäumchen schmücken den Weg zum Riesenlampion.

 

Wir geniessen den tollen Garten ein zweites Mal, bestaunen die riesigen Kois in der Hoffnung, dass unsere eigenen zu Hause nicht ganz so gross werden und machen uns in den kleinen Handwerkerläden auf die Suche nach Noren. Leider finden wir keine passenden für unser Haus.

Zu Fuss pilgern wir zum Sumida Fluss um einen guten Blick auf den neuerbauten Sky Tree zu erhaschen. Zur Eröffnung schaffen wir es nicht mehr, die grosse Feier findet erst am 22. Mai 2012 statt. Mit seinen 634 Metern ist er weltweit der höchste Fernsehturm und nach dem Burj Khalifa in Dubai das zweithöchste freistehende Gebäude überhaupt.

 

Der Fluss wird gesäumt von vielen Kirschbäumen, auch hier sind die Blüten bereits geöffnet.

 

Nun wollen wir weiter nach Odaiba. Im Venus Fort gibt es eine Kopie der US-Kette Cheesecake Factory, den japanischen Cheesecake wollen wir jetzt ausprobieren.

Mit der Yurikamome-Bahn fahren wir über die berühmte Rainbow-Bridge nach Odaiba. Vom Zug aus sehen wir den riesigen 18m-Roboter Gundam vor dem Diver City Tokyo Plaza.

 

Schliesslich spazieren wir durch die schöne Venus Fort-Mall und suchen unsere langersehnte Nachspeise. Wir werden fündig und geniessen ein Stück Strawberry und ein Stück Cookie Crunch-Cheesecake. Mit dem Original kann das Gebäck nicht mithalten, lecker ist es aber allemal. Auffallend ist auch, dass die Portionen auf Japaner zugeschnitten sind. In den USA schaffen wir zu zweit ein ganzes Stück nicht, hier verputzen wir die beiden Stücke locker.

 

In einem Süssigkeitenladen finden wir neue KitKat-Sorten, unter anderem die Wasabi-Edition.

Als wir die Mall verlassen, ist es bereits am dämmern. Wir beeilen uns, um am Tokyo Bay den wunderschönen Sonnenuntergang miterleben zu können. Es ist hier herrlich ruhig, der Grossstadtrummel und -lärm bleibt fern. Wir kosten den tollen Moment aus bis der letzte Sonnenstrahl hinter den Wolkenkratzern verschwunden ist, bevor wir uns auf den Rückweg machen.

 

Natürlich holen wir auch heute wieder einige Sushis und geniessen diese gemütlich zu Hause. Den Tag beschliessen wir mit einem DVD-Abend und leckerem Grüntee-Eis von Häagen Dasz.

Tag 5: Hase, Kita-Kamakura und eine ordentliche Ladung Wasser

 

Heute wollen wir einen Ausflug zum Great Buddha (Daibatsu) in Hase machen. Wiederum sehr früh nehmen wir den Zug nach Kamakura. Nach einer guten Stunde steigen wir um in die Enode-Bahn. Die antiken Zugwaggons fahren eingleisig direkt an Gärten und Häusern vorbei. In Hase haben wir unser Ziel vorerst erreicht, wir spazieren den Wegweisern nach zum 13.4m hohen Buddha aus Bronze.

 

Die Gegend um Kamakura liegt direkt am Meer, also nutzen wir die Gelegenheit um den Strand zu besuchen. Die Ernüchterung folgt sogleich, der Strand ist alles andere als einladend. Hohe Wellen, starker Fischgeruch und dunkler Sand passen nicht ins Bild eines Traumstrandes.

