Reisebericht Venedig Dezember 2016

Tag 1:

 

"Venedig stinkt, Venedig ist chronisch überfüllt - Opfer vom Massentourismus, einer Taubenplage und sogar Ratten. Gleichzeitig soll es oft Nebel haben und dreckig ist es sowieso".

 

In unserer Reisewunschliste fällt die Lagunenstadt aufgrund dieser Schilderungen immer weiter zurück, bis ich zufälligerweise am Film "The Tourist" hängenbleibe. Dieser Film weckt in mir grosse Lust, die Stadt zu erleben. Ich bin gespannt, ob die Stadt wirklich so gut aussieht, oder ob es bloss an Johnny Depp lag.

 

Nach den Weihnachtstagen und einem für mich katastrophalen kalten und nebelverhangenen Monat Dezember hüpfe ich fast zum Flughafen. Tapetenwechsel - das Grau zurücklassen und ordentlich Sonne auftanken!

 

 

Die kurze Flugzeit reicht kaum aus, um den heissen Tee auszutrinken. Dafür kommen wir in den Genuss eines schönen Sonnenaufgangs über den Alpen.

Ich habe Online Tickets für den Expressbus ATVO gekauft, so können wir jetzt direkt auf den letzten Drücker reinspringen.

 

Nach knapp 20 Minuten Fahrzeit kommen wir kurz nach 09.00 Uhr am Busbahnhof Piazzale Roma in der Nähe des Hauptbahnhofes an.

 

Venedig ist ab hier neben den Wassertaxis (Vaporettos) komplett verkehrsfrei, nicht mal Fahrräder dürfen verkehren. Wer viel Gepäck hat ist also gut bedient, das Hotel hier in unmittelbarer Nähe oder direkt an einer Vaporetto-Station zu buchen.

 Santa Croce


Mit der Überquerung der Ponte della Costituzione starten wir unser Venedigabenteuer. Dem berühmten Canal Grande entlang spazieren wir bis zur nächsten Brücke, um dort ins Viertel S. Croce einzutauchen. Schmale Gassen, Treppenstufen und kleine Brücken reihen sich hier aneinander. Wie süss!

 

Etwas mitleidig schauen wir den Touristen zu, wie sie ihre Koffer die vielen Treppen hoch- und runtertragen.

 

 

San Polo


Langsam werden die Gässchen voller und kommerzieller, wir haben nun das kleine San Polo-Viertel erreicht.

 

Der Fischgeruch weist uns die Richtung, der Rialto Fischmarkt ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Rialtobrücke nah ist. Mit der Überquerung der weissen Marmorbrücke betreten wir das Touristenzentrum.

 

An Menschenmengen haben wir schon extremeres gesehen, ob wir eine gute Zeit erwischt haben? Man kann sich hier auf jeden Fall gut bewegen.

San Marco

 

Dieser Stadtteil bildet das eigentliche Zentrum der Stadt. Restaurants und Shops reihen sich hier aneinander, Reisegruppen strömen in Richtung Piazza San Marco wo sie abwechslungsweise Schlange stehen für die Basilica di San Marco (Markusdom), den Aussichtsturm sowie den Palazzo Ducale.

 

Wir entscheiden uns für letzteren, ein Spaziergang durch die Gefängnisse und über die Seufzerbrücke inklusive.

Castello

 

Das Ufer des Canale di San Marco säumen Strassencafes, Docks und Strassenhändler. Die Sicht auf die Isola di San Giorgio Maggiore ist hervorragend, die Temperatur ebenso. Wie bummeln bis zu den Biennale-Gebäuden in den Gärten.

 

In der Via Giuseppe Garibaldi finden wir mit dem Nevodi ein ansprechendes Lokal, perfekt fürs Mittagessen. Auf Sonderwünsche wird unkompliziert eingegangen, die Pasta mit frischen Cherrytomaten und der angeblich weltbeste Hamburger dazu schmecken köstlich. Super!

Von weitem erblicken wir die majestätische Porta del Arsenale, den Eingang zur Schiffswerft.

 

Wir gehen die kleinen Gassen von Castello auf und ab, bis wir schliesslich vor dem selbsternannten Worlds most beautiful Bookshop Libreria Aqua Alta stehen. Der chaotische Laden hat in der Tat was, Bücher liegen in Schubkarren, tummeln sich in Gondeln oder dienen als Treppen oder Wände. Dass man hier allerdings gezielt etwas finden würde, bezweifle ich. Die Hauskatze zeigt sich nicht heute.

 

Direkt daneben kann man zuschauen, wie venezianische Masken gefertigt werden.

