Reisebericht Japan Mai 2010

Seit längerem sind wir mit der Planung für unsere Japan-Rundreise beschäftigt. Wie immer stützen wir uns auf Tipps von Lonely Planet, Internet und Bekannten. Nun ist April 2010 - rund ein Monat vor Reisebeginn - und die Welt steht still. Der isländische Vulkan Eyjafjallajökull spuckt Asche, sämtlicher Flugverkehr wird eingestellt. Hilflos beobachten wir das Naturereignis und hoffen inständig, dass der Spuk bis Mitte Mai vorüber ist. Nach und nach bessert sich die Lage, aber mittlerweile ist der 8. Mai 2010, und schon wieder schliessen einige Flughäfen. Noch 2 Tage bis zu unserem Abflug - der Nervositätspegel schlägt oben an! Die Wartezeit und Ungewissheit ist höllisch - die neu gekaufte Trekkinghose sitzt aufgrund mangelnden Appetits inzwischen locker. 

 

Tag 1: Tokyo

 

Montag, 10. Mai 2010: Grünes Licht, wir können fliegen! Was für eine Erleichterung. Nach einem langen sehr angenehmen Flug mit der Swiss trifft uns am Immigrationsschalter in Narita fast der Schlag. Die Schlange ist so unvorstellbar lang, da wäre man in den USA erfahrungsgemäss den halben Tag mit Anstehen und Warten beschäftigt. Bereits hier zeigt sich uns aber, wie perfekt Japan organisiert ist. Innert kürzester Zeit werden sämtliche Schalter geöffnet und bereits nach 30 Minuten stehen wir in der Ankunftshalle. Gepäck haben wir bis auf unsere Rücksäcke nicht dabei, so dass wir uns direkt zum Zugterminal begeben können. Wir lösen ein Transferticket bis Tokyo und geniessen auf unserer ersten Zugfahrt in Japan den Fensterblick auf die vorbeiziehenden Reisfelder, kleinen Häuschen, Bambuswälder und überirdischen Strommaste. Wir fahren bis Aoyama-Itchome und deponieren unsere Rucksäcke im Hotel Asia Center of Japan. Da werden wir sehr nett empfangen und direkt mit Wasserflaschen, Zahnbürsten, Haarbürsten, Teebeutel und Frühstücksgutscheinen ausgerüstet. Die Zimmer sind eher klein, aber sehr sauber und komfortabel. Leider spielt das Wetter heute noch nicht ganz mit, also leiht uns das Personal kurzerhand Schirme aus. Jetzt können wir starten! Hier ist gerade mal Vormittag, zu Hause wären wir schon reif fürs Bett.

Roppongi Hills
Roppongi Hills

Zu Fuss spazieren wir zum Roppongi-Viertel und lassen die ersten Eindrücke auf uns wirken. Schnell merken wir, dass das europäische Kartenmaterial etwas zu wünschen übrig lässt. Mehrmals eilen uns hilfsbereite Japaner zu Hilfe – die Klischevorstellung bestätigt sich schon am ersten Tag. Wir knipsen eifrig Fotos und so langsam meldet sich der Hunger, wir suchen eine Sushi-Bar. Im UG des Roppongi-Hills-Towers werden wir fündig. Beim Betreten des Lokals werden wir lautstark begrüsst. Irritiert setzen wir uns an die Bar und geniessen das erste richtig japanische Sushi in unserem Leben. Es schmeckt göttlich! Zur Verabschiedung wird dann nochmal im Kollektiv geschrien. Diese Bar (Pintokona) merken wir uns :-) Zur Nachspeise geht's einen Stock höher zum Starbucks und wir sind vom Angebot begeistert: Blueberry und Matcha-Frappuccinos! Schlaraffenland!

Problemlos kaufen wir uns ein 2-Tagesticket für die Metro und fahren zum Meiji-Schrein. In der U-Bahn erzählt uns Keiji Tomiyama von seinen Briefreundinnen in aller Welt und überreicht uns seine Visitenkarte, sollten wir auf Hilfe angewiesen sein. Bei leichtem Regen passieren wir das braune Holztor und unser Interesse wird von zahlreichen bunten Sakefässern geweckt. Beim Schrein entdecken wir hunderte kleine Holztafeln. Hier werden von Japanern und Besuchern aus aller Welt Wünsche und Hoffnungen verewigt. Vor dem Gebet waschen sich die Gläubigen am japanischen Brunnen.