 

 

Mit dem antiken Zug fahren wir zurück bis Kita-Kamakura, hier gibt es zahlreiche Tempel zu besichtigen. Kaum ausgestiegen, erreicht uns die Nachricht aus Tokyo, dass ein schwerer Orkan zu erwarten sei und bald keine Züge mehr verkehren werden. Na super...nun heisst es, sich kurzerhand für einen Tempel zu entscheiden und dann möglichst rasch die Rückreise nach Tokyo anzutreten. Unsere Wahl fällt auf den Shokozan-Tokeiji Temple, er ist auf der Touristenkarte von unzähligen Cherry Blossoms umringt, das gefällt uns. Tatsächlich steht er inmitten zahlreicher Kirschbäume. Er ist auch unter dem Namen Scheidungstempel bekannt, denn hierhin flüchteten Frauen, als Scheidungen noch den Männern vorbehalten waren. Hatte eine Frau drei Jahre hier gelebt, galt sie praktisch als geschieden

Je mehr wir uns Tokyo nähern, desto dunkler werden die Wolken am Himmel. Wir sind vorerst froh, dass der Zug uns noch zurück in die 35Millionen-Stadt bringt und beschliessen, direkt bis Roppongi zu fahren um im Pintokona leckeres Sushi zu geniessen. Wir passen die Planung für den restlichen Tag dem Wetter an und stellen auf Indoor-Aktivitäten um.

 

Im Supermarkt im Roppongi Hills-Tower suchen wir nach Matcha-Grünteepulver, leider ist alles ausverkauft.

Im Yasukuni/Yushukan War Museum schauen wir uns alte Kriegsflugzeuge und -waffen der japanischen Geschichte an. Der Yasukuni Shrine gedenkt der Kriegstoten, das Museum illustriert detailliert die Kriegsgeschichte Japans. Ein Teil der Ausstellung ist auch den Kamikaze-Piloten gewidmet.

 

Als wir das Museum verlassen, giesst es aus Kübeln. Die Gegend um den Shrine ist mit wunderschön blühenden Kirschbäumen bepflanzt, allerdings wirken jetzt selbst diese trostlos. Wir kaufen uns einen Schirm und beeilen uns, um bald Schutz in der trockenen U-Bahn-Station zu finden.

Innerhalb der Station Ichigaya entdecken wir ein Schild, das uns anzeigt, dass es bis zum Gleis ab hier noch 500m sind. Das ist keine Seltenheit hier in Japan. Wenn man sich am Ziel wähnt, können es gut und gerne noch mehrere hundert weitere Meter sein. Jetzt sind wir allerdings froh, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben und marschieren tapfer weiter.

 

Wir fahren zum Tokyo Dome. Im Moomin Bakery & Cafe wollen wir uns mit einem finnischen Punsch aufwärmen und die süssen nilpferdartigen Trollwesen begutachten. Viele Touristen finden den Weg hierhin wohl nicht, die Karten und das Personal sprechen ausschliesslich japanisch. Eine Kundin am Nebentisch hilft uns netterweise aus. Merkwürdig, ich kenne mindestens zwei Leute, für die dieses Cafe ebenfalls einen Pflichtbesuch darstellen würde :-).

Gemächlich schlendern wir durch die Etagen den Shops entlang. Im Supermarkt kaufen wir für das Frühstück der kommenden Tage ein und finden neben zahlreichen Schweizer Produkten auch endlich das gesuchte Matchapulver. Wir kaufen gleich 2 Packungen und eine kleine Dose dazu.

 

Den Hunger stillen wir in der zweiten Tokyoter Filiale von Bubba Gump, es gibt einen leckeren Salat, Shrimp-Noodles und Burger.

 

Trotzt des tobenden Gewitters ist uns noch nicht nach Feierabend zu Mute. Unsere Rückfahrt führt über die Station Ginza, was uns dazu bewegt, einen Zwischenstop im Sony Building einzulegen. Leider werden wir enttäuscht, aufgrund des Unwetters bleibt bis auf Weiteres alles geschlossen. Jetzt erkennen auch wir den Ernst der Lage, also machen wir uns auf den Weg nach Hause. Tropfnass springen wir unter die heisse Dusche und verbringen den Abend erneut auf dem Sofa mit einer DVD und Eis. Dem Internet entnehmen wir, dass es der stärkste Sturm seit 1959 ist, die meisten Flüge für heute gestrichen worden sind und einige Metrolinien nicht mehr verkehren. Schwein gehabt!