San Marco

 

Zurück in San Marco schlendern wir den Läden entlang, bevor wie am Canal Grande südwärts spazieren. Die Ponte dell'Academia führt uns in unser Wohnviertel für die Tage.

 

Dorsoduro

 

Im Ca'Pisani Designhotel haben wir ein Zimmer gebucht, glücklicherweise ist es bereits bezugsbereit. Nach bereits knapp 20'000 Schritten gönnen wir uns jetzt eine Pause in unserer schönen Suite, bevor wir dieses Viertel erkunden.

Am Wasser geniesset man einen perfekten Ausblick auf den Dogenpalast und San Marco.

 

In der Osteria al Squero geniessen wir das allgegenwärtige Lokalgetränk Aperol Sprizz und die begehrten Brötchen, während wir auf den Sonnenuntergang warten. Und das Warten lohnt sich extrem, wir erleben eine wunderbare Stimmung.

 

Nun wird es Zeit fürs Abendessen, Dorsoduro hat viele Lokale. Auch hier haben wie wieder Glück, flexibel wird uns frisch und unkompliziert etwas nach unseren Bedürfnissen zubereitet.

 

Wer auf Weihnachtsdekorationen und Lichterketten steht, käme nun zum Zug. In der Dunkelheit wird alles aufgefahren, was noch von dem Weihnachtstagen hängt. Mein Fall ist es nicht.

 

Der erste Tag in Venedig hat keines der Vorurteile bestätigt, im Gegenteil, Venedig hat seinen Charme spielen lassen und sich heute von der allerbesten Seite gezeigt. Die Lagungenstadt hat bereits einen Platz in meinem Herzen erobert. Ich freue mich auf mehr!

Tag 2:

 

Dorsoduro

 

Während des Frühstücks husche ich zur Ponte dell'Accademia, wo bereits andere Frühaufsteher mit der Kamera bewaffnet versuchen, die tolle Morgenstimmung einzufangen. Es lohnt sich, dafür aufzustehen und diesen wunderbaren Blick zu geniessen.

Canal Grande

 

Spontan entscheiden wir uns dafür, mit dem Vaporetto Nr. 1 zum Piazzala Roma zu fahren. Überall liest man, das gehöre zum Venedigerlebnis dazu. Was für eine Schnapsidee! Einerseits ist mir auf dem Wasser nie wohl, andererseits wären wir gefühlt schneller, wenn wir am Ufer kriechen würden. Nach 3 Stops ist meine Geduld genug strapaziert, wir brechen ab und steigen aus.

 

Den Blick vom Wasser aus kann man sich echt schenken, da ist jede Brücke gleich gut.

Cannaregio

 

Von Rialto aus erkunden wir nun die Strassen von Cannaregio. Hier wohnen die meisten Leute, die Strassen sind hier teilweise breiter, die Kanäle weniger. Dafür sieht man, dass hier gelebt wird. Karton und Kehricht steht zur Einsammlung bereit, Wäsche hängt an den Leinen.

 

Je mehr wir uns der Bahnhofsregion nähern, desto touristischer wird es hier. Viele Cafes und Restaurants preisen Frühstück an, die ersten Retailer öffnen die Tore.

Dorsoduro

 

Ab der Piazzala Roma erkunden wir nun noch den westlichen Teil von Dorsoduro. Nach einem Tee im Hotel gehts direkt weiter.

 


San Marco


Wer in sich in der Luxusshoppingstrasse Calle Larga XXII Marzo etwas gönnen will, braucht das dicke Portemonnaie. Wir begnügen uns mit Schaufenster gucken, die Puffins bei Louis Vuitton würden mir gefallen.

 

Am Markusplatz besuchen wir mit unserem Eintrittsticket von gestern das inbegriffene Museum Correr, das archäologische Museum sowie den Bibliotheksraum.

 

Barocke Möbelstücke wecken zwar mein Interesse, aber spätestens im dritten Raum könnte ich auf der Stelle einschlafen...es ist Hopfen und Malz verloren bei mir. Draussen lacht die Sonne, wer will sich da schon verstaubte Museen anschauen.

 

 

In Wagners Stammlokal Caffe Lavèna schnappen wir uns einen Tisch und bestellen zwei Martinis. Keinen Cappuccino, wie das hier den Erzählungen nach alle tun. Die Preise sind übrigens in der Tat gesalzen.

 

Herrlich, Sonne geniessen und dazu das rege Geschehen beobachten. So lässt sich der Dezember plötzlich wunderbar aushalten.

Murano

 

Für den Nachmittag haben wir eine Bootstour nach Murano, Burano und Torcello gebucht.

 

In Murano könnte man sich eine Glasblas-Vorführung anschauen, was wir aber nicht tun. Stattdessen flitzen wir lieber durch das kleine Örtchen und versuchen, uns einen Überblick zu schaffen.

