Reisebericht Stockholm Oktober 2019

Wenn ich nach meinen Lieblingsstädten gefragt werde, kommt mir Stockholm regelmässig in den Sinn. Vor allem von den bisher besuchten europäischen Städten finde ich die schwedische Hauptstadt eine der schönsten und angenehmsten Destinationen.

 

Die Herbstferien bringen uns deshalb wieder einmal in die Metropole von Schweden. Auch unsere Freundin begleitet uns wie bei unserer letzten Stockholm-Reise wieder. Sie erlernt mittlerweile die schwedische Sprache und freut sich über Anwendungsmöglickeiten.

 

 

Tag 1:

 

Wie schon nach Schottland im August geht auch dieser Easy Jet-Flug wieder so früh los, dass wir erneut mitten in der Nacht nach Basel fahren müssen.

 

Es gibt aber eine freudige Überraschung: Am Gate hat Starbucks eine Filiale eröffnet. Um 05:00 Uhr öffnen sich zum Glück die Pforten und wir können mit einem Chai Tea auf den bequemen Sesseln den Aufruf zum Boarding abwarten.

 

Beim Abflug fliegen wir direkt in einen tollen Sonnenaufgang. Basel sieht von oben frühmorgens aus wie eine Mega-Metropole.

 

Ganze 30 Minuten früher als geplant landen wir in Stockholm.

 

Ich habe bereits vorgängig online Tickets für den Flughafenzug Arlanda Express gelöst, so können wir jetzt direkt einsteigen und haben zudem noch fast die Hälfte des happigen Ticketpreises gespart dabei. Sitzplätze suchen wir vergebens, dafür gibt es frühmorgens zu viele Passagiere.

 

Unser Hotel Radisson Blu Waterfront ist direkt durch den Hauptbahnhof erreichbar.

 

 

Etwas, was an Stockholm so toll ist, sind die vielen hübschen Cafes mit den leckeren Gebäcken und Getränken. Wir wollen ins Chokladkoppen, da unser Frühstück etwas mager ausgefallen ist.

 

Auf den Weg nach Gamla Stan haben wir erst etwas Orientierungsschwierigkeiten, finden dann aber unser Ziel durch die verwinkelten Altstadtgassen noch rechtzeitig, um einen freien Tisch zu ergattern.

 

Aus dem geplanten Frühstück wird dann halt eine Nachspeise, die süssen Stücke sehen einfach zu lecker aus. Und sie sind es auch. Auch die liebevolle Präsentation trägt zum Gesamterlebnis bei.

 

Beim Bezahlen meint unsere Freundin: lasst uns einen Wettbewerb daraus machen, wer zuerst sein Bargeld los wird. So richtig klar ist uns (noch) nicht, was sie damit meint.

 

 

Vom Stockholmer Gamla Stan gibt es ein weltbekanntes Bild mit einem orangen und einem gelben Haus. Das Chokladkoppen befindet sich im Parterre des gelben Hauses.

 

Auf dem Weg nach Södermalm stellen wir fest, dass Stockholm im Moment nicht den gewohnten Wow-Effekt hat, sondern einer Grossbaustelle gleicht. Der riesige Verkehrsknotenpunkt Slussen wird umgebaut, und das, wie meine Recherchen ergeben, während ganzen 10 Jahren! Im Jahr 2016 haben die Bauarbeiten begonnen, und vor 2025 werden diese anscheinend nicht beendet sein. Erstbesuchern würde ich demzufolge nicht raten, vor Abschluss der Bauarbeiten nach Stockholm zu reisen. Die Schönheit der Stadt ist deren riesiger Pluspunkt, und davon ist im Moment nichts zu sehen.

 

Der Musikladen Hellstone steht noch, da machen wir unseren obligaten Besuch.

 

Södermalm ist das alternative Viertel von Stockholm, es wird auch Hipster Island genannt. Allerdings gibt es neben den vielen Galerien, Record Stores und kleinen Shops auch einige Designerläden auf dieser Seite von Stockholm.

 

So richtig berühmt wurde die Gegend durch die supererfolgreiche Millennium Trilogie von Stieg Larsson. 

 

Von dieser Stadtseite aus hat man eine tolle Aussicht. Einerseits auf den Freizeitpark Gröna Lund, andereseits auf Gamla Stan.

 

 

 

 

Das Wetter ist prächtig, die Sonne strahlt mit voller Kraft. Trotzdem trügt der Schein, es weht ein beissender Wind am Wasser und die Temperaturen sind auch um einiges frischer als in der Schweiz. Auch noch am letzten Wochenende Ende September hatten wir daheim über 20 Grad. Ich "Gfrörli" bin froh, dass ich meine Handschuhe und die Mütze vorsichtshalber eingepackt habe.