Tag 6: Tokyo zu Fuss und aus der Vogelperspektive

 

Die aprupten Wetterveränderungen hier in Japan sind auffallend. Heute lacht uns die Sonne bereits kurz nach 5.00 direkt ins Zimmer, so dass wir hellwach sind und kurz darauf aufstehen. Vom gestrigen Sturm ist nichts mehr in Sicht. Mit der Metro fahren wir nach Hibyia, wir wollen nach Kirschblüten beim Imperial Palace Ausschau halten. Bis wir endlich den Ausgang erreichen, müssen wir wieder unendlich viele Treppenstufen erklimmen. Japan ist das reinste Trainings Camp! Die Brücke bietet zwar eine tolle Kulisse, von Blüten ist aber hier weit und breit nichts zu sehen.

Das Gelände haben wir bei unserem letzten Besuch erkundet, darauf verzichten wir jetzt.

 

Auf der gegenüberliegenden Strassenseite liegt der Hibyia Park, die schöne Anlage lädt zum verweilen ein. Hier treffen wir blühende Bäume, einen schönen Teich und Japaner beim Morgensport an.

 

Aufgrund des hervorragenden Wetters beschliessen wir, vorläufig auf die Metro zu verzichten. Wir machen uns zu Fuss auf den Weg zum Tokyo Tower.

Wir geniessen es, die riesigen Städen von allen Perspektiven zu entdecken, Fussmärsche sind somit immer ein wichtiger Bestandteil unserer Reisen. Für Tokyo haben wir ca. zwei Wochen vorher angefangen, unser Spazierpensum zu intensivieren. Füsse und Beine halten bisher erfreulicherweise gut mit.

 

Unser Marsch zum Tokyo Tower führt uns an Kirschblüten-Alleen und dem Sitz der Kikkoman Corporation vorbei.

Kurz vor 9.00 erreichen wir den Tokyo Tower, von einem Massenandrang ist nichts zu sehen. Kein Wunder, im Moment ist die Aussichtsplattform noch geschlossen. Vor zwei Jahren sind wir nicht hochgefahren, jetzt will es mein Freund aber unbedingt. Geduldig warten wir vor dem Ticketschalter die 10 Minuten bis zur Öffnung ab. Die Fahrt im Aufzug ist schon ein Erlebnis der besonderen Art, man sieht durch die Glastüren die Aussenwelt vorbeiziehen. Fast alleine geniessen wir den gigantischen Ausblick auf der Plattform Main Observatory, sogar den Mt. Fuji kann man erkennen.

 

Nichts für schwache Nerven sind die Glaselemente im Fussboden. Man kann direkt die 150m in die Tiefe blicken. Wuuaaahh.....

 

 

Das nächste Observatory ist nicht weit...Wir marschieren zum Roppongi Hills Mori Tower und wollen uns auch den bekannten Tokyo City View noch zu Gemüte führen. Wir finden uns in einer gigantischen Warteschlange wieder und wissen nicht so recht, wie uns geschieht. Irgendwann merken wir, dass die Schlange für den zweiten Ticketschalter ist, nämlich die One Piece-Sonderausstellung. Erleichtert ziehen wir vorbei und steigen in den Lift. Die Aussicht ist hier ebenfalls super, den Mt. Fuji sieht man bestens.

 

 

Von allen Aussichtspunkten würde ich den Tokyo Tower wegen dem besonderen Erlebnis sowie die beiden kostenlosen Tower des Tokyo Metropolitan Government Buildings empfehlen.

 

Ein kleiner Snack kann nun nicht schaden, bei Bagel & Bagel gönnen wir uns ein sehr leckeres zweites Frühstück.

 

Auf dem Foto sieht man die 10m hohe Spinne von Lousie Bourgeois, welche den Roppongi Hills-Komplex schmückt.

Nun nehmen wir einen weiteren Anlauf, das Sony Building zu besuchen. Jetzt haben wir Glück, die Showrooms sind geöffnet. Es macht riesigen Spass, sich die neusten Produkte erklären und vorführen zu lassen. Aktuell ist ein Sakura Park eingerichtet worden, um die Produkte ansprechend zu präsentieren. Die tollen Fernseher, Kameras, Pads...am liebsten möchte man alles mitnehmen.