Sakefässer
Sakefässer
Shibuya-Kreuzung
Shibuya-Kreuzung

Zu Fuss erkunden wir nun das bienenhausähnliche Shibuya-Viertel und sind beindruckt von dem japanischen Modebewusstsein. Mit zu grossen Stöckelschuhen, kurzen Miniröcken, wilden Frisuren, knallbuntgemusterten Klamotten und Gummistiefeln sehen sie exotisch aus. Da sind wir mit Turnschuhen, Trekkinghose und T-Shirt dann doch etwas underdressed. Zumindest fühle ich mich mit meinen 1.60m hier nicht klein, die Japaner sind recht übersichtlich ;-). Die Shops sind nicht aussergewöhnlich und bis auf Marimekko lassen wir diese aus Platz- und Kostengründen dann auch links liegen. Nun sind wir bei der weltberühmten Riesenkreuzung angelangt – man kennt sie aus Lost in Translation. Die Vorstellungen decken sich mit der Wirklichkeit, man könnte hier verloren gehen!

Aussicht aus der New York Bar
Aussicht aus der New York Bar

Wir bleiben direkt bei Lost in Translation und wollen als nächstes die New York Bar besuchen. Die Suche gestaltet sich etwas schwierig und wieder setzen wir einige Mini-Toblerone als Joker und verlassen uns auf die Hilfe der Japaner. Auch hier fallen wir outfitmässig etwas ab, was uns aber nicht weiter kümmert. Für zwei Drinks und einen Ceasar Salad bezahlen wir umgerechnet satte CHF 71.60! Hungrig sind wir noch immer, also machen wir uns auf ins Ginza-Viertel zum Nachtessen (Seafood-Salat, Fleisch und Reis) und lassen den Abend ausklingen.

Tag 2: Tokyo


Wir haben super geschlafen, das Hotel lässt nichts zu wünschen übrig. Besonderen Spass bereiten die japanischen Toiletten. Das Frühstück ist für uns gewöhnungsbedürftig, schlussendlich aber superlecker. Wir hauen ordentlich Reis, Sojasauce, Rührei und Misosuppe rein. Die Brötchen kann man getrost liegenlassen.

 

Früh machen wir uns mit der U-Bahn auf den Weg zum Asakusa-Schrein und finden uns mit den Berufspendlern eingezwängt im Metroabteil wieder. Zu Fuss pilgern wir zum berühmten Riesenlampion und passieren dabei diverse Souvenirstände. Die Tempel- und Gartenanlage ist wunderschön! Inmitten vorwiegend japanischer Touristen schiessen wir Fotos was das Zeug hält.



Weiter geht’s zum Akihabara Electric Town-Stadtteil. Was da los ist, kann man sich auch in den kühnsten Träumen nicht vorstellen. In einem mehrstöckigen Elektronikladen erstehe ich einen Ersatzakku, damit meine Kamera die massive Auslastung hier bewältigen kann. Wir schlendern durch die Gassen und versuchen die Musik, das Marktgeschrei der Verkäufer, die lebendigen Mangafiguren, die grellen Farben, die Leuchtreklamen und den Regen einzuordnen – uns fehlen hier echt die Worte.



Jetzt brauchen wir einen Kulissenwechsel: Imperial Palace. Das Gelände ist grösstenteils abgesperrt, es stehen nur wenige Teile zur freien Besichtigung. Die Gartenanlage ist allerdings riesig und sehr schön. Unvorstellbar, dass wir uns in einer 36Millionen-Metropole befinden. Das Wetter ist inzwischen super!

Als nächstes wagen wir uns in den Dschungel des riesigen Hauptbahnhofes von Toyko. Wir wollen unsere bereits in der Schweiz bestellten Railpässe einlösen, damit wir morgen früh direkt losfahren können. Trotzt Plänen und hilfsbereiten Japanern scheitern wir kläglich. Die Grössenordnungen sind schwer vorstellbar – wir fühlen uns wie Spielfiguren im verrückten Labyrinth. Verzweifelt und erschöpft finden wir schlussendlich den Schalter und werden mit einer perfekten Erklärung, Fahrplänen und Tipps entschädigt. Jetzt muss etwas Essbares her! Wir entscheiden uns für eine riesige Schüssel Nudelsuppe (Kake Soba) und sind zufrieden. Mein Freund meint zwar, bei dieser Nudelmenge sei die Zierlichkeit der Japaner nicht verwunderlich ;-)

