Reisebericht Düsseldorf April 2010

Heute haben wir uns etwas ganz Verrücktes vorgenommen: Mit Easy Jet wollen wir frühmorgens in Richtung Düsseldorf abheben, um am selben Abend direkt wieder zurückzufliegen. In aller Herrgottsfrühe fahren mir mit dem Auto zum Flughafen Basel und überprüfen im Minutentakt via IPhone den Flugstatus. Wir sind etwas unruhig, der isländische Vulkan Eyjafjallajökull hält den Luftverkehr seit einigen Tagen auf Trab.

 

Wir erreichen rechtzeitig den Flughafen und begeben uns zum auf der Abflugtafel angezeigten Check-In-Schalter. Nachdem aufgrund der Flugzwischenfälle Online-Check-In vorübergehend gestrichen wurde, stehen nun sämtliche Passagiere an diesem Schalter an. Wir sind als Nächste dran und glauben an einen schlechten Witz. Mit arroganter Miene faltet die Schalterdame meinen Ticketausdruck zusammen und drückt ihn mir mit den Worten "annulliert" in die Finger. Vor wenigen Minuten hat sie die Information erhalten, dass der Flug ersatzlos gestrichen wird und wir stehen wie die Esel am Berg am Flughafen Basel. Wir versuchen auf eine Ersatzdestination umzubuchen, was allerdings nicht möglich ist. Das Personal von der Swiss und der Lufthansa kümmert sich sehr hilfsbereit um uns und überprüft sämtliche Flugverbindungen nach Düsseldorf nach freien Plätzen. Tatsächlich finden Sie für uns 4 Plätze, welche wir aber aus Kostengründen ablehnen müssen.

Jetzt beginnt die grosse Diskussion…was nun? Freiburg? Zu unspektakulär. Strassburg? Langweilig. Europa Park? Wir hassen Freizeitparks! Zurück auf die Arbeit? Nein, wir haben uns auf den Urlaubstag gefreut. In der Schweiz etwas unternehmen? Nein, wir haben die Taschen gut gefüllt mit Euros! Ich verabschiede mich aufs WC, wo es mich wie einen Geistesblitz trifft. Nicht umsonst habe ich die Strecke so oft abgeklappert. Wir nehmen den Zug! Schliesslich sind wir schon in Basel, also sind es nur noch 4.5h Fahrzeit. Ich leiste Überzeugungsarbeit und wenige Minuten später sitzen wir im Bus in Richtung Hauptbahnhof Basel. Der Busfahrer staucht uns zusammen, weil die Zeit nicht mehr reicht um ein Ticket zu lösen. Ein paar Stationen weiter passiert das Unvermeidliche, zwei uniformierte Beamte steigen ein und wir hüpfen auf den letzen Drücker aus dem Bus. Ist ja super gelaufen. Zum Bahnhof ist es immer noch ein gutes Stück, also lösen wir jetzt ein Ticket und nehmen die Strassenbahn. Die ganze Situation ist so grotesk, dass wir Mädels den ersten Lachanfall vom heutigen Tag kriegen. Wir lösen die Zugtickets, kaufen ordentlich Reiseproviant ein und verlassen Basel um 7:12 in Richtung Deutschland. Jetzt sind auch die Jungs zufrieden und wir frühstücken gemütlich. Die Fahrt vergeht im Flug, so lassen wir die Geschichte mindestens 10 Mal Revue passieren bis wir um 11:30 Düsseldorf HB erreichen.

Wir spazieren zur Altstadt und schlendern durch die Gässchen. Hungrig stoppen wir bei Schnitzelhuber zur Mittagspause. Die strahlende Sonne lädt zum Verweilen im Freien ein, also machen wir uns auf zum Rheinufer. Unterwegs passieren wir die berühmte längste Theke der Welt. Wir setzen uns an der Rheinuferpromende in die Sonne und lassen uns mit Drinks, Eis und Erdbeerkuchen verwöhnen. In bequemen Lounge-Sesseln schauen wir den Schiffen und den Leuten zu. Hier könnten wir stundenlang sitzen bleiben, was aber aufgrund des kurzen Aufenthaltes leider nicht möglich ist.

Entspannt schauen wir uns die Luxusläden an der Kö an, kaufen können wir uns da aber leider nichts. Egal, Düsseldorf hat genug Alternativen. Von einer Parkbank aus schauen wir den armseligen Machos in superteuren Sportautos eine Weile lang zu, bis wir von der Dekadenz genug kriegen und weiterziehen zum Shoppingviertel für Normalsterbliche. Wir decken uns mit Kleidung und Schuhen ein, soweit das aufgrund des begrenzten Handgepäcks überhaupt möglich ist. Bei Starbucks wollen wir das WLAN ausnutzen und den Rückflugstatus überprüfen. Es klappt nicht, also müssen wir zu Hause nachfragen. Es ist alles im grünen Bereich, was uns aber nicht wirklich beruhigt, schliesslich war das heute früh nicht anders.   

Wir haben noch Zeit satt und schlendern die Strassen Düsseldorfs auf und ab. Nicht fehlen darf zum Schluss die klassische Currywurst, im Hinblick auf den Flug aber ohne Pommes Mayo. Mit Zug und Bus fahren wir zum Flughafen und checken ein. Unser Flug findet zur allgemeinen Verwunderung tatsächlich statt! Am Gate erreicht mich die SMS meiner Freundin, mit einigen Tagen Verspätung sind sie aus Kuba wohlbehalten in der Schweiz gelandet, was wir von uns eine Stunde später auch behaupten können.

 

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen. Wie wahr.