 

Als ich die nagelneue Sony Cybershot TX66 mit eingravierten Cherry Blossoms und Mt. Fuji sehe, gibt es keine Zweifel mehr. Sorry Nikon Coolpix, aber du hast jetzt defintiv ausgedient.

 

Wie eine Schneekönigin freue ich mich über das neue Spielzeug und kann es kaum erwarten, die zahlreichen Funktionen auszuprobieren.

 

Einige Schnappschüsse auf dem Weg zum Musikinstrumentenviertel in Akihabara:

Dem Kanda River entlang marschieren wir zu den zahlreichen Musikläden im Akihabara-Viertel. Unterwegs treffen wir auf einen kleinen Shop, der unser Interesse weckt. Im Schaufenster sind Samurairüstungen ausgestellt. Neugierig treten wir näher und werden prompt herein gegeben. Der Samurai Store präsentiert und verkauft aufwändig fabrizierte Rüstungen und Lederklamotten. Lustigerweise wird uns eine superteure Lederjacke mit den Argumenten angepriesen, dass das Leder aus Italien sei und der Reissverschluss aus der Schweiz. Damit kann man uns nicht ködern in Japan.

Nun haben wir unser Ziel erreicht. Genausogut könnte es sich um die W 48th St. in New York handeln, ein Musikgeschäft folgt dem nächsten. Während mein Freund durch die Etagen pirscht, vertreibe ich mir die Zeit mit der Live-DVD der Foo Fighters. Plakate weisen uns darauf hin, dass in zwei Wochen Extreme mehrere Konzerte im Tokyo Dome spielen. Da sind wir leider zu früh dran. Diese Woche ist Lenny Kravitz vor Ort, sämtliche Konzerte sind aber bereits ausverkauft.

 

Eine kurze Pause kann nicht schaden, in einem Café setzen wir uns einige Minuten hin und bestellen das wohl kurioseste, was auf der Karte zu finden ist: einen Pizzadog. Wir teilen uns das gute Stück und sind uns rasch einig, mehr als die Hälfte davon möchte man von dem mit Käse und Paprika überbackenen Würstchen im Brot auch gar nicht essen.

 

 

Bei Yodobashi kehren wir nochmal in die 6. Etage zurück, wir suchen nun nach einem Ersatzroboter. Gundamexemplare findet man da zu Hunderten, also entscheiden wir uns für ein kleines transportierbares Modell nach dem Zufallsprinzip. Eine Etage tiefer bieten uns zwei junge japanische Herren Trinkwasser von der Fuji-Region an, wir nehmen das Angebot dankend an. Meinem Freund attestieren sie ein "nice Face" ;-). Dieser hat es plötzlich eilig und will im Musicvox noch einige Kleinigkeiten holen.

Um 17.30 sind wir an der berühmten Shibuya-Kreuzung mit unserer Gastgeberin verabredet, sie will mit uns in einem speziellen Lokal Sushi essen gehen. Wir sind etwas zu früh dran und lassen die Menschenmassen auf uns wirken. Unglaubliche Szenen spielen sich ab, wenn die Fussgängerampeln auf grün schalten.

 

Im 109-Store machen wir freiwillig einen sofortigen Abgang, es ist unmöglich, in die Nähe eines Kleidungsstückes zu gelangen.

Die exotischen Sorten lassen uns übermütig werden, wir bestellen viel mehr Sushi, als ein normaler Mensch essen kann. Dem Sushimaker ist es egal, geduldig fertigt er die kleinen Kunstwerke in minutiöser Präzision. Als er die letzte Kreation an den Tisch bringt, kriegen wir schon fast keinen Bissen mehr runter.

 

Schade um das gute Essen, aber die Schuld tragen wir in diesem Fall definitiv selber.

Unsere letzte Destination für heute heisst Tokyo Metropolitan Government Building. Wir wollen die gigantische Stadt auch bei Dunkelheit noch aus der Vogelperspektive erleben.