Tokyo Tower
Tokyo Tower



Weiter geht's zum Tokyo Tower. Hoch wollen wir beide nicht, also sehen wir uns die Umgebung vom sicheren Boden aus an. Er erinnert doch sehr stark an den Eiffelturm und kann auch sonst nicht mit den diversen anderen Schönheiten Japans konkurrieren. Aber einmal gesehen haben sollte man ihn dann doch. Direkt um die Ecke entdecken wir ein kleines Waldstück und geniessen die Ruhe, bevor wir uns auf den Weg nach Odaiba machen. Mit einer überirdischen Bahn fahren wir über die Rainbow Bridge nach Odaiba und finden uns in New York City wieder. Wir spazieren dem Strand entlang und freuen uns über das Starbucksschild: Frappuccino-Time :-)

Im Ginza-Viertel ist der Apple Store – seit heute mit IPad im Angebot - unser nächster Programmpunkt. Dass wir suchen müssen wissen wir inzwischen, so bleibt auch das auffällige weisse Apfelsymbol einige Zeit verborgen. Schlussendlich machen wir einen kurzen Streifzug durch den Shop, nutzen das WLAN aus um E-Mails zu checken und machen uns auf zum Sony-Building. Was da läuft ist ziemlich abgefahren. Im Showroom kann man sich die neusten Produkte vorführen lassen und testen. Daumen hoch!

 

Zum Nachtessen fahren wir zurück ins Roppongi-Viertel. Wir entscheiden uns heute für das Hard Rock Café und geniessen leckere aber teure Burger. Um das Lokal zu finden, mussten wir allerdings bei der Roppongi Hills-Tower-Info einen Plan abholen ….zu Fuss marschieren wir zum Asia Center of Japan und freuen uns auf das Bett.

Tag 3: Nikko


Egal auf welchem Kontinent wir uns gerade befinden, Punkt 4.30 sind wir hellwach, die aufgehende Sonne strahlt uns an. Heute steht unsere erste Shinkansen-Fahrt auf dem Programm. Problemlos finden wir uns heute an der Tokyo Station zurecht und finden unseren Zug auf Anhieb. Die Züge sind Wahnsinn - pünktlich auf die Minute, supersauber, die Sitze lassen sich je nach Richtung drehen und das Personal ist extrem freundlich und hilfsbereit. Wir geniessen die Aussicht und plötzlich präsentiert sich uns Mt. Fuji! Wir können unser Glück kaum fassen (ist es doch aufgrund des dichten Nebels sehr selten, dass man ihn zu Gesicht bekommt)  und fotografieren so gut wie möglich. In Utsunomiya ist der Spass vorbei und wir steigen um auf die JR Nikko Line.

 

 

Ein grünes KitKat gibt’s als Pausenverpflegung. Eine Dreiviertelstunde später steigen wir in Nikko aus dem Zug und marschieren zu den Tempelanlagen. Bereits an den ersten beiden Tagen haben wir festgestellt, dass Bewegung in Japan nie zu kurz kommt. Sämtliche Wege führen über endlose Treppen schlussendlich zum Ziel. Wir besichtigen die farbenfrohen Tempel (inkl. Schuhe aus, Schuhe an, Schuhe aus, Schuhe an) und suchen die berühmten drei Affen. Die Katze ist so klein, dass wir dann doch etwas enttäuscht sind.



Weiter geht's mit dem Bus hoch zu den Kegon Falls. Was für eine super Entscheidung! In voller Blüte zeigen sich uns hoch über der Stadt die Kirschbäume von ihrer schönsten Seite. Wir sind sprachlos und versuchen die Naturschönheit mit der Kamera festzuhalten. Einfach wunderschön!

