Reisebericht Hamburg März 2013

Tag 1:

 

Unser Chef überrascht uns im letzten Herbst mit der freudigen Ankündigung, dass er uns für zwei Tage zum Betriebsausflug nach Hamburg einladen möchte. Am 19. März ist es soweit, frühmorgens um 06.20 fliegen wir zu siebt mit EasyJet ab Basel in Richtung Norden.

 

Um 08.30 sitzen wir bereits im Hotel Hafen Hamburg und geniessen das leckere Frühstücksbuffet mit Topaussicht auf die Landungsbrücken. Sogar unsere Zimmer sind schon bezugsbereit, so können wir bereits einchecken und das Gepäck deponieren.

Von der Landungsbrücke 1 aus starten wir unsere Hafenrundfahrt mit einer Barkasse der Rainer Abicht Elbreederei GmbH. Unsere Route führt uns zuerst zur Cap San Diego, dem noch fahrtüchtigen Museums- und Hotelschiff im Hamburger Hafen. Noch immer legt der fünfzig Jahre alte Kahn mehrmals jährlich ab zu Gästefahrten.

 

Die Miss Louisiana Star und viele weitere eindrückliche Schiffe können wir auf dem Weg zur Speicherstadt begutachten. Dank optimalem Wasserstand ist eine Durchfahrt heute zur Freude von uns allen möglich.

 

 

Meine Vorfreude auf die Hafenrundfahrt hielt sich in Grenzen, auf dem Wasser halte ich mich freiwillig nicht auf. Nun muss ich aber gestehen, die Fahrt auf den schmalen Kanälen zwischen den roten Backsteingebäuden hindurch ist echt eindrucksvoll!

 

Bis heute lebt kein einziger Hamburger hier, die Räume werden zur Lagerung von Teppichen oder anderen Waren sowie als Museen genutzt. Einige der zahlreichen Museen habe ich hier bei meinem Besuch vor 5 Jahren erkundet.

 

 

Auch das Hamburger Skandalprojekt Elbphilharmonie in der Hafen City liegt auf unserem Weg, die Basler Architekten Herzog & De Meuron, die übrigens auch das Bürogebäude in dem ich arbeite designt haben, haben sich hier bei der Planung ordentlich verkalkuliert. Der Unmut der Hamburger ist gross, die Kosten explodieren und die geplante Eröffnung ist nun frühstens für Frühjahr 2017 geplant.

 

Vorbei am Domizil von Greenpeace, dem Hamburger Fischmarkt und den alternativen Häuserreihen fahren wir nun zu den grossen Frachtern.

Der gigantische japanische Frachter Hammersmith Bridge wird mit gut 8000 Containern beladen, ein beeindruckendes Spektakel. Der Bootsspeaker informiert uns darüber, dass die Verschiffung eines in Bangladesch gefertigten T-Shirts nach Europa gerademal 2 Cent kostet.

 

Nach einer guten Stunde Sitzen an Bord entscheiden wir uns für einen kleinen Spaziergang zum Michel. Der Wettergott ist uns leider nicht hold, Schneeregen und eisiger Wind sorgen dafür, dass wir bald eine Pause in der originellen Gaststätte Marinehof einlegen.

Nun steht eine Stadtrundfahrt mit der blauen Linie an. Zu siebt dauert es manchmal etwas länger um von A nach B zu gelangen, und so verpassen wir den Bus um knappe 2 Minuten. Die Wartezeit verkürzen sich einige von uns mit einem Gläschen Sekt, ich ziehe einen heissen Chai von Starbucks vor und schaue den Gänsen auf dem Rathausplatz zu.

 

Als der Bus schliesslich einfährt werden wir vom Fahrer mit den Worten "Könnt ihr Lesen!?" begrüsst und zurechtgewiesen, der mittlere Einstieg ist nur für Notfälle gedacht. Wir verziehen uns kichernd auf die obere Etage und lauschen den Erzählungen des Speakers.

Der Bus passiert die komplette Aussenalster mit ihren luxuriösen Villen im Rothenbaum-Viertel sowie dem von Karl Lagerfeld designten Gebäudekomplex. Am Wohnsitz von Udo Lindenberg, dem Atlantic Hotel der Kempinski-Kette, fahren wir ebenfalls vorbei. Am Hauptbahnhof steigen wir aus um im Steakhouse Block House eine Essenpause einzulegen.

 

Mit einem nachfolgenden Bus setzen wir unsere Rundfahrt fort, auf dem Programm stehen noch die historische Speicherstadt, die kultige Reeperbahn, das tanzende Haus, der Michel, sowie die Hafencity.