 

Der Andrang ist ziemlich gross, es scheint so, als hätten einige andere ebenfalls diese Idee heute.

 

Ich bin superzufrieden mit meiner neuen Errungenschaft. Endlich kann ich auch bei schwierigen Lichtverhältnissen ein Foto schiessen, ohne dass alles verwackelt ist.

 

Jetzt sind wir defintiv reif fürs Bett.

Tag 7: Ein Traum in rosa und weiss

 

 

Es ist soweit, der letzte Tag in Tokyo ist angebrochen. Direkt am frühen Morgen fahren wir noch ein zweiten Mal zum Ueno Park, um die blühenden Kirschbäume zu geniessen.

 

In der U-Bahn spricht mich ein älterer Herr auf japanisch an und versucht mit Händen und Füssen etwas zu erklären. Ich kann ihm beim besten Willen nicht folgen, schliesslich gibt er auf. Irritiert steigen wir in Ueno aus und vergessen die Szenen blitzartig. Was uns erwartet ist ein absoluter Traum!

Bereits um 08.00 morgens ist viel los im Park. Die Japaner geniessen ihr Frühstück auf Plastikblachen unter den Kirschblüten, TV-Stationen senden live aus dem Park, Hochzeitspaare nutzen die traumhafte Kulisse für Erinnerungsfotos, Touristen knipsen die Blüten im Akkord und sogar die Berufstätigen stoppen für ein Erinnerungsfoto auf dem Weg zur Arbeit bei den schönen Bäumen. Jeder versucht auf seine Weise, diese vergängliche Schönheit einzufangen und zu erhalten.

 

Die Festivalstände beginnen auch so langsam - umgeben von schweren Duftwolken - ihre Ware anzubieten, was auf meinen Magen nicht ganz so gut kommt.

 

Ein letzter Blick zurück, schweren Herzens verlassen wir die Blütenpracht.

Jetzt steht uns der Sinn nach einem leckeren Starbucksgetränk, leider finden wir in der näheren Umgebung auf Anhieb keine Filiale. Wir fahren nochmal zur Shibuya-Kreuzung in der Hoffnung, heute einen Platz in der weltbekannten Filiale zu ergattern.

 

Wir haben Glück! Der frühe Vogel fängt den Wurm :-).

 

Die Aussicht ist super! Das emsige Treiben auf der Kreuzung sieht aus dieser Perspektive noch extremer aus, wir füllen den restlichen Platz auf der Speicherkarte unserer Videokamera und geniessen den speziellen Moment in vollen Zügen.

Nach dem tollen Vormittag treffen wir uns um 11.30 mit unserer Gastgeberin zu einem letzten gemeinsamen Mittagessen. In der Wohnung holen wir unser Gepäck, deponieren es bei ihr am Arbeitsplatz und spazieren zu Dritt im Hiroo-Quartier in ein kleines japanisches Restaurant. Am vorletzten Tag erleben wir nochmal eine Japan-Premiere: Essen bestellen am Automaten. Ohne Hilfe wären wir hier definitiv aufgeschmissen. Souverän zeigt sie uns, welche Tasten man drücken muss, damit man einen geniessbaren Lunch auf den Teller kriegt.

 

Als wir satt sind, spielen wir mit meiner neuen Kamera und lassen die Woche Revue passieren. Dies wird hier gar nicht gern gesehen - umgehend werden wir aufgefordert, den Tisch freizugeben. Ok...

Dankbar für die vielen Insidertips, die tolle Unterkunft und Zeit, verabschieden wir uns in Richtung Narita.

 

Im Zug überfällt uns mal wieder die Müdigkeit. Um nach Narita zu gelangen, müssen wir bis zum Flughafen fahren um dann in den Regionalzug umzusteigen. Das erweist sich überraschenderweise als ziemlich kompliziert und wir sind froh, dass ein äusserst engangierter JR-Angestellter persönlich den Weg mit uns geht - inkl. Sicherheitskontrolle.