Auf dem Weg zu den Wasserfällen entdecken wir wilde japanische Affen und freuen uns sehr. Mit den Kameras bewaffnet nähern wir uns der Affenbande und sind schneller wieder weg als uns lieb ist. Die Affenmama versteht keinen Spass, schaut mich giftig an und ehe ich mich versehe spurtet sie agressiv auf mich zu. Ich renne schreiend schneller als Speedy Gonzales und finde mich in sicherer Entfernung verdattert wieder. Kamera noch da, Tasche noch da, Freund am Lachen, alles gut. Puuuhh…..doofe Touristen! Zu den Wasserfällen schaffen wir es dann doch noch. Die Fahrt hier hoch war echt das Beste vom ganzen Tag, auf jeden Fall zu empfehlen, bitte aber bloss keine Affen ärgern!

Tattoomotiv Horiyoshi III
Tattoomotiv Horiyoshi III

Mit Chilli-Reiscrackern bepackt fahren wir in Richtung Yokohama ins Tattoo Museum von Horiyoshi III. Ein weiteres Abenteuer beginnt: In Yokohama besteigen wir unser erstes Taxi in Japan und hoffen, so direkt zum Ziel zu gelangen. Leider nein – der Taxichauffeur kennt die Adresse nicht. In der näheren Umgebung steigen wir aus und suchen selber. Keine Chance. Passanten scheitern ebenfalls kläglich, bis ein übereifriger Japaner tatsächlich einen Atlas aus seinem Büro holt und uns direkt vor die Tür des Museums bringt. Arigato! So weit so gut, trotzt offiziellen Öffnungszeiten stehen wir vor verschlossenen Pforten. Ein Stockwerk höher treffen wir im stark verrauchten Tattoostudio auf einen Tätowierer und uns wird mitgeteilt, dass in einer Stunde jemand kommen würde. Wir wollen die Wartezeit mit Essen überbrücken und besuchen das nächstgelegene Restaurant. Englisch kann in diesem Lokal kein Mensch, unser japanisch lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Hilflos mit Händen und Füssen bestellen wir zwei Schüsseln Reis mit Sojasauce. Wir warten, und warten, und warten während am Nachbarstisch Austern und eklige übelriechende Riesenfische aufgetischt werden. Mittlerweile haben wir auch den Koch zu Gesicht bekommen, unser Appetit ist jetzt definitiv weg. Als wir nach einer knappen Stunde noch immer warten und kein Personal mehr sichtbar ist, entscheiden wir uns für einen Abgang. Immerhin ist das kleine Museum jetzt offen und wir sind beeindruckt von den Kunstwerken.

 

Zum Abschluss gibt’s nochmal leckeres Sushi im Roppongi Hills, wir setzen jetzt lieber auf Bewährtes.

Tag 4: Kyoto


Heute geht’s mit dem Shinkansen auf nach Kyoto. Die Zugfahrt macht riesigen Spass, nur hat sich der Mt. Fuji heute leider versteckt. Am Bahnhof amüsieren wir uns köstlich, die Zuglotsen sind super unterhaltsam. Zu Fuss bringen wir unsere Rucksäcke zum Tour Club und sind mit der Unterkunft zufrieden. Es sind sehr einfache Zimmer, die Matratzen liegen auf Tatamimatten. Das Bad ist sehr klein, aber sauber. Für unsere Ansprüche reicht es, das Preis-/Leistungsverhältnis ist OK.

 

 

Golden Pavillon
Golden Pavillon



Mit dem Bus starten wir unsere heutige Tempel-Tour. Zuerst fahren wir im Schneckentempo ganz hoch zum Golden Pavillon (Kinkaku-ji)  und sind mal wieder überwältigt. Wunderschön! Wir treffen auf einen amerikanischen Touristen, der für ein paar Jahre in Deutschland gelebt hat. Er schiesst einige Fotos von uns beiden und wir verabschieden uns in Richtung Ryoanji Tempel.

Zen-Garten Ryoanji Tempel
Zen-Garten Ryoanji Tempel



Der berühmte Zengarten und die Gartenanlage sind beeindruckend. Wir entdecken einen kleinen Shop und erstehen einige lustige Kleinigkeiten als Andenken. Auf unserem Rückweg begrüsst uns ein älterer Einwohner von Kyoto mit den Worten Welcome to Japan! Er freut sich, mit uns zu plaudern und flippt fast aus als wir ihm sagen, dass wir Schweizer sind. Er war selbst schon mehrmals in der Schweiz, seine Tochter hat bei der UNO gearbeitet. Die Japaner sind tatsächlich immer freundlich!

