Reisebericht St. Petersburg und Moskau Juli 2019

 

Einmal den roten Platz sehen, wer möchte das nicht. Dass wir dafür ein Visum brauchen, hat uns bisher davon abgehalten. Nicht so jetzt - wir buchen Flüge nach St. Petersburg / Moskau und machen uns schlau, was es nun alles zu tun gibt.

 

Es gibt unzählige Anbieter, die Visaservice anbieten und einem somit für teures Geld einen Teil der Arbeit abnehmen. Ich will es zuerst auf eigene Faust versuchen und halte mich dabei an die Vorgaben vom VHS Switzerland, dem russischen Visazentrum in Bern.

 

 

 

 

 

Die erste Hürde: Man braucht eine Einladung aus Russland. Das stellt sich als Formsache heraus, für Geld erhält man diese sofort zugemailt. Ich habe unsere hier angefordert, das hat direkt geklappt und war erst noch kostenlos. Danach braucht es detaillierte Bestätigungen von der Krankenkasse und Assistanceversicherung sowie eine Flug- und Hotelbestätigung.

 

Den ausgefüllten Visumsantrag zusammen mit dem Originalpass und allen Unterlagen muss man dem VHS Switzerland einreichen. Ich entscheide mich für den persönlichen Weg und spreche in Bern direkt vor. Bis auf eine kleine Textanpassung in der Versicherungsbestätigung hat die Dame am Schalter nichts einzuwenden. Mit einem etwas mulmigen Gefühl lasse ich unsere Pässe da.

 

Zwei Wochen später schauen wir vor einem Konzertbesuch beim VHS vorbei uns siehe da, unsere Visen sind da.

 

Es braucht zwar Zeit und einige Formulare um an ein Visum zu kommen, eine riesen Hexerei ist es schlussendlich aber doch nicht.

Tag 1: St. Petersburg

 

Jetzt geht es endlich los, nach gründlicher Pass- und Visumskontrolle bringt uns die Swiss pünktlich nach St. Petersburg. Hier erwarten uns nach dem rund dreistündigen Flug statt Sonne und blauem Himmel rabenschwarze Wolken. Kaum sitzen wir im Taxi öffnen sich die Schleusen und es giesst wie aus Eimern.

 

Wir checken erstmal im Swiss Star B&B ein, welches gut gelegen am Fontanka Fluss liegt.

 

Als das Gewitter vorbei ist, ziehen wir los.

Nach 20 Minuten erreichen wir die Isaaks-Kathedrale, deren auffällig goldener Dom das Stadtbild prägt.

 

Durch den schönen Alexandergarten geht's weiter zur Newa. Dabei passieren wir die Statue des ehernen Reiters und stellen fest, dass hier für Festivitäten aufgebaut wird. Wie wir erfahren, findet Ende Woche eine grosse Navy-Parade statt, was auch die grossen Militärschiffe erklärt. 

 

Über die riesige Palastbrücke erreicht man via Vasilyevskyinsel und Petrograd Side die Peter & Paul-Festung. Hier herrscht Sommerstimmung.

 

 

 

Am Strand mit bester Sicht auf die Eremitage wird gebadet und relaxt. Per Zufall stossen wir auf eine grossartige Sandburgen-ausstellung. Die Festung wird auch Haseninsel genannt, diese sind hier in allen Formen omnipräsent - nur nicht als Fellknäuel.

 

Über die Troitskyi Brücke gehen wir retour in die Innenstadt zum Marsfeld mit der Eternal Flame. Diese erinnert an alle Kriegs-gefallenen in St. Petersburg.

 

Die Blutskirche mit den Zwiebeltürmen sorgt für Enttäuschung, der Mittelturm ist eingerüstet. Die Optik ist getrübt, da hilft auch kein drumherum fotografieren. Ausserdem ist es hier unglaublich voll. Wir suchen das Weite und überlegen, der Eremitage einen Spontanbesuch abzustatten. Eine Stunde vor Schliessung werden hier keine Tickets mehr verkauft, daraus wird also nichts. Dafür lebt der Platz davor so richtig, Strassenmusiker, Künstler, Kutschenfahrer - alle werben um die Gunst der Touristen.

 

 

Wir biegen auf die grosse Strasse Newski-Prospekt, sozusagen die Oxford Street oder 5th Avenue von St. Petersburg ein und lassen uns mit der Menge treiben.