 

Einigen Sehenswürdigkeiten begegnen wir heute bereits zum zweiten Mal. Nun wird auch klar, weshalb die Fremdenführer hier "he Lücht" (er lügt) genannt werden. Einige Zahlen werden im Vergleich zu heute Vormittag locker mal eben verdoppelt.

Nach einer kurzen Pause im Hotel besteigen wir das Shuttleboot zum Theater im Hafen, das Musical Lion King steht auf dem Programm. Äusserst praktisch ist, dass man vor der Vorstellung einen Tisch für die Pause reservieren kann. So finden wir in der Halbzeit die bestellten Getränke bereits genussbereit auf dem Tisch vor. Nach New York und London ist Hamburg die Musicalstadt Nr. 3.

 

Bis auf einen Schlummertrunk im Hard Rock Café und in der Hotelbar passiert heute nicht mehr viel - wir fallen todmüde in die Federn. Ein langer Tag geht zu Ende. Ich gebe zu, ein paar Minuten Schlaf habe ich schon im Musical getankt...

Tag 2:

 

Treffpunkt heute ist um 9.45 in der Hotellobby, mir bleibt also viel Zeit um genüsslich zu frühstücken und Hamburg etwas auf eigene Faust zu erkunden. Bei Minustemperaturen und Bise mache ich mich dick eingepackt auf zu einem Morgenspaziergang. Die tanzenden Türme kenne ich ähnlich bereits aus Prag, ich will mir das Gebäude aus der Nähe ansehen. Die Reeperbahn ist mir alleine frühmorgens allerdings nicht geheuer, also lande ich schon nach kurzer Zeit wieder in der spannenden Hafengegend. Hier könnte man echt stundenlang verweilen und dem Treiben zuschauen. Wenn es nur nicht so kalt wäre!

Jetzt steht ein weiteres Highlight an, wir besuchen das Miniatur Wunderland. Ich kenne es bereits, würde es mir aber auch noch zehn weitere Male anschauen. Ich liebe es! Die grösste Modellbahn der Welt wurde mit grosser Liebe zum Detail im Jahr 2000 eröffnet. Die Anlage wird laufend erweitert, so konnte ich bei diesem Besuch den faszinierenden Airport zum ersten Mal live besichtigen. Mir gefällt besonders der schwarze Humor, den die Macher mit kleinen versteckten Gimmicks in den Anlagen zum Ausdruck bringen. Top!

Zum Mittagessen spazieren wir nach dem Museumsbesuch zum Ratsweinkeller am Rathaus. In gemütlicher Atmosphäre geniessen wir in diesen tollen Gemäuern leckere Spezialitäten.

 

Für den Nachmittag haben wir noch keinen konkreten Plan. Von 450 Stufen auf die Aussichtsplattform des Michels zu steigen, über eine zweite Hafenrundfahrt bis zum gemütlichen Einkaufsbummel in der Innenstadt wird alles genannt. Gemeinsam spazieren wir in Richtung Nivea-Haus.

Wir einigen uns schliesslich darauf, uns aufzuteilen - und ich entscheide mich selbstverständlich für Shopping :-). Die Zeit fliegt - rund um das Alsterbecken, Gänsemarkt und Mönkebergstrasse klappern wir die Einkaufsläden ab, mit Erfolg. Das eine oder andere Teil findet noch einen Platz im Handgepäck.

 

Die Hafenrundfahrt-Gruppe hatte ebenfalls einen super Nachmittag, die zweite Tour war ebenso spannend wie die Speicherstadt-Rundfahrt. 

Nun ist der Zeitpunkt gekommen, den Rückweg zum Flughafen anzutreten. Nach einen kurzen Schreck beim Anblick der Anzeigetafel können wir aufatmen - unser Flug fliegt planmässig. Für den Folgetag ist nämlich ein Streik angesagt, die meisten Flüge wurden annulliert. Erschöpft, aber äusserst zufrieden verlassen wir um 21.00 Hamburg in Richtung Basel.

 

Hamburg ist eine wunderbare Stadt, ein Besuch lohnt sich immer wieder. Auf dieser Gruppenreise haben wir einige Dinge unternommen, die ich persönlich nicht in Betracht gezogen hätte. Vor allem bei der Speicherstadt-Hafenrundfahrt bin ich extrem positiv überrascht worden. Es waren zwei ganz tolle Tage mit viel Spass und guter Laune.