In den Dämmerungsstunden versuchen wir im Gion-Viertel unser Glück, einen Blick auf Geishas zu erhaschen. Ich fühle mich dabei unwohl, zumal es sich hier um Menschen und nicht um Zootiere handelt. Tatsächlich sehen wir einige wenige Schönheiten an uns vorbeiziehen, fotografieren stellt sich aber als äusserst schwierig heraus. Meinem Freund gelingen trotzdem einige gute Bilder. Das Viertel ist sehr traditionell gehalten, aber durchaus sehenswert.

 

Zum Abendessen geht's heute zu Subway, was sich als Flop herausstellt. Die Japaner können viel, aber Sandwiches machen bestimmt nicht! Das Essen ist so schrecklich, dass Subway für uns auch zu Hause für eine lange Zeit tabu sein wird. Zurück im Tour Club trinken wir in der Lobby einen Sake und quatschen mit Franzosen über Musik und die Welt.

Tag 5: Kyoto


Früh morgens decken mir uns bei Lawson mit Sojariegel, Bananen und Wasser ein und fahren zum Kiyomizu-dera-Tempel. Die Aussicht von hier ist super, man kann über ganz Kyoto blicken. Inmitten zahlreicher Schulklassen besichtigen wir die Anlage. Die Schüler bitten uns am Schluss um ein Interview, damit sie ihre Englischkenntnisse praktisch anwenden können. Wir finden dies eine super Idee und machen bereitwillig mit. Zum Schluss verteilen wir unsere Tobleronereserven an die lustigen jungen Japaner.

Silver Pavillon
Silver Pavillon

Jetzt geht's weiter zum Silver Pavillon (Ginkaku-ji), ebenfalls eine beeindruckende Anlage mit wunderschönem Garten. Hier ist es viel ruhiger und wir können uns inmitten der märchenhaften Waldkulisse richtig entspannen.

 

Mittags gibt's ungeniessbaren kalten Tee und leckere Nudelsuppe, bevor wir uns zum Handwerkermarkt begeben. Da sind wir schnell wieder weg, es handelt sich eher um einen Trödelmarkt. Zudem hatten wohl sämtliche Einwohner von Kyoto dasselbe Ziel. Mittlerweile scheint die ganze Zeit die Sonne und es ist weit über 20°. Unser nächstes Ziel ist das Kyoto Handicraft Center, wo wir einige Souvenirs mitnehmen. Unsere Rucksäcke verfügen über etwas freie Kapazität, die T-Shirts der ersten Tage haben wir nämlich planmässig direkt entsorgt um Platz zu sparen. Wir bringen die Andenken zurück zur Hostel und ruhen uns etwas aus.

Am späteren Nachmittag machen mir uns auf zum Inari-Schrein (bekannt aus dem Film Geisha). Wir fahren mit dem Zug eine Station zu weit, ziehen uns eine Dose Traubenfanta aus einem Getränkeautomaten (in Japan allgegenwärtig) und fahren auf der anderen Bahnhofsseite direkt wieder zurück. Wir finden den Schrein doch noch und marschieren guter Laune durch die 1300 Toriis hindurch los. Treppen hoch, Treppen runter, immer weiter, bis wir dann doch mal die Karte zücken und erschrocken feststellen, dass die Anlage gigantisch ist. Nichts mit eben vor dem Nachtessen mal hin. Tapfer marschieren wir weiter, bis die Füsse sich melden und der Hunger zu gross wird. Wir geben auf und sind trotzdem zufrieden. Schlussendlich sind hier die Toriis das Sehenswerteste und wir keine Hochleistungssportler. Auf dem Rückweg albern wir rum und mein Freund macht sogar einige Klimmzüge an den heiligen Toriis.

 

Zurück in der Stadt wollen wir Sushi essen gehen. Man empfiehlt uns die Kyoto Station, Bahnhöfe sind hier immer zugleich auch Einkaufs- und Esszentren. Die erstbeste Sushi-Bar wird ausgewählt und nach ein paar Bissen direkt wieder verlassen. Der Fisch ist fettig, die Sushi ungeniessbar. Weiter zur nächsten Bar. Hier ist das Sushi zwar OK, dafür der Koch so unappetitlich, dass wir einen Grossteil stehenlassen. Freundlich wie die Japaner sind wollen sie uns alles einpacken, wir lehnen dankend ab und spazieren zum Starbucks. Da entscheiden wir uns für leckere Frappuccinos und Grüntee-Kuchen. Ende gut, alles gut.