 

Wir sind uns alle einig, es ist Zeit für eine Essenspause an der Wärme.

 

 

 

 In der Altstadt Gamla Stan laufen wir per Zufall an den Science Fiction Bokladen und erahnen von Draussen nicht, was uns hier erwartet. Der Bücherladen ist riesig und der Wahnsinn! Eine Topmischung aus Anime, Aliens, Drachen, Game of Thrones- und jeglich anderem Merchandise und tonnenweise Büchern in schwedisch, japanisch und englisch. Ein Volltreffer für uns. Und auch für viele andere - am lautstarksten freut sich eine Basler Familie über die tolle Auswahl an Star Wars-Artikeln.

 

Ansonsten gibt es auf dieser Stadtseite keine grossen Überraschungen und Highlights an Shops, dafür empfiehlt sich tatsächlich eher das Hipster-Viertel Södermalm.

 

Am Stockholmer Schloss vorbei gehen wir zurück in Richtung Hotel.

 

Unser Schwesterhotel Radisson Blu Royal Viking hat eine schöne Bar, welche als Rooftopbar angepriesen wird.

Wir finden, dass ein Drink vor dem Konzert nicht schaden kann. Hoch ist das Rooftop nicht gerade, aber dafür haben wir einen schönen Blick auf unser Waterfront Hotel. Zudem gibt es den feinen schwedischen Hernö-Gin. Wir beschliessen, statt den diversen Vorbands lieber noch einen zweiten Drink zu geniessen.

 

Als die Rechnung kommt ahnen wir, was unsere Freundin gemeint hat. Bargeld wird hier nicht akzeptiert.

 

Schliesslich machen wir uns mittels Uber-Taxi doch noch auf den Weg zum Fryshuset Klubben, wir wollen uns As I Lay Dying anhören.

 

Die Tix können wir nur mit dem Zahlsystem Swish oder bar bezahlen, was uns jetzt etwas irritiert. Morgen werden wir darüber noch froh sein. Wir lassen Cash da und unsere Freudin hat den Wettbewerb gewonnen, kein Bargeld mehr. Als wir in die Halle wollen, werden wir nicht eingelassen mit den Jacken. Abgabezwang, kostenpflichtig. 

Pünktlich zu Chelsea Grin sind wir drin und schliesslich ist es soweit: As I Lay Dying sind zurück. Nach dem mehrjährigen Gefängnisaufenthalt von Tim Lambesis hat die Band vor Kurzem mit Shaped by Fire ein neues Album veröffentlicht und bewiesen, dass sie es nach dem langen Unterbruch noch voll drauf haben. Die Muskelprotze sind live der Hammer!

 

Tag 2:

 

Das Frühstücks-Buffet im schönen Radisson Blu Waterfront Hotel ist mega. Da heute das Wetter nicht so gut werden soll, bleiben wir lange sitzen und holen uns immer wieder neue Köstlichkeiten. Auch der Tee ist phänomenal. Es ist zwar etwas teurer, aber jeden schwedischen Kronen wert. Natürlich darf auch hier der Kanelbullar nicht fehlen.

 

Die leckeren Zimt-Kardamom-Schnecken haben sogar einen eigenen Feiertag hier in Schweden. Diesen verpassen wir aber knapp - er ist am 4. Oktober.

 

Ich bin mutig und probiere mich auch durch die verschiedenen Fischprodukte durch. Nur für den Kaviar kann ich mich irgendwie nicht begeistern.

 

 

 

Heute ist es zwar nicht ganz so sonnig, dafür windstill. Viel zu warm eingepackt spazieren wir via Strandvägen in Richtung Djurgarden.

 

Vom gemeldeten Dauerregen ist noch nichts in Sicht, also bummeln wir noch etwas den schönen Wasserwegen entlang und geniessen den Blick auf die Stadt.

 

Von hier aus ist auch bis auf ein paar Baukräne nichts von der Slussen-Grossbaustelle zu erkennen.

 

 

 

Das Abba-Museum hat uns beim letzten Mal grossen Spass gemacht, perfektes Schlechtwetter-Programm also. Einen Teil der Ausstellung haben wir auch tatsächlich noch nicht gesehen, zum Bespiel ist ein grosser Mamma-Mia-Teil neu dazugekommen. Dafür suchen wir jetzt die Hall of Fame vergebens.

 

Natürlich versuchen wir uns wieder mit Singen und Abmischen. Die interaktiven Aktionen sorgen für viele Lacher und Toplaune. Hier kann man echt die Zeit vergessen.