 

Quasi in jedem Laden kann man hier Glasprodukte kaufen, sollte dabei aber vorsichtig sein. Wie man hört werden diese nämlich oft seriell im Ausland extra für Touristen gefertigt. 

 

Die riesige sternartigte Skulptur sieht aus der Nähe ziemlich cool aus.

 

Nach 40 Minuten gehts weiter, das ist selbst für uns etwas sportlich.

Torcello

 

Die nächste Insel hat gerademal 20 Einwohner, einen Kanal und zwei Kirchen. Hier war früher der Bischofssitz, davon ist aber nicht mehr viel zu spüren. Die verwilderte Insel hat einen eigenen Charme.

 

Mit einem heissen Tee wärmen wir uns die kalt gewordenen Hände auf, bevor wir einen traumhaften Sonnenuntergang geniessen.

Burano


Direkt nebenan ist Burano, die Insel mit den bunten Häuschen. Ich bin etwas enttäuscht, dass wir auf dieser Insel zum Schluss stoppen, in der Dämmerung kommen die bunten Farben leider nicht mehr sonderlich zur Geltung. Die Stimmung ist aber schön.

 

Ansonsten gefällt mir diese kleine Fischerinsel gut, entlang der Kanäle gibt es viele kleine süsse Shops und Restaurants. Die Spezialitäten der Insel sind Kekse und die Spitzenklöppelei.

Nacht gut vier Stunden legen wir in der Nähe vom Markusplatz in Venedig wieder an.

 

Für 20.00 Euro kann man nicht viel sagen, ich weiss aber nicht, ob ich die Tour so empfehlen würde. Das Schiff war OK, ich konnte mich drinnen hinsetzen und habe die Fahrt so gut überstanden, trotzdem war es einiges an Fahrt für relativ wenige Highlights.

 

Kann man machen, muss man aber nicht.

 

Auf dem Rückweg zum Hotel schnappen wir uns ein superleckeres Stück Pizza und merken, dass es nicht ganz einfach ist, in der Dunkelheit den Weg zu finden. Die Richtungen sind nämlich an der Hausmauern angeschrieben, was tagsüber zwar sehr praktisch ist, nun aber seine Tücken hat.

 

Im hoteleigenen Restaurant lassen wir den Abend noch ausklingen.

Tag 3:

 

Dorsoduro

 

Während ich uns einen Tee koche, bestaune ich die Momojiri-Gitarrenausstellung in der Lobby. Die in Venedig handgefertigten Gitarren kann man hier im Ca'Pisani Hotel bis Ende Januar 2017 besichtigen.

 

Zur Piazzala Roma sind es knapp 20 Minuten zu Fuss über zahlreiche Brücken und Treppen. Mit Sackkarren und Booten transportieren die Händler die frischen Waren in die Läden, was etwas beschwerlich und mühsam aussieht.

 

 

 

Der Flughafenexpress-Bus bringt uns schnell und unkompliziert zum kleinen Flughafen, wo wir nun reichlich Zeit haben. Ohne Gepäckaufgabe braucht man hier keine 10 Minuten bis zum Gate. Wir geniessen einen weiteren traumhaften Sonnenaufgang.

Der Abflug verzögert sich als wir bereits im Flieger sitzen. Ein Passagier hat zwar Gepäck aufgegeben, ist aber nicht im Flugzeug. Aus Sicherheitsgründen muss das Gepäckstück nun gesucht und wieder ausgeladen werden, verständlicherweise.

Dass wir dadurch aber nun das Startzeitfenster komplett verpassen, ist etwas ärgerlich. Es entsteht eine grosse Unruhe, als der Pilot deswegen die nächste erhebliche Verzögerung ankündigt. Viele Passagiere nutzen diesen Flug als Zubringer zu den Langstrecken in die USA oder nach Fernost ab Zürich.

 

Schliesslich geht alles doch etwas schneller als erhofft, mit total 45 Minuten Verspätung gehts los. Der Blick aus dem Flugzeug ist sensationell.

Zuhause erwarten uns zwar auch etwas Sonne, dafür eisige Temperaturen. Die Tage in Venedig waren wundervoll und haben den Sonnen- und Energiespeicher etwas gefüllt. Die Kälte hier macht mir allerdings bereits nach kurzer Zeit wieder zu schaffen, aus dem geplanten Spaziergang wird nichts.

 

Was machen wir also? Uns Zuhause mit den Katzen einnisten, The Tourist schauen und Pizza bestellen - ein kleiner Versuch, die tolle Venedigstimmung noch etwas weiterzuziehen. Und nein, es lag nicht nur an Johnny Depp. Venedig ist wunderschön!