Reisebericht Barcelona Juli 2013

Barcelona. Eine Destination, die seit vielen Jahren auf meiner Reisewunschliste stand. Kaum jemand in unserem Umfeld hat die Stadt noch nicht bereist, der Tenor ist einstimmig äusserst positiv. Ganz spontan entscheiden wir uns deshalb dafür, uns jetzt endlich selbst ein Bild von der spanischen Stadt zu machen. Expedia bietet 30% Rabatt auf Flug+Hotel-Kombi, also lassen wir uns nicht zweimal bitten. Für die Reisevorbereitung bleiben jetzt keine zwei Wochen mehr, für mich eine ganz neue, aber auch sehr spannende Ausgangslage. Jetzt kommt es mir mal wieder zu Gute, dass ich Reiseführer immer auf Vorrat einkaufe. Systematisch stöbere ich im Schlussverkauf jeweils nach Lonely Planets, Marco Polos, Polyglotts & Co. - so findet sich für zahlreiche Destinationen Literatur in meinem Bücherregal. Zwei Reiseführer und das Internet bilden nun die Basis, zusätzlich deckt mich eine liebe Freundin noch mit Stadt-, Bus- und Metroplänen, einem weiteren Reiseführer und diversen Prospekten ein.

Sowohl aus Reiseführern wie auch persönlichen Berichten geht hervor, dass in Barcelona Diebesbanden ihr Unwesen treiben und äusserste Vorsicht geboten ist. Wir nehmen diese Tatsache zum Anlass, noch spartanischer als sonst zu verreisen. Die teure Kamera, das Ipad und Schmuck bleiben zu Hause, das restliche Reisegepäck findet Platz in zwei Umhängetaschen.

 

 

Tag 1:

Aus dem Vorhaben, am Samstag früh gemütlich zum Flughafen EuroAirport Basel zu fahren wird

leider nichts, die für die Sicherheitskontrolle zuständige Firma Samsic kündigt einen Streik an. Extra früh fahren wir wie empfohlen also los und werden mit lauten Pfiffen, Trommeln und Plakaten empfangen. Schlimmer als Guggenmusik während der Fasnacht, und das morgens um 06.30! Es klappt trotzdem alles einwandfrei, das Ersatzpersonal arbeitet speditiv und schlussendlich sitzen wir eine Stunde am Gate und warten auf den Abflug mit Swiss.

Schon kurz nach 09.00 steigen wir in Barcelona in ein Taxi, welches uns um den steilen Fussmarsch zu vermeiden direkt zur ersten Sehenswürdigkeit, dem Park Güell  fährt. Die von Antonio Gaudi erbaute kreative Parkanlage kennt man von zahlreichen Bildern. Vom Terassenbereich aus geniessen wir einen ersten tollen Blick über die Stadt inkl. Meerblick. Die geschwungenen Schlangenbänke mit Bruchmosaiken, die Echse am Eingang, die naturnahen Formen und die eigentliche Grünanlage sorgen für einen wunderbaren ersten Eindruck. Talwärts ist bekanntlich weniger anstrengend, zu Fuss suchen wir jetzt die Metro-Station Lesseps. Wir entscheiden uns für eine 10er-Karte, so sparen wir gegenüber den Einzelfahrten über 10 EUR.

Wir fahren nach Drassanes, ganz in den Süden der Stadt. Die Kolumbussäule Drassanes Reials de Barcelona weist uns den Weg zum Port. Wir werfen einen ersten Blick aufs Wasser, bevor wir uns ins Getümmel der berühmtesten Strasse Barcelonas begeben. La Rambla bietet neben vielen Touristen, Marktständen und Restaurants auch sehr viel Sehenswertes:

 

Palau Güell: Wie so vieles hier ist auch das Stadthaus Palau Güell ein Werk Gaudis. Auf dem Dach sind kleine Lüftungstürmchen im ähnlichen Stil des Park Güells, die Eingangspforte ist mit einem schmiedeisernen Drachen mit kalatonlischer Flagge geschmückt.

 

Plaça Reial: Das Zentrum des Platzes bildet der Drei-Grazien-Brunnen. Die Palmen, die Cafés, die Sitzbänke und und nicht zuletzt die Gaudi-Laternen lassen mediterranes Flair aufkommen. Ein gemütlicher Platz, um sich eine Erfrischung zu genehmigen.

 

Casa Bruno Quadros (Casa dels Paraigües): Das Haus der Regenschirme gefällt uns sehr gut. Das asiatische Design mit dem auffälligen Drachen sieht super aus! Früher wurden hier tatsächlich Regenschirme verkauft.