 

Verpasst haben wir während unserem langen Museumsbesuch nichts, jetzt regnet es nämlich. Wir besuchen zum Abschluss noch den Abba-Merchandise-Store, man kann hier tatsächlich Replika der schrillen Klamotten aus den 70ern kaufen. 

 

Und dann machen wir es halt wie die Schweden und machen Fika. Das schöne Grand Hotel bietet sich dafür perfekt an.

 

Nach Wikipedia: FIKA =  Unterbrechung einer Tätigkeit, um mit der Familie, mit Freunden oder mit Kollegen Kaffee oder, seltener, ein anderes Getränk zu sich zu nehmen. Zum Kaffee wird oft eine Süßigkeit, Fikabröd genannt, meistens ein Süßgebäck oder Kuchen, zu sich genommen.

 

Auch hier werden wir unser Bargeld nicht los.

So richtig besser wird es wettertechnisch im Moment nicht mehr, also machen wir ein kurze Pause im Hotel, bevor wir in Richtung Flippin' Burgers losziehen. Unsere Freundin hat viele Freunde hier in Schweden, drei von Ihnen treffen wir in diesem superangesagten Burger-Laden zum Nachtessen.

 

Reservieren kann man hier nicht, also stapfen wir auf gut Glück frühzeitig durch den Regen nord-wärts. Als wir ankommen, beträgt die Wartezeit bereits 30-45 Minuten. An der Bar lässt es sich gut aushalten. Nach und nach treffen die anderen ein und wir stimmen uns bei phänomenalen Burgern auf das nächste Konzert ein.

 

 

Wir ziehen alle zusammen weiter - im Pub Anchor spielen heute Noice. Die Band war in Schweden vor einigen Jahren richtig gross, entsprechend ist auch der Andrang. Immerhin wurde das Pub vergrössert seit unserem letzten Besuch. Die Stimmung ist super, die schwedischen Texte werden lautstark mitgesungen.

 

Bargeld sind wir übrigens wieder nicht losgeworden. So war sowohl im Flippin' Burgers sowie jetzt auch hier im Pub Anchor nur Kartenzahlung oder Swish möglich. Kassen? Fehlanzeige.

 

Tag 3:

 

Heute fliegen wir schon Vormittags zurück, das Top-Frühstück wollen wir aber trotzdem nicht verpassen. Also stehen wir um 06:30 Uhr auf der Matte. Zum Schluss lassen wir uns noch einen weiteren feinen Tee in Becher To Go abfüllen. Kanelbullar würde ich am liebesten auch noch ein Paar einstecken...

 

Wir haben immer noch Bargeld und wollen dieses nun halt an Zahlung für den Hotelaufenthalt geben. Doch wie schon geahnt, will auch die Radisson Blu-Kette kein Cash.

 

Es wird Zeit, um aufzubrechen, weit kommen wir allerdings nicht. An der Arlanda Express-Station treffen wir auf eine Schlange mit langen Gesichtern. Totalausfall - alle Züge ersatzlos gestrichen. Ein Taxi-Fahrer wittert sein Geschäft und bietet uns sofort eine Fahrt an für 150 CHF. Die lange Schlange ist nämlich die Warteschlange für Taxis...

 

How've you bin?, fragt der Mülleimer. Better, actually.

 

Wo sonst schön aufgereit die Taxis stehen am Bahnhof, herrscht gähnende Leere. Was nun?

Sofort bestellen wir ein Uber, welches sich aber nicht vom Fleck bewegt. Parallel versuchen wir Taxis anzuhalten und den Bus- und Flixbus-Fahrplan herauszufinden. Der Bus fällt weg, die Fahrdauer ist zu lange. Also wedeln wir weiterhin jedem Taxi zu und hoffen gleichzeitig, dass unser Uber-Fahrer bald in die Nähe kommt.

 

Nach 20 Minuten haben wir Glück, ein Taxifahrer wurde zu einem Hotel vorbestellt, der Gast ist aber nicht erschienen. Er fährt uns zum normalen Tarif nach Stockholm Arlanda. Und er nimmt sogar Bargeld! 

 

 

Kaum losgefahren, folgt die nächste Ernüchterung: Rush Hour und Taxis soweit das Auge reicht sorgen für Stau auf der Autobahn zum Flughafen. Zum Glück wird es ausserhalb der Stadt rasch besser.

 

Die Wartezeit bei der Sicherheitskontrolle wird ausserdem mit 0-1 Minuten angezeigt aktuell, somit entspannt sich die Lage merklich. Wie immer reisen wir ohne Gepäck, was sich zusammen mit der Einplanung von genügend Zeit vor Flügen wieder mal richtig ausbezahlt. Wir schaffen es trotzt allem sogar noch mit einer Zeitreserve zum Flughafen. Nach der Aufregung fallen wir mit müden Augen in die Sitze.