 

Bald erreichen wir die Kazankathedrale und das Singerhaus. So langsam haben wir ein Gefühl für die Distanzen und die Stadt - man kann Vieles gut zu Fuss machen.

 

Beim Einkaufszentrum Gostiny Dwor finden wir eine Pischki-Bäckerei. Diese sündhafte Köstlichkeit müssen wir jetzt unbedingt probieren!

Nun ist der Hunger geweckt, wir halten Ausschau nach einem Lokal fürs Abendessen. Wir pirschen die Strassen rauf und runter und kaufen erstmal eine Dose Gin/Grapefruit (ähnlich dem köstlichen Lonkero in Finnland) zum Apero und suchen weiter.

 

Das erlösende Schild: Tokyo City! Das Restaurant ist bis auf den letzten Platz gefüllt, wir müssen auf unseren Tisch warten. Zum Glück haben wir mit den Getränken vorgesorgt.

 

Nach dem super Essen und einem zweiten Dessert fallen wir nach über 30000 Schritten ins Bett.

 

 

Tag 2: St. Petersburg / Peterhof

 

Die weissen Nächte sind gerade vorbei, es ist in der Nacht kaum dunkel geworden. Dazu ist auch die Unterkunft dermassen ringhörig, dass erholsamer Schlaf nicht möglich war.

 

Einige Wolken sorgen für kühle Luft. Während wir Zuhause gerade 37 Grad haben, ziehen wir hier mit langen Ärmeln los zum Morgenspaziergang.

 

Die Nikolaus-Marine-Kathedrale hat bereits einige Besucher. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Mariinski-Theater.

 

 

Am Admiralty Embankment gibt es kaum mehr ein Durchkommen, grosse Tribünen sind aufgebaut und der Durchgang ist fast vollständig abgesperrt. Die Militärschiffe sind besetzt mit vielen Soldaten und auch ein U-Boot ist jetzt vor Ort.

 

Wir wollen mit dem ersten Schiff zum Peterhof und finden glücklicherweise direkt auf Anhieb das richtige Pier. Die Fahrt dauert ca. 40 Minuten und ist der direkteste Weg dorthin. Da die Boote sehr schnell fahren, fühlt es sich eher an wie fliegen als Schiff fahren.

 

Uns interessiert der Lower Garden mit den vielen prunkvollen Brunnen - die Tickets dafür haben wir bereits online gekauft. Obwohl man von langen Schlangen an den Kassen hört, sind noch kaum Leute vor Ort, als wir die Anlage erreichen.

 

Die Fontänen beginnen Punkt 11:00 Uhr mit Musik zu laufen, vermutlich kommen viele Touristen erst auf diese Zeit. Wir geniessen jetzt erstmal die Ruhe und erkunden gemütlich die tolle Parkanlage.

 

Eichhörnchen spekulieren auf Futter und sind richtig handzahm.

 

Zurück in St. Petersburg sind die Proben für den Navy Day in vollem Gange. Untermalt von Blasmusik laufen die Soldaten ihre Choreo-graphien ab.

 

Wir schauen nochmal bei der Eremitage vorbei, treffen jetzt aber auf enorme Warteschlangen. So wichtig ist es uns dann doch nicht, zudem beginnt es gerade leicht zu regnen.

 

Zeit für eine Mittagspause vor dem Palastplatz.

 

Sankt Petersburg wird wegen der vielen Brücken auch Venedig des Nordens und Venedig des Ostens genannt. Tätsächlich hat es eine grosse Äjnlichkeit mit der italienischen Stadt.

 

Eine besondere Brücke verbindet die beiden Seiten des Gribojedow-Kanals - die Greifenbrücke. Wegen der unmittelbaren Nähe zur Bank wird diese Fussgängerbrücke auch Banksbrücke genannt.

 

Die goldenen Flügel der vier Greifen sollen bei der Berührung Glück bringen.

 

Wir haben den Tipp erhalten, das Fabergé Museum zu besuchen. Weniger wegen der ausgestellten Kostbarkeiten als wegen der imposanten Räume. Man erhält hier einen Einblick in die Art der russischen Paläste, ohne jedoch stundenlang Schlange stehen zu müssen und mit unzähligen Gruppen durch die Räume geschoben zu werden.

 

In der Tat ein Megatipp - das Innere des Gebäudes ist der Wahnsinn und Leute hat es auch kaum!

 

Nach dem überraschend tollen Museumsbesuch kommt uns das Restaurant Sibirskaya Korona gerade recht, wir wollen jetzt das russische Bier probieren.