 

Mercat de la Boqueria: Auf diesem riesigen überdachten Markt türmen sich frische Obstberge, Gemüse, Fleisch, Käse und natürlich die berühmten Fruchtsäfte. Wir probieren Erdbeer-Bananensaft sowie frische Erdbeeren mit Kokosnuss. Ein Genuss für Auge und Gaumen. Top!

 

Museu d'Art Contemporani de Barcelona: Das Museum für zeitgemässe Kunst wirkt auf mich zwischen all den antiken Bauwerken wie ein Fremdkörper im El Raval-Viertel. Hier finden primär Sonderausstellungen, Projekte und Workshops statt.

Das Stadtzentrum Plaça de Catalunya bildet den Abschluss der Rambla. Hier tummeln sich zahlreiche Cafés, Shops und Restaurants. Wir nutzen die Gelegenheit, und legen hier unsere Mittagspause ein.

 

Nun bewegen wir uns weiter nördlich - die Passeig de Gràcia ist eine Einkaufsstrasse mit weiteren interessanten Sehenswürdigkeiten dazwischen. Auf halber Höhe signalisieren uns die Touristenströme Gaudis Casa Battlò, ein Bauwerk mit einer interessanten Fassade. Die kleinen Balkone sehen aus wie Totenköpfe und erobern sofort mein Herz. Bis jetzt mein Lieblings-Gaudi-Werk!

 

Bereits im Vorfeld haben wir Tickets reserviert für das nächste Gaudi-Gebilde Casa Milà (La Pedrera). Schlange stehen können wir uns so ersparen, wir werden direkt in den beeindruckenden Innenhof gelassen. Ein Fahrstuhl bringt uns auf das berühmte Dach, wo uns die Lüftungsöffnungen in Form von Skulpturen und ein schöner Blick auf die Sagrada Familia und den Torre Agbar erwarten.

 

Nach dem Ausstellungsrundgang genehmigen wir uns eine Erfrischung, vor allem auf dem Dach sind wir ganz schön ins Schwitzen gekommen.

Mit der Metro fahren wir nun zum Arc de Triomf, welcher anlässlich der Weltausstellung 1888 erbaut worden ist. Die von Palmen gesäumte Promende sieht richtig schön aus, so ungefähr stelle ich mir Marroko vor. Irgendwann will ich mir auch davon ein Bild machen. 

 

Jetzt wollen wir aber zuerst hier in Barcelona einchecken. Nachdem wir in London mit dem Hotel K+K George sehr zufrieden waren (danke an dieser Stelle nochmal für den Tipp), haben wir uns auch jetzt wieder für ein Hotel der K+K-Gruppe entschieden. Wir werden nicht enttäuscht, auch im K+K Picasso sind die Zimmer schön und sauber.

Nach einer kurzen Erfrischung im Hotel spazieren wir der lebhaften Promenade des La Barceloneta-Viertels entlang zum Strand. Spannend, man sieht hier wirklich alles. Fast ein kleiner Abklatsch des Ocean Front Walks am Venice Beach. Am Strand wird es noch voller, Handtuch an Handtuch, Liegestuhl an Liegestuhl brutzeln und präsentieren sich die Chicas und Hombres. Die bronzene Fischskulptur und die vielen schönen Restaurants signalisieren uns, dass wir den Port Olimpic erreicht haben.

Nun wollen wir uns nach dem Kurzbesuch von heute Vormittag das Bàrri Gotic-Viertel etwas genauer anschauen. Die Metro bringt uns zurück in die Innenstadt zur Station Jaume I, von hier aus erkunden wir nun die süssen engen Gässchen. Das Schild Best Mojitos of Barcelona animiert uns zu einer Pause im auf sympathische Weise heruntergekommenen L'Antiquari. Das gothische Viertel gefällt mir sehr, die Verzierungen an den Bauwerken und die Gargoyles treffen total meinen Geschmack. Ich knipse was das Zeug hält und fühle mich hier richtig wohl.

Um La Catedral zu betreten werde ich wie bereits in Bangkok dazu aufgefordert, meine Schultern zu bedecken. Glücklicherweise habe ich meine Ärmel dabei und so steht dem Besuch nichts im Wege. Auch hier ist es allerdings nicht anders als sonst, von aussen betrachtet gefallen mir die Kirchen in der Regel besser. Auf dem Vorplatz der Kathedrale werden wir Zeugen eines Sardana Tanzes. Eine Gruppe älterer Menschen hält sich an den Händen und tanzt im Kreis den katalanischen Kulturtanz, begleitet werden sie dabei von einem kleinen Orchester.

Die Eisdiele zwischen den vielen Shops kommt wie gerufen, wir gönnen uns eine süsse Sünde bevor wir die Shops an der Passeig de Gràcia etwas genauer unter die Lupe nehmen.