 

Tag 6: Nara / Osaka / Himeji


Zuerst fahren wir mit einer Horde Baseballkids mit dem Schneckenzug nach Nara. Auf dem Weg zum Todaiji-Tempel werden wir durch die Parkanlage von unzähligen zahmen Rehen begleitet. Der zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Tempel ist alt, der Riesenbuddah imposant. Auf dem Rückweg zum Bahnhof entscheiden wir uns spontan für einen Shrimp-Burger bei McDonalds. Der Slogan auf der Verpackung ist für den Appetit nicht förderlich: "Taste their happiness".  

Next Stop: Osaka. An musizierenden Schülerbands vorbei spazieren wir zum Osaka Castle. Ein paar Fotos reichen uns, und rasch geht’s weiter nach Universal City. Jetzt fühlen wir uns zurückversetzt in den November, wir stehen vor einer exakten Los Angeles-Kopie. Das Hard Rock Café können wir nicht links liegen lassen, so genehmigen wir uns eine Ladung Nachos und literweise Iced Tea. Es ist heute gegen 30° in Osaka! Die Weiterfahrt zum Amerika Mura-Viertel klappt mal wieder nicht auf Anhieb: Station verpasst. Gefunden haben wir es schlussendlich, sehenswert war es allerdings nicht. Wir entscheiden uns zur Rückfahrt.


In Himeji steigen wir spontan aus und knipsen einige Bilder von der berühmten Burg. Hier entdecken wir massenhaft bunte Dolendeckel und Skulpturen, die den Besuch lohnenswert machen.

 


Mit dem nächsten Zug fahren wir nach Kyoto und sind inzwischen todmüde. Essen gehen mögen wir nicht mehr, so decken wir uns bei Lawson mit Onigiri, Sojariegel und Bananen ein. In der Hostel nutze ich noch die Möglichkeit, einen Sommerkimono anzuprobieren.

Tag 7: Weiterfahrt nach Hiroshima


Heute nehmen wir einen frühen Shinkansen in Richtung Hiroshima und fahren direkt weiter mit dem Schiff nach Miyajima. Die meistfotografierteste Sehenswürdigkeit Japans wollen wir uns nicht entgehen lassen: das Torii. Wir haben einen supersonnigen Tag erwischt und die Insel erscheint fast paradiesisch. Der Itsukushima Schrein ist ebenfalls sehr beeindruckend. Auch hier tummeln sich Rehe auf der Suche nach Nahrungsresten der zahlreichen Touristen.

Wir tuckern zurück aufs Festland und sehen uns den Atomic Bomb Dome an. Eine nette Volontärin erzählt uns detailliert die Geschehnisse von 1945. Zum Abschluss schenkt sie uns einen Origami-Vogel, wir revanchieren uns mit Toblerone. Das Friedensgedächtnismuseum und den Peace Memorial Park sehen wir uns kurz an, ohne aber die zahlreichen Tafeln im Detail zu studieren.

Auf der Suche nach etwas Essbarem begeben wir uns in die Einkaufspassagen und entscheiden uns für ein kleines japanisches Lokal. Ich wähle Onigiri, mein Freund Soba. Sieht auf den Bildern genauso aus wie auf den Tellern, nur sieht man den Fotos nicht an, dass das Essen kalt serviert wird. Mir schmeckts, mein Freund mag es nicht. So müssen es dann einige Donuts und Frappuccinos wieder gut machen. Jetzt suchen wir die Hana Hostel und checken ein. Die Lage ist super, direkt beim Hauptbahnhof. Die Zimmer sind auch hier klein, aber zweckmässig und sehr sauber. Im Flur stehen lustige Lockers zur Aufbewahrung der Wertgegenstände.

Auf dem Weg zum Shukkeien-Garten begegnen wir vielen streunenden Katzen. Mir tun die armen Kreaturen extrem leid, gleichzeitig merke ich, wie sehr ich unsere beiden Katzen zu Hause vermisse. Ich kann mich wieder beruhigen mit dem Wissen, dass die beiden bei unseren Nachbarn in sehr guten Händen sind.  Der Garten toppt dann sämtliche bisher gesehenen Gartenanlagen um Längen, einfach traumhaft! Wir schlendern am Getränkeautomaten vorbei gemütlich durch die ganze Anlage und können uns richtig entspannen. Die japanischen Gärten haben eine extreme Wirkung auf uns. Wir lieben es! Total relaxt spazieren wir bei grösster Hitze zum Hiroshima Castle und merken, dass wir jetzt so langsam genug an Tempeln, Burgen und Schlösser gesehen haben. Wir streichen deshalb den für morgen geplanten Umweg über Matsumoto.