 

Nach der Pause erkunden wir nochmals etwas die Newski-Prospekt und entdecken dabei den Delikatessenladen Kuptsov Yeliseyevykh. Nicht nur das Interieur, sondern auch die wünderschon präsentierten Leckereien sind einen Besuch wert. Wir können es nicht sein lassen und kaufen etwas zum Naschen. Man muss echt sagen, Russland hat Gebäck so richtig im Griff!

 

Wir machen es wieder wie gestern und verspeisen das Dessert schon vor dem Nachtessen.

 

 

 

Tag 3: St. Petersburg - Moskau

 

Die Brückenöffnung der Klappbrücken, das gehört zu St. Petersburg. Mit allen Argumenten überzeuge ich meinen Freund, um 4.00 in der Früh loszuziehen, um dieses Spektakel zu sehen.

 

Wir wollen uns mit Uber zur Palastbrücke fahren lassen, stellen aber erstaunt fest, dass diese App hier sofort auf Yandex Taxi umgeleitet wird. Damit klappts auch, noch vor der offiziellen Schliessungs-zeit sind wir oben.

 

Hier die nächste Überraschung, die Brücken sind gar nicht offen! Die Newa ist wegen dem Navy Day wohl für den Schiffsverkehr geschlossen....

 

Hätte man vielleicht selber draufkommen können, wenn man schon die ganze Zeit riesige Militär-schiffe auf dem Fluss verteilt angeschaut hat. Dieser Ausflug wird mich wohl etwas kosten...

 

Dafür kommen wir in den Genuss der wunder-baren Morgenstimmung. Mit Yandex Taxi fahren wir nun wieder zurück ins B&B, wo ich mir erstmal einen Tee koche. Mein Freund verkriecht sich zurück ins Bett.

 

Bevor unser Zug nach Moskau fährt, bleibt noch etwas Zeit. Wir nutzen diese, um nochmal etwas durch die Strassen von St. Petersburg zu bummeln und letzte Eindrücke von dieser schönen Stadt zu sammeln.

 

Nach einem halbstündigen Fussmarsch erreichen wir den Bahnhof Moscow Station. Nach einem Tee und drei Sicherheitskontrollen dürfen wir in den Zug einsteigen. Good Bye St. Petersburg!

 

 

 

Der Superschnellzug SAPSAN bringt uns in knapp vier Stunden nach Moskau. Die Züge sind ähnlich wie in Japan, komfortabel und sehr pünktlich. Beim Aussteigen ist aber schnell klar, dass wir nicht in Japan sind. Am Bahnsteig gibt es kaum ein Durchkommen, Passagiere und Gepäck überall.

 

Direkt beim Hauptbahnhof Lenningrad Station befindet sich die erste Sehenswürdigkeit, die Metrostation Komsomolskaya. Fast alle U-Bahnstationen sind hier sehr sehenswert, aber diese soll die Schönste sein.

 

Wir fahren bis zur Station Okhotny Ryad und landen direkt beim roten Platz. Die U-Bahn-Ausgänge sind beschildert, mann muss nur den richtigen Nummer folgen, um zum gewünschten Ort zu gelangen.

 

Als wir die Treppe hochkommen sind wir schon beeindruckt, die roten Gebäude strahlen einem direkt entgegen.

 

Ein Tor trennt uns jetzt noch von dem roten Platz. Überwältigend!

 

 

Wir lassen die Eindrücke auf uns wirken, bevor wir über die Brücke Bolshoy Moskvoretsky zu unserem Hotel Baltschug Kempinski spazieren.

 

Nach einigen gelesenen Moskauer-Reiseberichten haben wir uns dazu entschlossen, ein gutes Hotel zu buchen. Dass wir aber mitten in der Grossbaustelle der Brückensanierung landen, haben wir bei der Buchung leider nicht gewusst.

 

Die Lobby ist pompös, ebenfalls die anderen Gäste. Wir werden mit schrägen Blicken gemustert, von Mitgästen wie auch Personal. Im Zimmer liegen Wasser, Äpfel und eine persönliche Willkommensnachricht bereit für uns.

 

 

I follow the Moskva, down to Gorky Park...man kriegt den Ohrwurm von den Scorpions nicht aus dem Ohr wenn man hier lang geht.

 

Vor dem Gorky Park fesselt uns die Grünfläche rund um die New Tretyakov Gallery mit den vielen Skulpturen.