 

Zurück an der Plaça del Catalunya genehmigen wir uns im berühmten Café Zürich einen Apéro. Sangria schlürfen, die Abendstimmung geniessen und dazu People watching vom feinsten, einfach herrlich.

Nach den Drinks kann ein Happen in den Magen nicht schaden. Das Dachrestaurant im Kaufhaus El corte Inglés hat Panoramafenster, wir wollen versuchen, einen Tisch zu ergattern. Das stellt kein Problem dar, bedient zu werden allerdings schon. Nach einigen Minuten Wartezeit erlaube ich mir, einige Fotos zu schiessen und wir verlassen das Lokal ohne etwas konsumiert oder gar bestellt zu haben. In einem einheimischen Lokal genehmige ich mir stattdessen einen Teller Päella.

 

Kurz nach 21.00 verlassen wir das Lokal um zum Abfahrtsort des Bus Turistic zu gelangen. Leider fühle ich mich nun aber trotzt Apothekenbesuch und Behandlung aufgrund einer schwer entzündeten Brandwunde am Schienbein plötzlich so elend, dass wir die Tour stornieren müssen. Ein kulanter Tourguide schreibt uns eine Erklärung auf die Reservation, im Office von Barcelona Turisme wird uns damit morgen das Geld zurückbezahlt. Wir entscheiden uns notgedrungenermassen für ein Taxi zum Hotel und müssen den Abend vorzeitig beenden. Adios Barcelona by Night :-(.  Wie gut, dass wir so ein wunderbares Hotel gebucht haben und schon so viel von der schönen Stadt gesehen haben heute.

Tag 2:

 

Das Frühstücksbuffet im Hotel K+K Picasso ist super! Frische Obstberge, Sekt, Brötchen und Süssigkeiten bilden für uns den perfekten Start in den Tag. Nach dem Check-Out schlendern wir durch das Born-Viertel, wir wollen das Museu Picasso besuchen. Leider stehen wir vor verschlossenen Türen, also ziehen wir weiter zur Metro-Station Jaume I und fahren zur Plaça de Catalunya um das Office von Barcelona Turisme aufzusuchen. Meinem Bein geht es zwar wesentlich besser, trotzdem will ich lieber keine Gewaltsmärsche mehr machen heute. Wir entscheiden uns anstelle der Rückvergütung für einen Umtausch in Tagestickets für die Buslinien Bus Turistic.

 

Es geht direkt los mit der blauen Linie um im Stadtviertel Eixample die Sagrada Familia aus der Nähe zu betrachten. Das sich seit 1882 im Bau befindende unfertige Meisterstück von Gaudi ist riesig und beeindruckend, allerdings muss ich gestehen, dass ich doch etwas irritiert bin. So viele Reiseführer und Leute schwärmen in den höchsten Tönen von diesem Bauwerk – auf mich wirkt es wie eine üppig verzierte Grossbaustelle. Auf eine Innenbesichtigung verzichten wir – die Eintrittspreise sind stolz und Kirchen nicht unser Fachgebiet. Neusten Prognosen zu Folge wird mit dem Bauabschluss von Barcelonas Sehenswürdigkeit Nr. 1 bis 2026 gerechnet.

 

Der Bus fährt weiter durch das Viertel Gràcia bis zum Abfahrtsort der Tibidabo-Bahn, welche mich an die Cable Cars von San Francisco erinnert. Von hier aus könnte man hoch zum Vergnügungspark Tibidabo, um vom Riesenrad aus einen Panoramablick auf Barcelona zu geniessen. Auf der Weiterfahrt passieren wir das Viertel Sarria, welches früher ein eigenständiges Dorf war. So sieht es auch aus mit dem Dorfplatz, der Kirche und den kleine Läden. Eine hübsche Gegend. Kurz darauf sticht mir ein faszinierendes Garagentor ins Auge, der schmiedeiserne Drache sieht gigantisch aus. Und wie könnte es anders sein? Es handelt sich um den Palau Reial Pavellons Güell von Gaudi.

 

Der nächste Höhepunkt ist für uns keiner, es handelt sich um das Fussballstadion Camp Nou des FC Barcelona. Ach wie bin ich dankbar, dass mein Freund sich ebenso wenig für das runde Leder interessiert wie ich. So bleibt mir ein stundenlanger Stadionrundgang, Museums- und Fanshop-Besuch erspart.

 

An der nächsten Station wechseln wir den Bus, ich bin gespannt auf den grünen Hausberg Montjuïc. Bald erreichen wir die Plaça d'Espanya, ein schöner Platz mit modernen Einkaufszentren und einem grossen Brunnen. Vom Eingangstor zum Messegelände aus geniesst man einen tollen Blick auf den Palau Nacional de Montjuïc. Dazwischen liegt der berühmte Brunnen Font Màgica, dessen farbiges Schauspiel wir ja gestern Abend bekanntlich leider verpasst haben. Die Gegend hier ist wirklich wunderschön! Viele tolle Aussichtspunkte, schöne Häuser mit prächtigen Bepflanzungen und erstaunlich viele Sehenswürdigkeiten.

