Reisebericht Stuttgart Dezember 2006

Leise rieselt der Schnee...oder auch nicht

 

Wir schreiben das Jahr 2006, wie in jedem Winter steht ein Besuch eines Weihnachtsmarktes in Deutschland an. Auf Stuttgart ist die Wahl in diesem Jahr gefallen. Meine Freundin und ich steigen gutgelaunt frühmorgens in den Reisebus, ausgerüstet mit Keksen, einer Thermoskanne Weihnachtstee und Obst.

 

Eine gefühlte Ewigkeit lang sammelt der Bus weitere Passagiere an diversen Stationen ein, bevor wir endlich in Richtung Grenze losfahren. Wir haben einen Chauffeur der ganz lustigen Sorte erwischt, während der Fahrt reisst er ohne Pause flache Witze und erklärt uns ausführlich die Umgebung.

 

 

Auf halber Strecke legen wir einen Kaffeehalt ein, damit sich der Fahrer etwas regenerieren kann. Schnell merken wir, dass sich ein Metalhead und ein Curly Head schlecht in eine altbackene Weihnachtsmarkttruppe integrieren können ;-). Wir sind froh, als es endlich weitergeht und wir den Gruppentisch verlassen können.

 

Um die Mittagszeit erreichen wir Stuttgart bei strahlendem Sonnenschein und 15 Grad! Die Königsstrasse ist lang, wir wollen keine Zeit verlieren und starten direkt mit Shopping, während der Rest der Truppe sich in den Kampf um Christbaumkugeln und Dekoengel stürzt.

So langsam macht sich der Hunger bemerkbar und wir haben Lust auf ein leckeres Sandwich von Subway. Zu diesem Zeitpunkt ist die Kette in der Schweiz noch nicht vertreten, also wollen wir die Gelegenheit hier in Stuttgart nutzen. Wir befinden uns im Zeitalter vor IPhone und fordern deshalb Unterstützung zu Hause an um an die Adresse zu gelangen. So ganz klar haben wir uns wohl nicht ausgedrückt, wir erhalten eine Wegbeschreibung zum Bahnhof und Abfahrtsorte der Strassenbahn...

Schliesslich klappt es doch und wir geniessen die Pause und stillen unseren Hunger.

 

Den Nachmittag verbringen wir ausschliesslich shoppend, auf dem Weihnachtsmarkt interessieren uns sowieso nur die Schokoladenspiesse und der Glühwein, also reservieren wir dafür die letzte Stunde vor der Rückfahrt.

Es ist nun kurz vor 19.00, eine Stunde bis zur Rückfahrt bleibt uns noch. Wir stürzen uns ins Getümmel und kämpfen uns vor bis zum ersten Eierpunschstand. In der dichtgedrängten Menschenmenge leeren wir unsere Tassen und suchen nun einen mit Schokolade überzogenen Früchtespiess. LECKER! Die Augen sind grösser als der Magen, so tragen wir nun neben Einkaufstüten auch noch Schokolade mit uns zum Bus. Für einen letzten Glühwein auf den Weg reicht es noch.

 

Kurz vor 20.00 begeben wir uns zur vereinbarten Haltestelle und stehen allein auf weiter Flur da. Hilflos suchen wir nach unserer Truppe, Fehlanzeige.

 

 

 

 

Es könnte sein, dass der Glühwein unsere Sinne etwas getrübt hat, wir halten es in dieser Situation für die beste Idee, meine Schwester zu Hause in der Schweiz anzurufen. Prustend und von Lachanfällen geschüttelt versuchen wir ihr die Situation zu erklären, während sie nur Bahnhof versteht. Noch während dem Telefonat fährt plötzlich der Bus vor und der Chauffeur stapft in riesigen Schritten auf uns zu und entreisst uns die Shoppingtüten mit dem Kommentar "So, fertig jetz! Wenn es heisst, wir fahren um 20.00 zurück, dann erscheint man nicht erst um 19.59." OK. Lektion gelernt, die Pünktlichkeit der Schweizer erlebt ihren Höhepunkt scheinbar an Weihnachtsmärkten.

 

Jetzt kann sich sicher jeder Leser bildlich vorstellen, wie wir beide dem Fahrer kichernd hinterherdackeln, in den bis auf zwei Sitzplätze restlos besetzten Reisebus einsteigen und von gut 30 Augenpaaren erdolcht werden.

 

Lustig war's, für uns auf jeden Fall :-).