 

Schliesslich schaffen wir es doch, kurz nach 15.00 checken wir im Richmond Hotel ein. Wir freuen uns sehr auf unseren letzten Abend und die Nacht, das Hotel ist super!

 

2010 habe ich in einem Schmuckladen in Narita tolle Ketten gefunden, da will ich jetzt wieder hin. Wir finden den Shop auf Anhieb und betreten nichtsahnend die Verkaufsflächen. Munter tapern wir auf dem knarrenden Holzboden durch den Laden und schauen uns in aller Ruhe die schönen Schmuckstücke an. Plötzlich realisieren wir, dass sämtliche Augen auf uns gerichtet sind. Wir sind in einen Filmdreh geraten! Anständig wie die Japaner sind, bedanken sie sich sogar noch dafür!? Wir entschuldigen uns in aller Form, bezahlen an der improvisierten Kasse mit unseren letzten Bargeldreserven und ziehen prustend von Dannen.

Den restlichen Nachmittag verbringen wir in der riesigen AEON-Mall. Wir geniessen es, nach den intensiven Tagen in Tokyo in dem wenig bevölkerten Shoppingzentrum einzukaufen und zu bummeln. Wir kaufen allerhand Kleinigkeiten ein und geniessen heute zum 6. Mal in Folge Sushi vom feinsten. Den Matchatee kriegt man hier buchstäblich hinterher geschmissen, für einen Spottpreis kaufen wir 200g!

 

Eine Verkäuferin spricht mich verwundert auf meine Superdry-Jacke an, das britische Label schmückt seine Kollektionen mit japanischen Schriftzeichen und Städtenamen. Hier ist Superdry nichts anderes als eine bekannte Biermarke. Für die Klamotten hat man hier wohl nur ein müdes Lächeln übrig.

Tag 8: Back to Switzerland

 

Den Abreisetag können wir locker angehen. Bis zum Flughafen ist es nur eine knappe Viertelstunde mit dem Zug. Wir bleiben - für unsere Verhältnisse - etwas länger liegen und freuen uns um 6.30 auf das japanische Frühstücksbuffet im hoteleigenen Restaurant. Die Teezubereitung bereitet mir ziemliche Schwierigkeiten, der Heisswasserspender spricht kein Englisch. Zum Glück können wir auch hier auf die Hilfe netter Hotelgäste zählen.

 

Die Brötchen schmecken fürchterlich, am Besten ist man in Japan am Morgen mit Reis, Sojasauce und Misosuppe bedient. Die angebotenen Früchte stammen aus der Dose, das Rührei, die Fischsorten und das Fleisch sehen fettig und ölig aus.

Viel zu früh Treffen wir am Flughafen ein, es bleibt uns also noch genügend Zeit, um die restlichen Yen an den Mann zu bringen.

 

Ein Grossteil geht für meinen neuen Seidengürtel drauf, den Rest investieren wir nochmals in KitKats. Unsere Rucksäcke sind nun bis zum letzten Zwischenraum ausgefüllt, es wird Zeit zu gehen.

Wir fürchten uns vor den ersten Flugstunden, das japanische Meer hat uns auf dem Hinflug einen gehörigen Schrecken eingejagt. Jetzt fliegt die Swiss-Maschine aber sanft los, der Filmmarathon kann beginnen.

 

Nach einiger Zeit merke ich, dass meine linke Hand immer mehr anschwillt und sich blau verfärbt. Ich habe sie am Morgen angestossen, mir aber nichts weiter dabei gedacht. Etwas beunruhigt frage ich das Personal nach einer Kühlsalbe und bin einmal mehr vom erstklassigen Service der Swiss beeindruckt. Ich erhalte neben einer ganzen Tube Salbe zum mitnehmen einen Beutel mit frischem Eis und ein Tellerchen mit Schweizer Pralinen. Nach 12 Stunden kühlen und ruhig halten ist zumindest die Schwellung fast weg.

 

Pünktlich treffen wir in Zürich ein, nun freuen wir uns nach einer wahnsinnig tollen Woche auf unsere beiden Katzen und das eigene Bett.

 

Domo arigato Japan!