 

Das Museu Nacional d’Art de Catalunya (MNAC) befindet sich im Palau Nacional. Dieses sehr bedeutende Museum erfreut sich an grossen Besucherströmen. Das Gebäude ist wunderschön – der Ausblick ebenfalls. Ein weiteres Museum befindet sich in unmittelbarer Nähe, das Poble Espanyol. Das Freilichtmuseum sorgt mit Shops, Restaurants und Darbietungen zusätzlich zu der Dauerausstellung für Unterhaltung. Auch im Caixa Fòrum in der ehemaligen Textilfabrik können Ausstellungen besichtigt werden.

 

 

 

Schon von weiten haben wir den verschnörkelten weissen Fernmeldeturm erblickt. Es handelt sich dabei um den Calatrava-Turm, erschaffen vom Architekten Santiago Calatrava. Hier befindet sich aus das olympische Zentrum: Olympiastadion, Palau Sant Jordi und Berant-Picornell-Schwimmbad. 

Nun erreichen wir die Station der Gondelbahn Telefèric de Montjuïc. Die Gondeln transportieren die Touristen vom Hafen hierhin auf den Hausberg. In der Nähe liegt das Museum Fundaciò Joan Mirò, wo man seine Kunstwerke eingehend besichtigen kann. Mit einem Wahnsinnsblick auf den Hafen und das Meer verlassen wir die Grünzone in Richtung World Trade Center, dem Verwaltungsgebäude des wichtigsten Kreuzfahrthafens Europa.

 

Die nächste Station heisst Port Vell. Der Steg am Ende des alten Hafens Rambla de Mar führt zum Aquarium im Unterhaltungszentrum Maremagnum. Wir passieren die Kolumbussäule und den Palau de Mar auf unserem Weg zum alten Seefahrer-Viertel La Barceloneta. Diese Gegend kennen wir ja bereits von gestern und wir verlassen den Bus Turistic ganz spontan an der Station Port Olimpic um ein spätes Mittagessen mit Meersicht zu geniessen. Die Entscheidung fällt auf das Restaurant Shoko – die Einrichtung und Aufmachung sind wunderschön. Wir bestellen Tapas, Suppe und Salat und geniessen während der etwas längeren Wartezeit den traumhaften Ausblick. Hier lässt es sich leben – ein perfekter Sonntagnachmittag!

 

Aber wie es halt so ist im Leben, die Zeit vergeht im Flug wenn man frei hat. So neigt sich jetzt auch unsere Zeit in Barcelona langsam dem Ende zu und wir nutzen ein letztes Mal die Metro und verwerten noch die letzten beiden Fahrten unserer 10er-Karte um zurück zum Verkehrsknotenpunkt Plaça de Catalunya zu gelangen. Die Aerobusse fahren in regelmässigen Frequenzen im Wechsel die Airport Terminals 1 oder 2 an. Mit EUR 5.90 und ca. 30 Minuten Fahrzeit ist dies eine angenehme und preisgünstige Variante für den Flughafentransfer.

Während wir am Gate warten steigt eine Horde junger Girls aus unserem ankommenden Flugzeug und sorgt für einen guten Lacher zum Abschluss. Offensichtlich handelt es sich um eine der zahlreichen Abschlussklassen, sie tragen allesamt selbstgedruckte schwarze T-Shirts mit ihren Namen auf der Rückseite. Auf der Vorderseite sind neben zwei Palmen als Titel Barcelona 2013 und "Sangria, por favor!" aufgedruckt. Definitiv das originellste Abschluss-T-Shirt, was mir im Laufe der letzten zwei Wochen an Bahnhöfen, Flughäfen oder in Städten begegnet ist.

 

Während dem Abflug werfen wir einen letzten perfekten Blick auf den Strand. Als mir während dem Flug plötzlich die Uhr stehenbleibt ist mir nicht mehr ganz wohl – ob das was zu bedeuten hat? Wohl nicht- zumindest sitze ich keine 3 Stunden nach dem Abflug in Barcelona bereits wieder zu Hause auf der Lounge im Garten und geniesse den Sonntagabend.

 

Fazit: Barcelona ist eine superschöne Stadt! Wir haben in den zwei Tagen ohne Stress die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gesehen. Wer viel shoppen, lange am Strand liegen oder viele Museen besichtigen möchte benötigt allerdings sicher 4-5 Tage, um die Stadt geniessen zu können. Für uns war es so perfekt und ausreichend.