 

Heute entscheiden wir uns mal wieder für Sushi und wir finden im Hauptbahnhofsgebäude eine süsse Bar. Mutig probieren wir uns durchs Förderband und dann passiert das Unvermeidliche: Ich beisse in ein Sushi-Häppchen und es schmeckt so übel, dass mir nichts Vergleichbares einfällt. Mit Hilfe des Reiseführers finden wir heraus, dass es sich um Sea Urchin Roe, also Seeigelrogen handelt. Bääähhhh!!

Tag 8: Zurück nach Tokyo


Früh morgens fahren wir mit dem Shinkansen zurück nach Tokyo. Die gut 900km legen wir in weniger als 6 Stunden zurück. Wir deponieren unsere Rucksäcke in Schliessfächern, essen eine Portion geschmacklose Spaghetti und starten unsere Shoppingtour. Wir haben uns den Nachmittag reserviert, um in Tokyo Mitbringsel und Andenken einzukaufen. Im Schnelldurchgang spulen wir Electric Town, Ueno und Asakusa ab und kaufen unzählige Fächer, Stäbchen, Momijis, Masken und zum Schluss im Oriental Bazar noch superschöne Keramik-Teller und Schalen.

 

Jetzt reicht's endgültig, wir machen uns auf den Weg zu unserer letzten Station: Narita. Das topmoderne Hotel Richmond ist absolut megamässig! Mit dem Bus fahren wir zur AEON-Mall und geniessen ein ausgedehntes Nachtessen im Hard Rock Café. Zurück im Hotel geht nach einigen Tagen als Rucksacktouristen nichts über eine ewige Dusche inkl. Pflegespülung, wohlriechendes Shampoo und Body Lotion. Selig schlafen wir ein. Wir lieben das Hotel.

Tag 9: Narita / letzter Tag


Nach einem ausgedehnten japanischen Frühstücksbuffet erkunden wir das Städtchen. Wir finden einige schöne Teekannen, Schalen und Schmuck. Die Marktstände irritieren uns, die angebotene Ware riecht übel und sieht auch eklig aus. So fahren wir nochmal zu der Mall mit dem Plan, einen Koffer zu kaufen. Mittlerweile haben wir nämlich so einiges an Gewicht, zudem spielen wir noch mit dem Gedanken, Sake nach Hause zu bringen. Das wäre aufgrund der Handgepäckbestimmungen nicht möglich. Wir finden das Einkaufszentrum super, selbst wenn es preislich nicht wirklich interessant ist. Einzig in einem grossen Sportladen erstehen wir North Face und Nike-Klamotten. Den Koffer finden wir dann auch, veranstalten da aber ein riesiges Chaos. Selbst wenn man sämtliche Koffer vom Regal schmeisst bedankt sich das Personal. Da kann die Schweiz sich eine Scheibe abschneiden :-).

Heute Abend soll es leichte Kost geben, haben wir doch morgen einen langen Rückflug vor uns. Wir wählen ein Lokal nach dem Zufallsprinzip aus und finden uns in einem traditionellen Restaurant wieder. Leider spricht da keiner englisch, die Karte gibt's auch nur in Zeichensprache. Mit Händen und Füssen bestellen wir leckere Chicken-Yakitori und die Hausspezialität. Danach nimmt das Übel seinen Lauf. Die Gyoza (Ravioli mit undefinierbarer Füllung) werden in einer Gusseisenform in heissem Öl frittiert. Super. Nichts mit leichter Kost und nichts mit schlafen. In der letzten Nacht freunde ich mich nochmal so richtig mit der japanischen Toilette an. Wir schauen uns eine lustige Dokumentation über den Eyjafjallajökull an, bestellen uns Drinks aufs Zimmer und lassen die letzten Tage Revue passieren. 

 

Dieser Urlaub wird unvergesslich bleiben, wir haben uns in Japan verliebt.