 

Als wir im Gorky Park flanieren, ziehen düstere Wolken auf. Die überdachte Brücke kommt gelegen, mir entkommen den Tropfen auf dem Weg zur U-Bahn-Station Fruzenskaya.

 

Das Metronetz ist erstaunlich, kaum ist eine Bahn weggefahren, fährt direkt die Nächste ein. So kurze Intervalle habe ich noch nirgendwo gesehen auf der Welt bisher. Echt komfortabel, um von A nach B zu gelangen.

 

Zudem sind die Stationen auch noch so schön, auch die aktuelle Umsteigestation Kievskaya ist wieder ein Prachtsexemplar.

 

Moscow City ist das Wolkenkratzer-Viertel von Moskau. Wir hoffen auf eine Rooftop-Bar, finden aber leider keine. Es handelt sich um das Bussiness- und Shoppinggebiet.

 

Wer auf Hochhäuser steht, sollte hier so oder so kurz halt machen. Die Fassaden reflektieren wunderbar in der Sonne - Grossstadtfeeling.

 

Wir nehmen die U-Bahn zur alten Arbat Street. Hier erwarten uns Strassenkünstler und ein Urban Garden. Ganz hübsch gemacht, allerdings ziemlich voll.

 

Die Fussgängerstrasse Nikolskaya Street  ist mit Weihnachts-dekoration behangen...keine Ahnung was das soll. Die Touristen scheinen es zu lieben.

 

Wir suchen uns etwas zu Essen und ziehen noch ein paar Runden durch das wunderschöne Luxuskaufhaus GUM. Vor dem Louis Vuitton-Store wurde das Logo aus Blumen angepflanzt, eine schöne Idee.

 

Am Abend kann man auf dem roten Platz gut Fotos schiessen, die meisten Touristen sind weg und die Absperrungen vor der Basiliuskathedrale ebenfalls.

 

In der Hotelbar genehmigen wir uns zum Abschluss noch einen Vodkacocktail.

 

Tag 4: Moskau

 

Wir starten mit einem Spaziergang zur Ustjinski-Brücke, wo man eine Topsicht auf das Gebäude der Lomonossow Universität hat.

 

Auf dem Rückweg geniessen wir die schöne Atmosphäre im Sarjadje-Park. Diese wunderbare Grünanlage ist direkt gegenüber vom roten Platz. Wegen der verschiedenen Ebenen erinnert sie ab und zu an die Highline in New York.

 

Wir haben Tickets für den Kreml vorbestellt, diese müssen wir nun an einem Schalter umtauschen.

 

Anstehen ist nicht der Russen Sache, ständig wird gedrängelt und gar mehrmals einfach dreist an die Spitze der Schlange gegangen mit der Begründung, sie hätten schliesslich eine Gruppe zu leiten. Ich bin eigentlich ganz gut im Ellbogenausfahren, aber das war schon ein anderes Level hier.

 

Die Schlange am Schalter ohne Vorreservation ist endlos!

 

Hinter dem roten Platz befindet sich das bekannteste Theater Russlands, das Bolschoi-Theater. Hier werden Opern und Balletvorstellungen vorgeführt.

 

Sogar Kirschblüten gibt es hier für mich, zwar aus Plastik, trotzdem freue ich mich über die schöne  japansiche Eingangsdekoration.

 

Ein letztes Mal spazieren wir über den roten Platz, bevor wir im Hotel auschecken.

 

 

 

 

Von der Paveletsky Station aus fährt später unser Zug zum Flughafen. Wir bummeln gemütlich in diese Richtung und passieren dabei viele Baustellen, Einkaufszentren und ein Restaurant, wo wir trotzt Verständigungsproblemen Pause machen.

 

Es zahlt sich aus, das russische Alphabet vor der Reise zu lernen. Es ist praktisch alles nur in kyrillisch angeschrieben.

 

Mit Verspätung fliegen wir los und fliegen direkt auf Gewitterzellen zu. Der Pilot entscheidet sich deshalb für eine andere Flugroute und wir erreichen Zürich schliesslich unbeschadet am späteren Freitagabend.

 

Die Reise war toll, es war spannend, ein neues Land kennenzulernen und festzustellen, dass Russland als Tourist einfach und komfortabel zu bereisen ist.

 

Leider ist es ziemlich unruhig, nur einen Tag später gab es eine Grossdemonstration mit 1300 Verhaftungen.